15.05.2014

Die Taktiktrends der Saison

Wer braucht schon Ballbesitz?

Hat der pressingstarke Konterfußball den Ballbesitzfußball wirklich besiegt? Die wichtigsten Taktiktrends der Saison 2013/14.

Text:
Tobias Escher
Bild:
imago

Es ist schwer zu glauben, aber Silvio Berlusconi hat der Welt mehr geschenkt als zahlreiche Skandale und Skandälchen. Als Berlusconi Ende der Achtziger als Präsident des AC Mailand den bis dato unbekannten Arrigo Sacchi zum Cheftrainer beförderte, hat er wesentlich zur Entwicklung der Fußballtaktik beigetragen. Systematisches Verschieben zum Ball, ein kollektives Pressing, pfeilschnelle Konter, all dies setzte Sacchi ab 1987 als erster Trainer mit seinen Mailändern um – und bis heute ist sein Einfluss spürbar.

Ralf Rangnick nennt Sacchi sein Vorbild, Jürgen Klopp ebenso – und Carlo Ancelotti, der jüngst mit Real Madrid das Champions-League-Finale erreicht hat. Dass Ancelottis Madrilenen im Halbfinale gegen die Bayern mit ihrem roboterhaften Verschieben und ihren pfeilschnellen Kontern auf fast schon beängstigende Weise an den AC Milan von Sacchi erinnerten, war indes kein Zufall: Ancelotti rief Sacchi am Tag vor dem Bayern-Spiel an, um mit ihm die Taktik durchzugehen.

Das Zeitalter des Pressings

Im Jahr 2014 scheint es im internationalen Spitzenfußball unabdingbar, stark im Kollektiv zu verteidigen. In Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden wurde jeweils das Team mit den wenigsten Gegentoren Meister, und auch in Spanien ist Atletico mit nur 25 Gegentreffern auf dem Weg zum Titel. Im Champions-League-Finale stehen sich mit Atletico und Real Madrid die zwei konter- und pressingstärksten Teams der abgelaufenen Saison gegenüber.

Wenn man bei den vier sehr unterschiedlichen Champions-League-Halbfinalisten Chelsea, Bayern, Atletico und Real Madrid eine Gemeinsamkeit suchen möchte, dann ist dies mit Sicherheit die kollektive Defensive. Kein Spieler darf sich auf internationalem Top-Niveau mehr erlauben, gegen den Ball zu faulenzen. Spielertypen wie Ronaldinho, noch vor einigen Jahren bester Spieler des Planeten, verkommen zum Anachronismus. Selbst ein Cristiano Ronaldo, vor zwei Jahren noch Defensiv-Verweigerer, ordnet sich dem Spiel der Mannschaft unter und arbeitet gegen den Ball.

 
 
 
 
 
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