Die Taktikanalyse vom Topspiel Werder - BVB

Ballspielverein Gnadenlos

26:10 Torschüsse, 11:3 Ecken, 60% Ballbesitz – den Statistiken zufolge hätte Bremen den BVB aus dem Weserstadion schießen müssen. Wieso konnten die Bremer ihre statistische Überlegenheit nicht aber in Tore ummünzen? Unser Taktikexperte Tobias Escher sucht nach Antworten. Die Taktikanalyse vom Topspiel Werder - BVBImago / spielverlagerung.de

Die Fußballliebhaber der Nation schauten am Freitagabend nach Bremen: Dort trafen mit Werder Bremen und Borussia Dortmund zwei der aggressivsten Teams der Liga aufeinander. Mittelfeldgeplänkel und langes Abtasten sind nicht Teil der schaafschen und kloppschen Matchpläne. Beide Abwehrreihen standen sehr hoch, so dass die vorderen Spieler ebenfalls weiter aufrückten und den Gegner direkt attackieren konnten. Die Verteidiger hatten nicht lange Zeit, sich im Spielaufbau zu ordnen, denn sofort standen ihnen mehrere Gegner auf den Füßen. So entwickelte sich in der Anfangsphase der erwartete offene Schlagabtausch, bei dem der Ballbesitz so sprunghaft wechselte wie Friedhelm Funkel seine Trainerstationen.

[ad]

Erst nach rund zwanzig Minuten wurde das Spiel etwas ruhiger. Beide Mannschaften nahmen sich nach dem kräftezehrenden Schlagabtausch zu Beginn etwas zurück. In der Folge waren es die Bremer, die mehr und mehr die Kontrolle übernahmen. Gegen nun tiefer stehende Dortmunder zogen sie ihr Kurzpassspiel auf. Hunt und Fritz waren in dieser Phase sehr präsent und an vielen Angriffen beteiligt.

Zum Nachlesen: Werder – BVB im 11FREUNDE-Ticker >>>

Gerade auf den Außenbahnen erlangten die Bremer ein Übergewicht, brachten von dort aber zu wenig Flanken in den Strafraum. Die Dortmunder fanden hingegen kaum noch ins Spiel. Sie hatten zwischen der 25. und der 45. Minute mit einer Fehlpassquote von über 50% zu kämpfen – ungewohnt schwach. Ungewohnt auch die Effektivität, die der BVB an den Tag legte: Sonst als Chancentod bekannt, reichte ihnen ein guter Angriff, um kurz vor der Pause in Führung zu gehen (43.). Der Spielverlauf war auf den Kopf gestellt.



Kaum hatte Schiedsrichter Meyer die zweite Halbzeit angepfiffen, musste er erneut in seine Pfeife blasen: Perisic, der bereits zuvor seine lieben Probleme mit Sokratis hatte, brachte den flinken Griechen zum wiederholten Mal zu Fall. Schiedsrichter Meyer zückte Gelb-Rot. In Überzahl wurde die Bremer Dominanz über das Spiel noch erdrückender. Am Ende standen für sie in der zweiten Halbzeit fast 80% Ballbesitz zu Buche und das bei einer Passqouote von teuflischen 6,66 Pässe pro Minute. Zum Vergleich: Die Dortmunder spielten hingegen gerade einmal 0,82 Pässe pro Minute. Und obwohl der BVB fast nicht aus der eigenen Hälfte kamen, konnten die in der 71. Minute gar das 2:0 erzielen.

Was hatte Werder Bremen falsch gemacht?

Schaafs Mannschaft spielte die eigene Überzahl nicht konsequent aus. Mit Perisic verlor der BVB einen Mittelfeldspieler. In der Zone kurz hinter dem Mittelkreis hätte man daher gegen nur vier Dortmunder Mittelfeldspieler eine Überzahlsituation kreieren können beziehungsweise müssen. Die Bremer suchten jedoch sehr schnell den Weg in die Spitze und warfen den Vorteil einfach so weg. Ein Direktpassspiel mit vielen Spielverlagerungen hätte mehr Räume gegen den dezimierten Gegner geschaffen. So suchten sie ständig den Weg über die Flügel, konnten von dort aber keine Gefahr ausstrahlen – gerade einmal zwei Flanken brachten die Bremer an den Mann. Trotz eines Lattenkrachers von Schmitz (66.) konnten sie keine hundertprozentigen Chancen herausspielen. Am Ende verloren sie daher gegen effektive Dortmunder mit 0:2.

---

Ballbesitzstatistiken, Spielfeldmatrixen und taktische Formationswechsel - für manche Fans ein rotes Tuch, für Tobias Escher eine Leidenschaft. Zusammen mit seinen Kollegen analysiert er die Taktik der Bundesligisten auf dem Blog Spielverlagerung.de.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!