26.03.2012

Die Spielanalyse: 1. FC Köln - BVB

Schlange frisst Geißbock

Egal ob Finke-Entlassung, Poldi-Wechsel oder die Auftritte von Solbakkens Team – weder auf noch neben dem Platz macht das Kölner Fandasein in diesen Tagen Freude. Das 1:6 gegen Borussia Dortmund ist ein neuer Tiefpunkt. Die 11FREUNDE-Spielanalyse.

Bereits im Hinspiel sah der 1. FC Köln bei der 0:5-Niederlage im Westfalenstadion nicht gut aus. In jener Partie überrumpelte insbesondere Verteidiger Mats Hummels mit seinen langen Bällen ein ums andere Mal die hoch stehende Kölner Viererkette. Solbakken zog hieraus offensichtlich seine Schlüsse, denn im gestrigen Rückspiel stand sein Team wesentlich tiefer. Die Abwehrreihe zoge sich erst kurz vor dem Sechszehner auf und rückte nur selten auf. Auch das Experiment, Martin Lanig weit nach vorne schieben zu lassen, um so Mats Hummels früh zu attackieren, gab Solbakken auf. Stattdessen beschränkte sich sein Team vollends auf das Verschieben im Raum.

Überraschenderweise hatten die Dortmunder in der Anfangsviertelstunde ihre liebe Mühe. Obwohl sie von den Hausherren im Spielaufbau nie ernsthaft gestört wurden, war ihr Passspiel extrem ungenau – gerade einmal 71% ihrer Pässe kamen in den ersten 15 Minuten beim Mitspieler an. Scheinbar waren sie in der Anfangsphase nach dem intensiven Pokalkrimi unter der Woche noch nicht ganz bei der Sache. Das belegt auch das schwache Abwehrverhalten, das sie auf den Außenbahnen und im eigenen Strafraum an den Tag legten. So konnte Novakovic eine Flanke des völlig frei gelassenen Lanig einköpfen (13.).

Köln mit wenig Gegenwehr

Doch nach dem Gegentreffer steigerten sich die Dortmunder, wenn auch nur langsam. In der Folge war es besonders Ilkay Gündogan, der das Spiel in die Hand nahm. Mit 113 Ballkontakten war er der mit Abstand aktivste Akteur auf dem Feld. Er beruhigte das Spiel seines Teams, das zu Beginn hektisch agierte. Zusammen mit dem nun oft auf die Sechserposition zurück fallenden Kagawa sorgte er für neue Kreativität. Sven Bender schaffte durch seine dynamischen Läufe in die Spitze immer wieder  Überzahlsituationen auf den Flügeln.

Genauf auf jenen Außen waren die Kölner zuletzt besonders verwundbar. Vor allem der Verzicht auf das konsequente Doppeln der Außenstürmer durch Kölner Innenverteidiger bzw. Sechser sorgt dafür, dass die Kölner Außenverteidiger oft auf sich alleine gestellt. Zu allem Überfluss hatten diese im Eins gegen Eins durchweg große Probleme mit ihren Gegenspielern. Die Freistöße, nach denen zwei Flanken zum Ausgleich und zum Führungstreffer führten, wurden beide unsinnigerweise auf den Flügeln hergegeben – ein Team, das nach dem HSV die zweitmeisten Gegentreffern nach Standards fing, sollte nicht so einfach Freistöße herschenken. 

Bezeichnend war zudem, dass Köln zu keiner Zeit echten Druck ausübte. Ihre Konterversuche wurden durch die große Ungenauigkeit im Passspiel (30 Prozent Fehlpässe) zunichte gemacht. Gerade einmal fünf Torschüsse hatten sie am Ende vorzuweisen. Beängstigend auch die Schlussviertelstunde: Solbakkens Team brach vollkommen auseinander und überließ dem BVB das Mittelfeld komplett. Die Folge: Die letzten drei Tore des BVB kamen fast ohne Gegenwehr zustande. Am Ende hieß es 1:6. Ja, die Kölner waren an diesem Sonntag keine Geißböcke, sondern Kaninchen, die sich der Dortmunder Schlange widerstandlos ergaben.

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Ballbesitzstatistiken, Spielfeldmatrixen und taktische Formationswechsel - für manche Fans ein rotes Tuch, für Tobias Escher eine Leidenschaft. Zusammen mit seinen Kollegen analysiert er die Taktik der Bundesligisten auf dem BlogSpielverlagerung.de.

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