Die Sehnsucht nach dem Leader

Ballackeske Momente

Wer den verletzten Leader Michael Ballack bisher nicht besonders vermisst hat, denkt jetzt um: Vor dem Spiel gegen Ghana (heute, 20.30 Uhr im 11FREUNDE-Liveticker) steigt die Sehnsucht nach den Qualitäten des Routiniers. Die Sehnsucht nach dem Leader Es gibt Spiele, die werden für immer mit einem Namen verbunden bleiben. Miroslav Klose wird so schnell nicht mehr das Spiel gegen Serbien loswerden, das für den Stürmer noch vor der Halbzeit beendet war und Deutschland in Bedrängnis stürzte. Mancher wird die 0:1-Niederlage auch mit Alberto Undiano in Verbindung bringen, dem spanischen Schiedsrichter, der mit den Karten nur so um sich warf. Unstrittig aber ist, dass Deutschland wieder mal vor einem bedeutsamen Spiel steht. Gegen Ghana muss gewonnen werden, unter Umständen reicht ein Unentschieden, im Falle einer Niederlage aber ist man draußen. Das würde niemand vergessen.

[ad]

Das bisher letzte Spiel dieser Art wird für immer mit einem Spieler verbunden bleiben, der jetzt fehlt – mit Michael Ballack. Vor zwei Jahren war die Ausgangslage bei der EM vor dem dritten Gruppenspiel ähnlich. Nach einer Niederlage gegen Kroatien durfte Deutschland gegen Gastgeber Österreich auf keinen Fall verlieren. Die Elf von Joachim Löw spielte schwammig. Bis zu jenem Freistoß, den Ballack mit der Kraft seines Willens ins Tor jagte und der den Deutschen den Weg in die K.-o.-Runde ebnete.

Elf Ballacks gegen Serbien

Es ist noch gar nicht so lange her, da sahen sich viele Beobachter ermuntert, das Fehlen des alternden Helden als Vorteil für Deutschland zu deuten. Ohne den 33-Jährigen spiele das Team von Joachim Löw schneller. Wie gegen Australien. Wenn dem so ist, müssten gegen Serbien elf Ballacks für Deutschland auf dem Platz gestanden haben. Natürlich ist das Unfug. Niemand weiß, ob Deutschland mit Ballack nicht auch, ja vielleicht noch höher gegen Australien gewonnen hätte, oder ob das Spiel gegen Serbien verloren gegangen wäre.

Auch Löw mag diese Diskussion nicht. Schon vor der Niederlage gegen Serbien sagte er, dass es nicht darum gehen kann, sich einen neuen Michael Ballack zu wünschen. Stattdessen »bin ich gefordert, Lösungen zu finden«. Fürs Erste fand sie Löw, indem er die Aufgaben Ballacks auf viele Schultern verteilte, besonders aber auf die von Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira, die nun im zentralen Mittelfeld wirken und dort Rhythmus und Richtung vorgeben. »Im Moment kommt die Mannschaft auch ohne Ballack gut klar«, sagte Löw. Das war vor dem Serbienspiel.

Nicht nach Wunden suchen

Nun aber haben sich die Dinge etwas geändert. Fußballerisch bestehen noch die geringsten Probleme, doch wie steht es im mentalen Bereich? Wie ist es um die Stressresistenz der jungen Mannschaft bestellt? »Es ist schon ein bisschen anders nach der Niederlage“, sagt Oliver Bierhoff. »Die Stimmung aber ist gut.« Man sollte nicht zu sehr »nach Wunden suchen«, sagt der Teammanager. Genau darin aber lag auch Ballacks Führungsqualität. Er hatte den Entwurf vom Großen und Ganzen im Kopf. Er war ein unbequemer Leader, ein streitbarer, einer, der bewusst Dinge angesprochen hat. Und ja, nicht immer im sanften Ton. Sein Credo: Zu viel Homogenität kann bremsen, Reibung muss nicht immer schlecht sein.

»Wir stehen zwar unter Druck, aber wir haben es noch selbst in der Hand. Es gibt keinen Grund zur Panik« hatte Ballack damals gesagt. Und so waren alle 23 Spieler zusammengekommen – ohne Trainer. Kapitän Ballack und die Wortführer Frings und Lehmann hatten diese Aussprache angeregt. Manche Spieler würden dann freier sprechen. Ballack: »Da sagt man sich mal die Meinung, auch mal laut, auch mal unsachlich. Wichtig ist, dass eine Reaktion kommt.«

Ballack selbst braucht man nicht – aber seine Momente

Das deutsche Team hätte Michael Ballack »gern von Anfang an dabei gehabt«, sagt Bierhoff. Nun könne man nichts an der Situation ändern. Das muss auch nicht sein. Ballack selbst braucht man vielleicht auch gar nicht, wohl aber Ballackeske Momente. Diese in die Mannschaft zu tragen ist am ehesten Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger zuzutrauen. Auf ihre Art. Sie müssten jetzt »vornweg marschieren«, sagt der Teammanager. Durch ihr Verhalten auf dem Platz, aber eben auch jenseits davon.

Michael Ballack wird übrigens nicht anreisen, wenn es am Mittwoch für das deutsche Team schon um alles geht. Er wird später kommen, sagt Bierhoff noch. Das Vertrauen ist groß, dass das Spiel gegen Ghana in positiver Erinnerung bleiben wird – mit welchem Spieler auch immer. Vielleicht sogar mit einer ganzen Mannschaft.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!