Die Schweiz hofft auf den wiedererstarkten Josip Drmic

Fallrückzieher am Swimming-Pool

Bis zum Honduras-Spiel verlief die WM für Josip Drmic nicht ganz so spaßig. Dann verhalf er der Schweiz maßgeblich zum Achtelfinal-Einzug. Heute gegen Argentinien ist er einer der Hoffnungsträger für die Eidgenossen.

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Josip Drmic war stolz auf sich. Anfangs sei er zu nervös gewesen, sagte der Stürmer nach dem 3:0-Sieg der Schweizer gegen Honduras. Aber nach einer gefühlten Ewigkeit hatte er es endlich geschafft. Er hatte die Probleme beim Wasserlassen überwunden und die Dopingprobe hinter sich gebracht. »Ich schaffe das erst in mehreren Anläufen«, sagte er.

So verpasste Drmic die Kabinenparty anlässlich des Schweizer Achtelfinaleinzugs, an dem er zuvor maßgeblichen Anteil gehabt hatte. Sein Kollege Xherdan Shaqiri stand mit drei Treffern zwar im Mittelpunkt der Beobachter, doch Drmic hatte dem Mittelfeldspieler der Bayern zwei Tore aufgelegt. »Wir haben bewiesen, dass wir ein gutes Duo sind«, sagte Drmic.

Shaqiri revanchierte sich am freien Tag der Schweizer mit Flanken in Richtung Swimmingpool. Auf einem Video sieht man, wie Drmic vom Beckenrand springt und den Ball in der Luft mit einem Fallrückzieher trifft. Unter dem Gejohle der Umstehenden platscht er danach ins Wasser. Drmic und Shaqiri, das Offensivduo der Schweizer, hat weitere solcher Videos angekündigt.

Im zweiten Gruppenspiel ging's wieder auf die Bank

Ganz so spaßig verlief das Turnier in Brasilien bis zum Honduras-Spiel für Drmic nicht. Im ersten Spiel gegen Ecuador wurde ihm ein reguläres Tor wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung aberkannt. In der 75. Minute wechselte ihn Ottmar Hitzfeld gegen Haris Seferovic aus. Drmics Konkurrent in der Sturmspitze erzielte dann in der letzten Minute des Spiels den 2:1-Siegtreffer.

Im zweiten Gruppenspiel der Schweizer gegen Frankreich musste Drmic wieder auf die Bank. Er verhielt sich ruhig - sein Konkurrent ist gleichzeitig sein Zimmerkollege. »Er ist sehr sauber«, sagte Drmic und grinste breit. Sonst blickt er bei Interviews häufig mit müden Augen ins Leere. Er spricht mit unveränderter Miene, da ist es gleich, ob er auf die WM angesprochen wird oder auf die Seelöwenhaltung im Nürnberger Zoo. Auf dem Feld hingegen kann er nur schwer seine Emotionen verbergen, der Spielstand ist an seiner Körpersprache ablesbar.

»Die Leute kenne ich sonst nur von der Playstation«

Drmics Familie stammt aus Kroatien, er ist in der Schweiz groß geworden. Emotionen und Ordnung. In Nürnberg wohnte er mit seinem Mitspieler Timo Gebhart in einer WG. »Nürnberg Tag und Nacht«, nannten sie das in Anlehnung an eine Vorabendserie. Morgens, wenn Gebhart noch schlief, stand Drmic auf und bereitete das Frühstück zu. Rührei oder Cornflakes. Er machte die Küche sauber. Dann setzte er sich aufs Bett und schmiss auf der Konsole ein Ballerspiel an. Oder auch ein Fußballspiel.

»Die Leute, neben denen ich in der Torschützenliste stehe, kenne ich sonst nur von der Playstation«, sagte er einmal. In seiner ersten Saison in Deutschland erzielte Drmic 17 Tore in 33 Spielen für den 1. FC Nürnberg. Die Topklubs jagten ihn, der Schweizer Nationaltrainer Hitzfeld stellte ihm schon nach dem fünften Länderspiel einen Freibrief für die WM aus. In Nürnbergs katastrophaler Rückrunde war Drmic zu häufig vom Spiel abgeschnitten, weil Zuspiele im Mittelfeld havarierten. In Leverkusen, bei seinem neuen Klub, wird er seine Stärken mehr entfalten können. Drmic begreift die Räume auf dem Feld, er antizipiert, kann Bälle blitzschnell verarbeiten. Von seiner Schnelligkeit und Dynamik profitieren die Mitspieler – wie eben Xherdan Shaqiri.

Gegen Argentinien wird es für die beiden nicht so einfach wie gegen Honduras. Drmic sagt: »Viel Raum werden wir nicht bekommen.« Doch der Vorteil ist: Shaqiri und er sind eingespielt - auf dem Platz und am Pool.

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