Die schönsten Prognosen vor dem Spiel Bayern-Basel

»Es ist schwierig, gegen uns zu treffen«

Heiko Vogel war sich sicher, dass »ein immenser Druck auf den Schultern der Bayern« lag. Und Basels Präsident nahm an, dass die eigene Mannschaft momentan gar nicht verlieren könne. Warum man manchmal lieber keine Prognosen abgeben sollte.

»Warum?«, fragten die Reporter von Sky gestern immer wieder. »Warum ist Fußball so einfach?« Die Bayern-Spieler hatten darauf keine Antwort. Sowieso erscheint der gestrige Abend in der Rückschau wie ein reichlich groteskes Szenario, schließlich waren die Bayern bis zum vorigen Samstag täglich mit der Frage konfrontiert worden, warum der Fußball so kompliziert sei. Nach dem 0:1 in Basel und dem folgenden 0:2 in Leverkusen wurde die Trainer-Frage gestellt, die Robben-Frage, die Meister-Frage. Uli Hoeneß wollte sogar juristische Schritte einleiten, sollten Journalisten weiterhin über die Zukunft von Jupp Heynckes spekulieren.  

Und nun das. 7:1 gegen die TSG Hoffenheim, 7:0 gegen den FC Basel. Mario Gomez schoss in zwei Spielen sieben Tore. Arjen Robben und Thomas Müller agierten in manchen Phasen wie früher, ja tatsächlich, sie spielten wie einst Arjen Robben und Thomas Müller. Und Manuel Neuer hatte in beiden Spielen kaum mehr Ballkontakte als sein Trainer Jupp Heynckes. Der neue alte FC Bayern war zurück. Fußball, ganz einfach. Fußball, ganz effzehbairrrisch.

Olaf Thons Expertenmeinung

Mit Prognosen und Expertenmeinungen ist das seit jeher so eine Sache. Kommt alles so, wie vorhergesagt, manifestiert sich im Fußball beim Verkünder schnell der Titel »Experte«, an der Börse gilt er gerne mal als »Guru«. Kommt alles anders und hat man sich darüber hinaus schon zu häufig zu weit aus dem Fenster gelehnt, redet man bestenfalls nie wieder über das Thema, von dem man angeblich Experte war. Andernfalls wird man Kosenamen auch im Alter nicht los. Erinnern wir uns nur an Olaf »Professor« Thon, der nach einem 0:3 gegen Borussia Mönchengladbach in der Saison 1998/99 feierlich verkündete: »Wenn ihr so weiterspielt, werdet ihr am Ende Meister!« Am Ende stieg Gladbach ab. Als Tabellenletzter.  

Nach Bayerns 0:1-Hinspielniederlage beim FC Basel standen die menschgewordenen Orakel und Superexperten schnell wieder Gewehr bei Fuß. Man konnte nach ihren Analysen annehmen, dass die Schweizer nun ziemlich sicher ins Finale des Wettbewerbs einziehen würden und der FC Bayern, wäre es denn möglich, aus der Champions League abstiege.

»Der Giganten-Killer!«

»Der FC Bayern hat seit fünf Halbzeiten kein Tor mehr erzielt«, zeigefingerte Johannes B. Kerner etwa nach dem Hinspiel. Und die Zeitungen schrieben am nächsten Tag entweder Basel in den Himmel (»Der Giganten-Killer!«, As) oder sagten dem FC Bayern turbulente Wochen voraus (»Handfestes Krisenszenario«, SZ).

Zugegeben, vor dem Rückspiel versuchten die Spieler des  FC Basel zwar weitgehend die Füße stillzuhalten, Trainer Vogel wies zum Beispiel mehrfach darauf hin, dass ein Weiterkommen immer noch sehr außergewöhnlich wäre. Und auch Alexander Frei versuchte die euphorischen und selbsternannten Expertenmeinungen ein wenig herunterzuspielen: »Es braucht ganz viel Schwein und ein nächstes Wunder.«

»Es ist sehr schwierig, gegen uns zu treffen.« 

Dennoch prognostizierten sich einige Spieler um Kopf und Kragen. Granit Xhaka, Jungstar des FC Basel, verkündete nach Bayerns 7:1-Peitsche gegen Hoffenheim etwa: »Die haben jetzt ihre Tore gemacht. Aber am Dienstag ist nicht Hoffenheim da, am Dienstag ist der FC Basel da. Und da gibt es keine Tore für sie.« Und Marco Streller war sich sicher, dass »wir nur gewinnen können«. Basel-Präsident Dr. Bernhard Heusler ließ wissen: »Unsere Mannschaft verfügt derzeit über den wichtigen Glauben, ein Spiel gar nicht verlieren zu können.« Und dann noch einmal Xhaka: »Es ist sehr schwierig, gegen uns zu treffen.« 

Heute, gerade mal zwölf Stunden später, klingen diese Aussagen beinahe albern. Der Klub wirkt wie eine Castingshow-Kandidatin, die wochenlang der festen Überzeugung war, sie könnte singen wie Whitney Houston – und sich am Ende nicht mal den Text des großen Trio-Hits merken kann.  

Mit Prognosen und Expertenmeinungen ist das seit jeher so eine Sache. Und natürlich, weiter aus dem Fenster gelehnt als der FC Basel haben sich schon andere. Wir weisen an dieser Stelle auf den Präsidenten der Michigan Savings Bank hin, der im Jahr 1903 verkündete: »Das Pferd wird es immer geben, Automobile hingegen sind lediglich eine vorübergehende Modeerscheinung.« Oder ein deutsches Magazin für Fußballkultur, das im im Jahr 2004 (Ausgabe 26) der Stuttgarter Neuverpflichtung Philipp Lahm eine kurze Karriere prophezeite: »Ein Bankdrücker. Der Name ist Programm.« Seltsam allein, dass der Autor dieses Satzes bis heute ohne Kosenamen auskommt.

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