1.
1945, kurz nach Kriegsende, freute sich der Provinzklub Rhenania Würselen über die Verpflichtung seines neuen Platzwartes: Jupp Derwall! Der spätere Nationaltrainer verdiente sich seine ersten Kröten, indem er »'ne Million Granatsplitter« aufsammelte und »nebenher« Ruinen einriss, um daraus das erste Vereinsheim Würselens und andere Unterkünfte aufzubauen. Nicht immer mit Erfolg, wie Derwall 1980 in der »Welt am Sonntag« verriet: »Mit Freunden hatte ich für meine Eltern eine 3-Zimmer-Wohnung hergerichtet und ausstaffiert. Noch ehe meine Eltern einziehen konnten, ging im Garten plötzlich eine Mine hoch – alles war wieder zerstört.
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2.
Die ruhmreiche Geschichte der Trainer-Legende Ernst Happel kann nicht erzählt werden, ohne die Zuhilfe des Platzwartes von ADO Den Haag zu erwähnen. Der brachte auf Geheiß des neuen Trainers bei dessen Amtsantritt eine Cola-Dose und durfte anschließend staunend beobachten, wie der neue Chef im Ring das Döschen auf die Latte stellte, nur um sie sogleich von der Strafraumkante aus mit einem platzierten Schuss zu Klump zu schießen. Keiner seiner neuen Spieler konnte Happel das Kunststück nachmachen, die Autorität ward gesichert. Auch dank des hilfsbereiten Platzwarts.
3.
Als der VfB Leipzig 1994 offiziell den Transfer des ehemaligen Serie-A-Spitzenstürmers Darko Pancev bekannt gab, nutzte Manager Klaus Dietze die Gunst der Stunde, um mit den lästernden Medien abzurechnen. »Es hieß, wir hätten wohl mit dem Platzwart von Inter Mailand verhandelt, aber jetzt ist Pancev hier. Da müssen die Journalisten wohl mit der Klofrau gesprochen haben!«
4.
Riesengag von Reporter-Urgestein Werner Hansch, der, als die Kameras einst kurz den seelenruhig die Linien nachziehenden Platzwart zeigten, ins Mikrophon blökte: »Da sind die Jungs wohl zu oft auf den Strich gegangen!« Lustig. Nicht.
5.
Während seiner Zeit als Trainer von Besikats Istanbul 1994 bis 1996 musste sich Christoph Daum auch um die angemessene Pflege seines Arbeitsplatzes kümmern. »Du bist mehr Selfmade-Mann«, sagte Daum der »Sport-Bild«, »weil du dich um alles kümmern musst. Du musst dem Platzwart sagen, welchen Grassamen er nehmen soll, wann er walzen und düngen soll.«
6.
1993 stellte der englische Fußballverband einen Leitfaden für Platzwarte auf. Thema: Wie führe ich eine angemessene Stadionbestattung durch? Das schmale Büchlein mit so nützlichen Hinweisen wie »Beim Verstreuen der Asche immer auf die Windrichtung achten« oder »Eine symbolische Schaufel reicht häufig aus« enthielt auch interessante Insiderinfos über die Anzahl der Fanbestattungen der größten englischen Klubs. Klarer Spitzenreiter: Manchester United mit 20 bis 25 Bestattungen pro Kalenderjahr.
7.
Ein Platzwart hätte beinahe den Start einer der ruhmreichsten Karrieren im deutschen Nachkriegsfußball versaut: Im Mai 1947 sollte ein kleiner blonder Hänfling namens Uwe Seeler sein erstes Pflichtspiel für den Hamburger SV absolvieren. Da jedoch der Rasenplatz am Rothenbaum aufgrund starker Regenfälle in einem bedauernswerten Zustand war, verbot der Platzwart dem HSV-Nachwuchs zunächst, das heilige Grün zu betreten. Begründung: Die große Bühne sollte allein den Großen vorbehalten werden. Erst nach minutenlanger Quengelei des kommenden Weltstars (»Meine Tore sind doch auch nicht schlechter, oder?«) gab der Herr des Rasens das feuchte Geläuf frei. Gott segne diesen Platzwart.
8.
Uwe Klimaschefski, Alptraum aller Platzwarte: Während seiner Zeit als Trainer beim FC Homburg ließ »Klima« einst den nörgelnden Rasenpfleger von seinen Spielern an den Torpfosten fesseln und mit Vollspannstößen eindecken. Der arme Meckerrentner wurde erst von seiner Gattin erlöst, die mit einem riesigen Küchenmesser über den Rasen stürmte und ihren Mann schließlich befreite.
9.
»Platzwart packt aus! Stolpert Dr. Paulick über 230 000 Mark?« betitelte die »Bild«-Zeitung im November 1989 einen Artikel über die krummen Geschäfte des FC St. Pauli-Präsidenten Dr. Otto Paulick. Der hatte nach eigener Aussage 230.000 Mark aus der Vereinskasse für die Arbeiten der »Bau-Tischlerei Schulz« überwiesen – dumm nur, dass diese Arbeiten offenbar nie wirklich durchgeführt worden waren. Pauli-Platzwart Karl-Heinz Manthey: »Von dieser Firma war nie jemand am Millerntor. Ich war jeden Tag da. Ich hätte die doch sehen müssen.«
10.
Sparfuchs Guido Buchwald: Kurz nach seinem Wechsel zum japanischen Klub Red Diamonds Urawa Mitte der Neunziger, suchte der Weltmeister nach günstigen Angeboten für seinen neuen Garten. Es galt ein zwölf Quadratmeter großes Stück Land mit neuem Rasen begrünen zu lassen. Erstes Angebot: 5000 Mark! Klar, dass »Diego« auf die Dienste des deutlich genügsameren Platzwartes der Red Diamonds zurück griff. Spekulation der »Berliner Zeitung«: »Seitdem wird gemunkelt, dass nun im Stadion ein Stück Rasen fehlt.«
11.
Andy Brehme ist: Der Seher. Im April 1996 motzte der Weltmeister im »MOPO«-Interview: »Wenn wir absteigen, ist unser Platzwart schuld. Wir haben den schlimmsten Rasen der Bundesliga. Eigentlich ist es ja keiner mehr. Seit Monaten wird da nur noch Sand draufgeschüttet. Schon in der Winterpause habe ich den Platzwart aufgefordert, das zu ändern. Es nützte nichts.« Und nur einen Monat später, wir erinnern uns, lag der Andy beim Rudi weinend an der Schulter, Kaiserslautern war gerade abgestiegen. Dem Platzwart sei Dank.
1945, kurz nach Kriegsende, freute sich der Provinzklub Rhenania Würselen über die Verpflichtung seines neuen Platzwartes: Jupp Derwall! Der spätere Nationaltrainer verdiente sich seine ersten Kröten, indem er »'ne Million Granatsplitter« aufsammelte und »nebenher« Ruinen einriss, um daraus das erste Vereinsheim Würselens und andere Unterkünfte aufzubauen. Nicht immer mit Erfolg, wie Derwall 1980 in der »Welt am Sonntag« verriet: »Mit Freunden hatte ich für meine Eltern eine 3-Zimmer-Wohnung hergerichtet und ausstaffiert. Noch ehe meine Eltern einziehen konnten, ging im Garten plötzlich eine Mine hoch – alles war wieder zerstört.
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2.
Die ruhmreiche Geschichte der Trainer-Legende Ernst Happel kann nicht erzählt werden, ohne die Zuhilfe des Platzwartes von ADO Den Haag zu erwähnen. Der brachte auf Geheiß des neuen Trainers bei dessen Amtsantritt eine Cola-Dose und durfte anschließend staunend beobachten, wie der neue Chef im Ring das Döschen auf die Latte stellte, nur um sie sogleich von der Strafraumkante aus mit einem platzierten Schuss zu Klump zu schießen. Keiner seiner neuen Spieler konnte Happel das Kunststück nachmachen, die Autorität ward gesichert. Auch dank des hilfsbereiten Platzwarts.
3.
Als der VfB Leipzig 1994 offiziell den Transfer des ehemaligen Serie-A-Spitzenstürmers Darko Pancev bekannt gab, nutzte Manager Klaus Dietze die Gunst der Stunde, um mit den lästernden Medien abzurechnen. »Es hieß, wir hätten wohl mit dem Platzwart von Inter Mailand verhandelt, aber jetzt ist Pancev hier. Da müssen die Journalisten wohl mit der Klofrau gesprochen haben!«
4.
Riesengag von Reporter-Urgestein Werner Hansch, der, als die Kameras einst kurz den seelenruhig die Linien nachziehenden Platzwart zeigten, ins Mikrophon blökte: »Da sind die Jungs wohl zu oft auf den Strich gegangen!« Lustig. Nicht.
5.
Während seiner Zeit als Trainer von Besikats Istanbul 1994 bis 1996 musste sich Christoph Daum auch um die angemessene Pflege seines Arbeitsplatzes kümmern. »Du bist mehr Selfmade-Mann«, sagte Daum der »Sport-Bild«, »weil du dich um alles kümmern musst. Du musst dem Platzwart sagen, welchen Grassamen er nehmen soll, wann er walzen und düngen soll.«
6.
1993 stellte der englische Fußballverband einen Leitfaden für Platzwarte auf. Thema: Wie führe ich eine angemessene Stadionbestattung durch? Das schmale Büchlein mit so nützlichen Hinweisen wie »Beim Verstreuen der Asche immer auf die Windrichtung achten« oder »Eine symbolische Schaufel reicht häufig aus« enthielt auch interessante Insiderinfos über die Anzahl der Fanbestattungen der größten englischen Klubs. Klarer Spitzenreiter: Manchester United mit 20 bis 25 Bestattungen pro Kalenderjahr.
7.
Ein Platzwart hätte beinahe den Start einer der ruhmreichsten Karrieren im deutschen Nachkriegsfußball versaut: Im Mai 1947 sollte ein kleiner blonder Hänfling namens Uwe Seeler sein erstes Pflichtspiel für den Hamburger SV absolvieren. Da jedoch der Rasenplatz am Rothenbaum aufgrund starker Regenfälle in einem bedauernswerten Zustand war, verbot der Platzwart dem HSV-Nachwuchs zunächst, das heilige Grün zu betreten. Begründung: Die große Bühne sollte allein den Großen vorbehalten werden. Erst nach minutenlanger Quengelei des kommenden Weltstars (»Meine Tore sind doch auch nicht schlechter, oder?«) gab der Herr des Rasens das feuchte Geläuf frei. Gott segne diesen Platzwart.
8.
Uwe Klimaschefski, Alptraum aller Platzwarte: Während seiner Zeit als Trainer beim FC Homburg ließ »Klima« einst den nörgelnden Rasenpfleger von seinen Spielern an den Torpfosten fesseln und mit Vollspannstößen eindecken. Der arme Meckerrentner wurde erst von seiner Gattin erlöst, die mit einem riesigen Küchenmesser über den Rasen stürmte und ihren Mann schließlich befreite.
9.
»Platzwart packt aus! Stolpert Dr. Paulick über 230 000 Mark?« betitelte die »Bild«-Zeitung im November 1989 einen Artikel über die krummen Geschäfte des FC St. Pauli-Präsidenten Dr. Otto Paulick. Der hatte nach eigener Aussage 230.000 Mark aus der Vereinskasse für die Arbeiten der »Bau-Tischlerei Schulz« überwiesen – dumm nur, dass diese Arbeiten offenbar nie wirklich durchgeführt worden waren. Pauli-Platzwart Karl-Heinz Manthey: »Von dieser Firma war nie jemand am Millerntor. Ich war jeden Tag da. Ich hätte die doch sehen müssen.«
10.
Sparfuchs Guido Buchwald: Kurz nach seinem Wechsel zum japanischen Klub Red Diamonds Urawa Mitte der Neunziger, suchte der Weltmeister nach günstigen Angeboten für seinen neuen Garten. Es galt ein zwölf Quadratmeter großes Stück Land mit neuem Rasen begrünen zu lassen. Erstes Angebot: 5000 Mark! Klar, dass »Diego« auf die Dienste des deutlich genügsameren Platzwartes der Red Diamonds zurück griff. Spekulation der »Berliner Zeitung«: »Seitdem wird gemunkelt, dass nun im Stadion ein Stück Rasen fehlt.«
11.
Andy Brehme ist: Der Seher. Im April 1996 motzte der Weltmeister im »MOPO«-Interview: »Wenn wir absteigen, ist unser Platzwart schuld. Wir haben den schlimmsten Rasen der Bundesliga. Eigentlich ist es ja keiner mehr. Seit Monaten wird da nur noch Sand draufgeschüttet. Schon in der Winterpause habe ich den Platzwart aufgefordert, das zu ändern. Es nützte nichts.« Und nur einen Monat später, wir erinnern uns, lag der Andy beim Rudi weinend an der Schulter, Kaiserslautern war gerade abgestiegen. Dem Platzwart sei Dank.