13.12.2013

Die Schiri-Verletzungspause von Freiburg

Applaus, Applaus!

Kein Freiburger hatte je zuvor von Eric Dansault gehört. Oder von Fredji Harchay. Oder Tony Chapron. Dansault, Harchay und Chapron sind Schiedsrichter. Und seid Donnerstagabend Teil der Freiburger Europapokal-Geschichte.

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Im Heimspiel der Breisgauer gegen den FC Sevilla passierte in der 60. Minute nämlich folgendes: Assistent Eric Dansault konnte nicht mehr laufen. Er hatte sich an der Wade verletzt. Dansault gab Tony Chapron, dem Schiedsrichter, per Funk ein Zeichen und blieb stehen. Chapron eilte zu Dansault und so standen die beiden da, bald von Fußballern mit fragenden Blicken umstellt. Dansault hätte sich mit schmerzverzerrten Gesicht auf den Boden schmeißen können, so macht man das ja eigentlich auf dem Fußballplatz. Aber er blieb einfach auf einem Bein stehen und lächelte tapfer. Dann passierte einige Augenblicke nichts und kabel1-Kommentator Hansi Küpper brachte es auf den Punkt: »Da sieht man wieder, warum Schiedsrichter die ärmsten Hunde sind. Verletzt sich ein Spieler, sprintet gleich ein ganzer Tross zur Hilfe. Um den Schiedsrichter kümmert sich niemand.«

Die Zuschauer waren begeistert. Sie jubelten. Sie beklatschten den Unparteiischen.

Dann passierte doch was: Freiburgs Physiotherapeut Uwe Vetter hatte ein Einsehen, schnappte sich seinen Koffer und einen Helfer und eilte Dansault zur Hilfe. Spätestens da wurden sich die Freiburger Fans bewusst, das auf dem Platz etwas Besonderes geschah. Mit Fußballfans ist das ja so eine Sache. Sie können aggressiv, beschämend und ekelhaft sein, in den allermeisten Fällen sind sie aber die besten Unterhalter im Leistungssport. Statt die Zwangspause mit entrüsteten Schreien zu begleiten, fingen die Freiburger an zu lachen, zu schreien und zu klatschen. Bald klebten zwei Physiotherapeuten an des Linienrichters Unterschenkel, vier Sanitäter samt Trage warteten auf weitere Instruktionen. Schließlich gab Tony Chapron ein Zeichen: Sein Assistent konnte nicht mehr weiter assistieren. In solchen Fällen greift folgende Regel: Der vierte Offizielle tauscht seinen Platz mit dem verletzten Kollegen. Das war in diesem Fall Fredij Harchay. Der entledigte sich seiner Thermojacke, griff sich eine Fahne und sprintete auf die andere Seite des Platzes. Die Zuschauer waren begeistert. Sie jubelten. Sie beklatschten den Unparteiischen. Hatte man so was schon mal gesehen bzw. gehört? Und Harchay? Der hob in seinem Lauf die Hände und klatschte den Fans zurück wie ein Routinier, der nach einem Jahr Verletzungspause sein Comeback feiert.

 
 
 
 
 
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