Die Saisonvorschau 2014/15: Werder Bremen

Grün-weiß ist die Farbe der Hoffnung

Machen wir uns nichts vor: Aus dem jahrelangen Champions-League-Teilnehmer Werder Bremen ist eine graue Maus der Bundesliga geworden. Kann Robin Dutt das in dieser Saison ändern? Und welche Rolle spielt dabei U2? Die Saisonvorschau.

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Das ist neu:
Welche Farbe hat noch mal die Hoffnung? Ganz genau: Grün und weiß. Die jüngere Vergangenheit hat Werder-Fans doch arg am Vertrauen in die Künste des eigenen Klubs zweifeln lassen, dem ganzen himmelhochjauchzenden Fußball der goldenen Schaaf-Jahre war ein zweckmäßiger Überlebenskampf gefolgt Fußball mehr schlecht als recht. Und schon gar nicht himmelhochjauchzend. Ein Hoch auf die Sommerpause, ein Hoch auf ein paar gelungene Testspielergebnisse: der Abstand zur Vorsaison und Siege wie das 3:0 gegen den FC Chelsea haben neue Hoffnungen beim Bremer Anhang geweckt. Trainer Robin Dutt, gar nicht dumm, hat das kleine Feuerchen auch gleich mal mit verbalen Grillanzündern bombardiert. Im Interview mit der »Kreiszeitung Syke« jubilierte Dutt jüngst: »Die Fans haben es mit ihrem unglaublichen Verhalten in der vergangenen Saison geschafft, meine Phantasie zu wecken: Es gibt tatsächlich noch einen Bundesliga-Standort, an dem du als Trainer Höhen und Tiefen durchstehen kannst. Hier habe ich die Hoffnung, nicht mehr meinen Arbeitsplatz wechseln zu müssen.« Das klingt nach guter alter Rehhagel/Schaaf-Tradition und das gefällt dem Bremer. Und dann ist da noch der Neuzugang Izet Hajrovic, der von Galatasaray Istanbul an die Weser gewechselt ist. Manager Thomas Eichin bekam sich gar nicht mehr ein vor Freude, nannte den Transfer »wie Weihnachten und Ostern zusammen« und beschrieb Hajrovic als »eine Mischung aus Kevin de Bruyne und Aaron Hunt«. Ziemlich fette Fußstapfen, in die Eichin den 22-jährigen Bosnier gestellt hat. Für Fans, jahrelang durch überraschenden Neuzugänge wie Diego, Özil und Micoud verwöhnt, klang das dennoch wie Musik in den Ohren. Musik, die Hoffnung macht.

Das fehlt:
Aaron Hunt. Der Mann mit dem Streußelkuchen-Konterfei war eines der letzten Gesichter aus den großen Werder-Jahren zwischen 2004 und 2010, jetzt hat auch er, der im Werder-Internat groß geworden war, den Klub verlassen. Nach Wolfsburg. Bremen fahndet nun nach würdigen Nachfolgern, der bereits genannte Hajrovic könnte einer sein. Was man sich an der Weser noch viel mehr wünschen würde: Endlich mal wieder ein Eigengewächs der Marke Hunt, das es zum Stammspieler schafft. In der Vergangenheit sprang die sportliche Führung ja in einige Fettnäpfchen, wenn es darum ging, aussichtsreiche Nachwuchstalente zu ignorieren oder gar unnötig abzugeben. Jüngstes Beispiel: Davie Selke. Der stand angeblich noch kurz vor der U-21-EM zum Verkauf, wurde dann als Torschützenkönig und Europameister zum viel beachteten Transferobjekt. Thomas Eichin sah sich genötigt, Selke als »unverkäuflich« zu deklinieren. Un dieser hielt Werder trotz zahlreicher Angebote tatsächlich die Treue. Vielleicht wird er ja der neue Ailton. Darüber würde sich bestimmt auch kein Bremer beschweren.

Das fehlt nicht:
Die miese Stimmung. Tatsächlich gab es genügend Spiele in den vergangenen Jahren, die den Bremer Anhang dazu hätten motivieren können, laut schreiend vor der Geschäftsstelle zu demonstrieren oder den eigenen Mannschaftsbus mit Weser-Kiesel zu bombardieren. Doch der grün-weiße Anhang hat gezeigt, worauf es in miesen Zeiten ankommt: Dass man der eigenen Mannschaft das Vertrauen schenkt – und möge sie auch noch so gottverdammt miserabel Fußball spielen. Das hat dem Publikum Respekt bei anderen Fankreisen eingebracht und auch Spieler und Trainer nachhaltig beeindruckt. Ein Pfund, mit dem der SVW in der kommenden Saison vielleicht wuchern kann.

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