Die Rechnung, bitte!

Wie Schalke sich selbst schadet

Angeblich muss Felix Magath Schalke 04 zum Saisonende verlassen. So schafft es der Klub erneut, sich für ambitionierte Trainer uninteressant zu machen. Eine traurige Tradition, die den S04 bald einholen könnte. Die Rechnung, bitte!

Es ist eben nie alles eitel Sonnenschein, tief im Westen, da, wo die Sonne nie scheint. Kaum ist der Klub da, wo er sich seit Jahren sowieso schon sieht, also beim Tanz in Europas Königsklasse mit den ganz Großen, sieht man sich zum Handeln gezwungen. Zwar sitzt auf der Trainerbank – Statistiken zufolge – einer der besten Übungsleiter der Liga,  doch pünktlich vor dem Anpfiff im Champions-League-Rückspiel spricht der Vorstand dem Entscheider an der Seitenlinie eine Quasi-Entlassung aus. Es bestehe »Handlungsbedarf«, besser gesagt, man müsse überlegen, ob dem Klub ein anderer Trainertyp, einer mit »großem internationalem Standing«, nicht wesentlich besser zu Gesicht stehe als der jetzige.

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Es ist Februar 2008. Nur sechs Wochen später ist der Trainer bei S04 entlassen. Mirko Slomka – jung, frisch, hungrig – passe eben nicht zu Schalke, meinen Anzug- wie Kuttenträger einstimmig. Dann schon eher einer wie José Mourinho. Wie sich die Zeiten doch ändern können.

Wie die Zeit vergeht

Liest man die Pläne, die jene Verantwortlichen im Jahr 2011 mit ihrem Klub haben, fällt es sehr schwer sich ein breites Grinsen zu verkneifen. Denn eigentlich haben sie nun endlich den Mann mit dem gewünschten Profil: Felix Magath, einer mit großem – auch internationalem – Standing. Doch der ist jetzt schon wieder ein Auslaufmodell, soll wohl gegangen werden am Saisonende, was so viel heißt wie: bei der nächsten Gelegenheit. Wieder ist man sicher, dass es jetzt einen anderen Trainertyp für Schalke braucht. Einen jungen Trainer, emotional, begeisterungsfähig und nahbar, der zudem bereits seine sportliche Kompetenz nachgewiesen hat. Einen wie Slomka oder Rangnick, auch Tuchel, Dutt und Büskens werden gehandelt. So zeigt sich, dass die beim FC Schalke langersehnte Konstanz nur auf einer Ebene zu finden ist – im Verhalten der Führungsebene. Hier werden Trainer eben nicht nur nach sportlichem Erfolg und langfristigen Plänen bewertet, sondern vor allem nach persönlichen Vorlieben. Das ist die neue, königsblaue Tradition. 

Los ging es mit Ralf Rangnick, der den Klub einst vom Abstiegsplatz in die Champions League führte, sich allerdings in Streitereien mit dem allmächtigen Manager Rudi Assauer aufrieb und schließlich per Ehrenrunde seinen Rausschmiss provozierte. Sein Nachfolger wurde Jungfuchs Slomka, der während seiner Amtszeit zwischen 2006 und 2008 mit einem Punktschnitt von 1,8 Punkten pro Spiel zum erfolgreichsten Trainer nach Ottmar Hitzfeld avancierte, aber Schnusenberg, Tönnies und Co. nicht weltmännisch, schillernd, strahlend genug war. 

Überraschungsei Magath

Nach dem Fehlgriff Fred Rutten übernahm Ur-Schalker Büskens, wie schon nach dem Slomka-Rauswurf als man noch Dritter wurde, interimsweise. Mit Erfolg, die Mannschaft zeigte sich erfrischt und spielte frei auf. Büskens rettete zusammen mit Mulder, Reck und Co. die Stimmung. Doch erfolgreiche Arbeit ist auf Schalke eben keine Jobgarantie – auch nicht für Büskens. So unterwarf man sich im Juli 2009 Magath. Jenem Trainer, der sich im Laufe seiner Karriere einen Namen als Allmächtiger, Unnahbarer, fast schon Erbarmungsloser erarbeitet hat. Einer, der nur zwei Dinge akzeptiert: seine Meinung und den Erfolg. Der das nicht Böse meint, weil es eben seine Arbeitsauffassung ist. Schalke wusste, dass man sich einen modernen Fußball-Diktator holte, der im Klub seinen eigenen Staat errichten wird, in den nur Vertraute eingelassen werden. Um es ihm einfacher zu machen, stattete man Magath mit sämtlichen Befugnissen aus. Als erste Amtshandlung setzte Magath die Vereinsikonen Büskens, Mulder und Reck vor die Tür, obwohl diese von Boss Tönnies eine Jobgarantie auf Schalke bekommen haben sollen. Das nennt man Machtdemonstration. Oder Nackenschlag.

Doch nach anderthalb Jahren ist man nun überrascht über Magath: Der ist nämlich wirklich ein Allmächtiger, ein Unnahbarer, fast schon ein Erbarmungsloser. Ein Fußball-Diktator, der sich mit einigen Fans überwirft und die mitteilungsfreudige Führungsetage vor den Kopf stößt, weil sie weder Einblick noch Mitspracherecht in seine Entscheidungen bekommt. Ein Affront, der nun zu Magaths Entlassung führen könnte. 

Muss Schalke jetzt die Rechnung zahlen?

Sportlich liegt Magath lediglich in der Liga unterm Strich. Klar, Wochenende für Wochenende spielt S04 grauenvollen Fußball, doch das machen sie schon seit Jahren. Mit und ohne Magath. Doch im Pokal steht der Klub im Finale, in der Champions League kann man nominell zu den besten acht Mannschaften Europas zählen. Magath überredete Superstars wie Raul und Huntelaar in das Ruhrgebiet zu kommen und sparte mitten in diesem Umbruch trotz aller Fantasietransfers, durch die Erfolge in der Champions League und auch Spielerverkäufen, eine richtige Stange Geld ein. Doch solche Fakten spielen keine Rolle mehr.

Vor dem Tanz in der Königsklasse sieht man nun wieder »Handlungsbedarf« auf Schalkes Trainerbank. Zukünftig solle ein frischer, junger Mann auf der Bank sitzen. Das wünschen sich Tönnies und Co. Dumm nur, dass man aussichtsreiche Kandiaten wie Slomka, Rangnick  und Büskens in der Vergangenheit schon unsanft hat spüren lassen, wie man heutzutage traditionell mit seinen Trainern auf Schalke umgeht. Das spricht sich rum und dürfte jeden ambitionierten Trainer zumindest einen Tag länger darüber nachdenken lassen, ob man sich in diese neue Schalker Tradition einreihen will.

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