Die Posse um Donovans Nichtnominierung

Landon-Wirbel

Jürgen Klinsmann streicht mit Landon Donovan seinen einzigen Star aus dem WM-Kader. Der Nationalspieler ist enttäuscht, die Fans erbost – und Klinsmanns Sohn spottet via Twitter. Die Posse um eine sonderbare Nichtnominierung.

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Einen Typen wie Landon Donovan hätten sich die Macher von »Beverly Hills 90210« nicht besser ausdenken können. Über die glattrasierten Körper fällt locker sein Muskelshirt, im Gesicht blitzt das ewige Erfolgs-Grinsen eines Erfolgsprofis und auf Selfies sieht er smarter aus als jeder Boy einer Bravo-Foto-Love-Story. Kurz: Da wo Landon Donovan ist, ist oben, ist Sunshine Reagge und Surfin' USA, ist der Satz »He’s such a handsome guy«. Es scheint dabei beinahe egal, dass der Fußballprofi mittlerweile 32 Jahre alt ist und sein Haaransatz schon vor zehn Jahren etwas weiter hinten war als bei seinen Kollegen. Luke Perry war schließlich auch schon weit über 20, als er den Highschool-Beau Dylan McKay spielte.
 
Nun aber ist es erst einmal vorbei mit der guten Laune, denn Donovan wurde ausgemustert. Ironischerweise von einem, der ihn einmal einmusterte. Als Jürgen Klinsmann, aktuell Coach der US-Nationalmannschaft, noch beim FC Bayern experimentierte, holte er Donovan, seinen Wunschspieler, zum deutschen Rekordmeister. Uli Hoeneß und Hermann Gerland wetterten damals ein wenig. Denn Donovan, so glaubten sie, sei nicht mal gut genug für die zweite Mannschaft. Auch den Fans missfiel der Transfer, der FC Bayern war schließlich der »Äff Z'bäijen«, ein Ort für kernige »Pack mas«-Typen und keine Ausprobierstation für US-Boys mit US-Boy-Grinsen und US-Muskelshirts.

Wo sind die US-Stars?
 
Dennoch: Landon Donovan ist einer der wenige Spielerlegenden, die der amerikanische Fußball hervorgebracht hat. Was allerdings auch nicht schwer ist, schließlich geben sich in der US-amerikanischen Fußball-Hall-of-Fame nicht unbedingt die Superstars die Klinke in die Hand. Wen konnte man in den vergangenen Jahrzehnten schon als Star bezeichnen: Eric Wynalda? Marcelo Balboa? Cobi Jones? Kasey Keller? Alexi Lalas?
 
Einer, der aus Sicht der meisten US-Fans alle überstrahlt hat, war eben Landon Donovan. Dabei waren seine Gastspiele in Europa nicht gerade von Erfolg gekrönt. Sechs Spiele beim FC Bayern, sieben für Bayer Leverkusen, 17 für den FC Everton. Erfolgreich war er vor allem bei Los Angeles Galaxy. Dort machte er über 250 Spiele, am vergangenen Wochenende schoss er sein 136. Tor und löste damit Jeff Cunningham als besten Schützen der ewigen Torjägerliste der MLS ab. Auch für die US-Mannschaft ist er überaus erfolgreich gewesen: 156 Spiele, 57 Tore, 56 Vorlagen. Bei der WM 2010 sicherte der Stürmer mit seinem 1:0 in der 91. Minute gegen Algerien das Weiterkommen ins Achtelfinale.

»Donovan wartet nicht auf den Anpfiff, der Anpfiff wartet auf ihn«
 
Auch deswegen lieben sie ihn. Er ist für die US-Fans so was wie Cristiano Ronaldo und Hans Sarpei in einer Person: Eine unwirkliche und zugleich total nahbare Person, ein Fußballgott und Superstar einerseits, andererseits auch einfach ein total guter Witz, eine ironische Pointe und auch der »awesome guy« aus der Nachbarschaft. Manchmal schreiben Fans im Internet Sätze wie diesen: »Landon Donovan wartet nicht auf den Anpfiff, der Anpfiff wartet auf ihn.« Oder: »Die mexikanischen Fans bewerfen ihn nicht mit Dinge, sie schmeißen ihm nur Gaben zu.«

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