Die peinlichsten 11FREUNDE-Momente

Jahaa, da sitzen wir nun...

Post an Zurwehme, Erpressungsversuche von Uli Voigt und Philipp Köster in der Hölle des Frühstücksfernsehens: An unserem 10. Geburtstag blicken wir zurück auf die peinlichsten Momente der Magazingeschichte.   Die peinlichsten 11FREUNDE-Momente
Heft#100 03/2010
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Am Tempelhofer Ufer, der ersten richtigen Redaktionsadresse, bürgerten sich schnell ein paar ungute Sitten ein. Nicht nur sorgte der alltägliche Besuch des Schnellimbisses »Curry 36« für die rasche Verfettung vieler Redaktionsmitglieder, was sich auch anhand der Editorialfotos der ersten dreißig Ausgaben trefflich dokumentieren lässt.

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Zudem setzte sich schnell ein für Außenstehende schwer erträglicher Pennälerhumor durch. So war es zwischendurch schwer in Mode, sich am Telefon mit Namen von Serienmördern wie Dieter Zurwehme zu melden. Was dazu führte, dass hin und wieder auch Post eintraf, adressiert an »11  FREUNDE, z.Hd. Zurwehme«. Wir waren ganz froh, dass sich nicht irgendwann Scharfschützen auf den gegenüberliegenden Hausdächern in Stellung brachten.    


Love is all around you. Als wir eines Morgens zur Arbeit kamen, hing direkt vor dem Redaktionsfenster ein großes Plakat: »Weil ich nicht vergessen kann, was gewesen ist«. Eine verflossene Liebschaft war unserem Volontär aus dem Ruhrgebiet nachgereist, in der Hoffnung, dass noch was zu retten sei. Als die Dame jedoch in der Redaktion auflief und versuchte, mit ihrem Ex-Freund zu sprechen, stierte der mit hochroter Birne in seinen Computer und sagte kein Wort. Quälende Sekunden, bis die Dame enttäuscht den Raum verließ. Hinterher beteuerte der Volontär wortreich: »Da war nichts«. Aber auch wir konnten nicht vergessen, was gewesen ist.     


Über den Besuch von SPD-Mann Klaus Uwe Benneter schrieben wir bereits an anderer Stelle. Noch nicht erwähnt wurde allerdings, dass es auch einen Gegenbesuch in der SPD-Zentrale gab, bei dem Benneter im Sitzungsraum des Präsidiums warmes Essen aus der Kantine geordert hatte. Das Gespräch gestaltete sich etwa zäh (»Jahaa, da sitzen wir nun ...«), dass wir allerdings in der gemeinsam verbrachten Stunde auch Wahlwerbung gemacht hatten, erfuhren wir erst aus Benneters Tagebuch in der SPD-Qualitätszeitschrift »Vorwärts«. Dort hieß es: »Die Redaktion des Magazins 11 FREUNDE ist zu Gast. Es freut mich zu hören, dass sich auch die Redakteure Angela Merkel nicht als Bundeskanzlerin wünschen«.     


Während der WM 2006 gab Redakteur Tim Jürgens dem arabischen Fernsehsender »Al Jazeera« ein Interview. In einem Ü-Wagen am Reichstag stehend, wurde er aus dem Nahen Osten von einem Moderator als »Mr. Tim« begrüßt, doch als das Interview begann, kam nichts als ein Rauschen und Kratzen aus der Leitung, durchbrochen von nur einem einzigen identifizierbaren Wort: »Klinsmann«. »Sorry, I didn’t understand«, hob Jürgens an, worauf der Moderator die Fragen wiederholte, nichts als ein Rauschen und Kratzen, durchbrochen von nur einem einzigen identifizierbaren Wort: »Klinsmann«. Jürgens improvisierte spontan rund um das Thema und kümmerte sich weder um Fragen noch um Sendezeiten. Hinterher herrschte allgemeines Daumenheben! Well done, Mr. Tim!     


Als 11 FREUNDE-Redakteur Philipp Köster im Vorlauf eines Länderspiels der Nationalelf in Basel Michael Ballack interviewte, wurden im Zimmer nebenan kurze Werbefilme mit anderen Nationalspielern gedreht. Eine schwere Geburt: Die Spieler sollten eine Internetadresse verkünden, taten sich aber schwer, vergaßen entweder die Adresse, versprachen sich oder schauten derart panisch in die Kamera, dass sich nicht die nötige Leichtigkeit einstellen wollte. Die Szenerie wurde vom DFB-Medienbeauftragten Uli Voigt beobachtet, der den Kollegen Köster auch gleich darauf hinwies: »Wenn ich davon was bei euch im Blatt lese, gibt´s Ärger. Außerdem habe ich noch was gegen dich in der Hand.« Köster wusste, worauf Voigt anspielte. Jahre zuvor hatte das DSF ein Spiel der Bielefelder Arminia beim Karlsruher SC übertragen und kurz vor Spielende einen DSC-Anhänger, der sich volltrunken in Schlangenlinien seinen Weg zum Zaun bahnte, mit der Kamera eingefangen. Uli Voigt bewahrt das Band bis heute an einem sicheren Ort auf.     


Ersatzweise könnte sich Voigt auch ein anderes Band besorgen. Das vom Auftritt des Herrn Köster im Sat 1-Frühstücksfernsehen nämlich. Dort sollte er dem Moderator morgens früh um 6.05 Uhr erklären, wie man Karten für die WM 2006 im Internet bestellt. Unser Mann hatte sich allerdings die Seite überhaupt nicht angeguckt und jagte den Moderator vor laufenden Kameras die Seite hoch und runter, während rechts auf der Seite ein großer, roter Button mit der Aufschrift »Hier Tickets bestellen« leuchtete. Höhepunkt des absurden Theaters nach 5:32 Minuten: Köster befahl mit hochroten Kopf, erst einmal die »Allgemeinen Geschäftsbedingungen« durchzuarbeiten. Das Sat 1-Frühstücksfernsehen ging dann überstürzt in die Werbung.     


Der Mann hatte offensichtlich getrunken oder noch schlimmere Drogen genommen. Es habe sich, so wurde uns vom Empfang berichtet, ein Fotograf der »Financial Times« eingefunden in der Absicht, »Journalisten aus aller Welt« zu fotografieren. Konnte nicht sein, schließlich gab es bei uns allenfalls Journalisten aus Bielefeld, Diepholz und Aurich, was ja noch nicht so ganz alle Welt war. Dann aber kurvte plötzlich ein vollbesetzter Reisebus durch die Raabestraße und kam exakt vor dem Hauptquartier der 11 FREUNDE zum Stehen. Herausgespült wurden Ghanaer, Japaner, Afghanen und Chinesen - eine vom Goethe Institut vermittelte Gruppe, ganz begierig darauf zu hören, wie sich das Magazin auf die WM 2006 vorbereitet. Die Creme des internationalen Journalismus wartete mit gezückten Fotoapparaten und Mikrofonen auf unsere Statements. Panik in der Redaktion. Am Ende gaben selbst notdürftig eingewiesene Praktikanten an ihrem ersten Arbeitstag Interviews für Rundfunksender aus Ghana und das vietnamesische Fernsehen. »Äh, what I really want to say is ...«

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