06.11.2013

Die Özil-Mania beim FC Arsenal

Der Bibliothekar

Seite 2/3: FC Gersenal
Text:
Paul Hofmann
Bild:
imago

Die »Times« formulierte dahingehend treffend, dass ein Spieler zwar noch keine Mannschaft mache, wenn dieser aber von der Klasse Özils sei, könne er ein ganzes Team verändern. »Der Deutsche hat Arsenal psychologisch zum Trophäen-Jäger gemacht«, erkannte der »Telegraph«. Ähnliches ließe sich unter Umständen auch über den französischen Heimkehrer Mathieu Flamini titeln, der Arsenals Defensivbewegungen seit dieser Spielzeit nicht neu, wohl aber sinniger strukturiert.

Die Beliebtheit des Deutschen fußt aber zu gleichen Teilen auf seiner sportlichen Qualität, als auch auf der voranschreitenden »Teutonisierung« des englischen Spitzenklubs. Neben den Stammkräften Per Mertesacker, Lukas Podolski (derzeit verletzt) und eben Mesut Özil tun sich dort vorrangig U-Nationalspieler Serge Gnabry (18, vormals VfB Stuttgart), aber auch Thomas Eisfeld (20, Borussia Dortmund), Gedion Zelalem (16) sowie Leander Siemann (18, beide Hertha BSC) hervor. Abseits des Rasens beschäftigen die »Gunners« einen deutschen Koch – längst ist der Neologismus »Gersenal« präsent.

Liebesbekundungen von Arsène Wenger

Und Özil macht, was er immer macht, wenn er vom Rasen kommt – er hält sich zurück. Dann kommentiert er schmallippig sein Wohlbefinden, lobt die Qualität der Mitspieler und beteuert die Bedeutungslosigkeit des bisher Erreichten. Aufschlussreicheres als welches Lied er zum Einstand im Mannschaftskreis intoniert hat – ein türkisches – und wie man den Linksverkehr bewältigt – dank Per Mertesacker – hat man dem 25-Jährigen bisher nicht entlocken können. Allerdings scheint bei seinen kargen Worten der Eindruck durch, er sei tatsächlich bestens angekommen in London. »Ich bin verliebt in die Stadt«, bekannte er kürzlich im Kreise des DFB-Teams. Und diese Zuneigung beruht auf Gegenseitigkeit.

Versunken in purer Özilphorie ließ sich das »Emirates Stadium« während eines 4:1-Sieges gegen Norwich City gar zu einem Sakrileg verleiten. Die herkömmliche, dem Arsenal-Allmächtigen Dennis Bergkamp gewidmete Lobpreisung wurde zu Ehren des zweifachen Torschützen umgedichtet: »Walking in a Özil Wonderland« schmetterten fast 60.000 Zuschauer zur Melodie von »Winter Wonderland«. Das größtmögliche Kompliment für den Neuerwerb – bis Trainer-Ikone Arsène Wenger alsdann zum Interview schritt und über Özil sagte: »Wer ihn spielen sieht und sich nicht verliebt, versteht nichts vom Fußball.« Und wer sich ein bisschen im englischen Fußball auskennt, der weiß: Derlei Liebesbekundungen sind sonst nicht die Sache des Arsène Wenger.

 
 
 
 
 
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