Die Özil-Mania beim FC Arsenal

Der Bibliothekar

Derweil britische Fans und Medien an seiner Apotheose arbeiten, übt sich Mesut Özil weiter in Zurückhaltung. Denn während der Hype um den Deutschen groteske Züge annimmt, stehen die wahren sportlichen Hürden erst noch bevor.

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»Machen Sie auch Fehler, Mesut?«

Martin Spinks begrüßt seinen Gast mit einer unüblichen Frage. Erkundigen sich Briten normalerweise nicht zuerst nach dem Befinden des Gegenübers? Das obligatorische »How are you?«
Spinks hingegen, Redakteur des provinziellen »The Sentinel« aus Stoke-on-Trent, schaut beschwingt in die Augen seines Gesprächspartners. Er genießt diesen Augenblick. Weil er Mesut Özil ein paar wunderliche Sekunden der Überlegung beschert.

Man könnte Özil die Improvisationszeit vor seiner Antwort als Überheblichkeit auslegen. Dass ihm die Frage unverständlich oder gar unbegründet erscheint, ist ihm aber kaum anzulasten. Vermutlich wurde die Fehlbarkeit des deutschen Nationalspielers noch nicht erfragt, seit er Fußball-England im weiteren und den FC Arsenal im engeren Sinne beglückt. Von den vereinzelten Verbalscharmützeln eines verprellten Madrider Baulöwen und Vereinspräsidenten namens Florentino Pérez einmal abgesehen.

Es wäre anders gelaufen – hätte Özil gespielt

Spinks’ Frage drängt sich jedoch geradezu auf, verfolgt man den gegenwärtigen britischen Hype um Mesut Özil. Bereits vor seinem Heimdebüt veranstalteten mehrere Hundert Fans in Özil-Trikots einen Flashmob vor dem »Emirates Stadium«. Die, die das Jersey des derzeit ebenfalls berückenden Walisers Aaron Ramsey oder jenes des Spaniers Santi Cazorla trugen, standen an, um sich ihr Trikot mit der Nummer 11 noch zu sichern.

Seit Özil hernach beim 3:1 gegen Stoke City mit drei Torvorlagen herausstach und mit Standing Ovations verabschiedet wurde, ist einiges passiert im Norden Londons. Arsenal führt die Premier League mit fünf Zählern Vorsprung auf Stadtrivale Chelsea an und gewann bis auf das 1:2 gegen tödlich effiziente Dortmunder vor zwei Wochen jedes seiner sechs Partien der laufenden Champions-League-Spielzeit. Aus dem englischen Ligapokal schieden die »Gunners« vergangene Woche im Zweitrundenspiel gegen Chelsea aus. Der Joker Mesut Özil stieß noch pünktlich zu Arsenals B-Elf hinzu, um Juan Matas 0:2 aus nächster Nähe zu bestaunen.

Ansonsten gelingt ihnen derzeit so gut wie alles. Wenn sich selbst der verteidigergewordene Ganzkörperkrampf Carl Jenkinson Assists und Bestnoten wie gegen den AFC Sunderland gutschreiben lassen darf, sagt das viel aus über die aktuelle Verfassung des Arsenal Football Club. Zwei Negativerlebnisse konnten dessen zuletzt nicht zwingend erfolgsverwöhnte Fans da allemal erdulden. Gegen Chelsea wäre es ja ohnehin anders gelaufen, hätte Mesut Özil über 90 Minuten gespielt – darin sind sich zumindest in London Holloway die meisten einig.

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