Die neuen Werder-Trikots

Mururoa-Atoll in Bremen

Wenn Werder Bremen heute Abend gegen Sampdoria Genua um den Einzug in die Champions League kämpft, hat der Klub von der Weser die Hässlichkeit auf seiner Seite. Alex Raack träumt derweil weiter von Portas und König Otto. Die neuen Werder-Trikots Eines meiner ersten Werder-Trikots war eines dieser schmucken Teile mit
»Portas«-Werbung auf der Brust, was schon deshalb in der historischen
Nachbetrachtung einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen hat, weil es a) eben eines meiner ersten Werder-Trikots war und b) den Möbelhersteller anpries, den auch Otto Rehhagel mit überzeugendem Brustton und souverän in die Höhe gereckten Daumen in einer heute längst legendären TV-Werbung empfahl. Es folgten die »DBV-Winterthur«-Kollektion oder die »o.telo«-Phase, die jedoch eher schale Erinnerungen verbirgt, trat der SVW doch in dieser mausgrauen Phase zu Beginn des neuen Jahrtausends mit einer Mannschaft an, in der echte Gurkenspieler wie Rade Bogdanevic als kommende Wunderstürmer gefeiert und ohne Zweifel alt gediente, aber ebenso rudimentär talentierte Recken wie Bernhard Trares als »Fußballgott!« in den Himmel gehoben wurden.

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Keine Frage: Mit Trikots verbindet der gemeine Fan schöne, oder aber eben
schlimme Erfahrungen und es tut mir noch im Nachhinein in den Augen weh,
dass Werder die wunderbare Saison 2003/04 in einem Leibchen absolvieren
musste, das - auf alle Zeiten unverständlich und unentschuldbar - erstmals
die Farbe orange in den grün-weißen Kosmos quetschte.

Eine Bremsspur vom deutschen Aktienindex

Mit dem jetzt schon nicht mehr ganz so neuen Stück Stoff haben Werders
Verantwortliche allerdings noch eine Schippe schlechten Geschmacks mehr
angehäuft und das war bei allen orangenen Ungetümern der vergangenen
Spielzeiten gar nicht mal so einfach. Fortan wird die Bremer Glaubensgemeinschaft ihre Helden in Trikots bewundern müssen, die so
ausschauen, als haben der deutsche Aktienindex eine Bremsspur hinterlassen.

Ein grob gezacktes Muster, eingebettet in eine geradezu furchtbare
Farbkombination, ein halber Tannenbaum des Grauens. Es gab mal Zeiten, da wurden Produktdesigner, die mit solchen Ideen um die Ecke kamen, nicht nur die Lizenz zum Weiterarbeiten entzogen, sondern auch ein Rudel grätschender Innenverteidiger auf den Hals gehetzt. Diese Zeiten, so es sie denn wirklich gegeben hat (wovon der Autor ausgeht), sind – liebe Leser – leider Gottes vorbei. Das stolze Stück Bremer Körperstoff scheint Werders Machern längst als eine Art Versuchsfeld der Grausamkeiten zu dienen, quasi ein Mururoa-Atoll der deutschen Textilindustrie.

Hoffen auf die Grünfläche

Uns bleibt – wie immer – nichts anderes übrig, als die neuerliche ästhetische Beleidigung so gut es geht zu akzeptieren und mit Werders Fußball-»Trikot« die neue Saison zu überstehen. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, wird unser treues Warten in naher Zukunft damit belohnt, dass Bremen ein paar Wochen oder Monate mal wieder ganz ohne Trikot-Sponsor dasteht und dem ebenso verwirrten, wie entzückten Anhänger ein gänzlich grünes Leibchen mit Raute präsentiert.

So geschehen einige Jahre vor dem Double 2004 und der orangenen Invasion. Ein Kollege von mir machte damals alles richtig, kaufte sich das edle Teil und ließ es gleich vor der Ostkurve mit entsprechender Rückennummer und dem Schriftzug »BOROWKA« bekleben. Der Mann ist heute ein Held.

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