Die Nationalelf im kollektiven Testspielkater

Tristesse im Test

Die deutsche Nationalelf verliert nach früher Führung 1:2 gegen Australien und hat seit der WM noch kein Freundschaftsspiel gewonnen. Dazu war die Stimmung auch  noch scheiße – ein Blick zurück. Die Nationalelf im kollektiven Testspielkater

Der Fußball hat in Mönchengladbach im Moment einen schweren Stand. Das Interesse am ewigen Abstiegskampf der heimischen Borussia hat in dieser Saison merklich nachgelassen, und selbst die ach so beliebte Nationalmannschaft vermag die Gladbacher nicht mehr zu mobilisieren. Nur 30 152 Zuschauer wollten gestern Abend das Test-Länderspiel gegen Australien sehen, ein gutes Drittel der Plätze im Borussia-Park blieb leer. Die wenigen aber, die gekommen waren, zeigten sich durchaus wohlgesinnt. Anders als am Wochenende in Kaiserslautern gab es kaum Pfiffe, obwohl das Perspektivteam von Bundestrainer Joachim Löw nach einer 1:0-Führung zur Pause noch 1:2 verlor und damit auch im vierten Testspiel seit der WM sieglos blieb. 

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So wie die Nationalmannschaft zusammengeschraubt war, musste man nicht zwangsläufig einen prickelnden Fußballabend erwarten. Löw hatte mächtig rotiert, etliche junge Burschen, darunter den Debütanten Sven Bender, aufgeboten und mit Thomas Müller, Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger nur drei Spieler aus seiner Stammelf in der Anfangsformation belassen. Schweinsteiger, der die Mannschaft als Kapitän aufs Feld führte, war deutlich anzumerken, dass er sich durch die Pfiffe des Publikums beim Spiel in Kaiserslautern in seiner Ehre gekränkt fühlte und noch etwas gutmachen wollte. Der Münchner wirkte vor allem in der Anfangsphase sehr umtriebig und strahlte eine große Präsenz aus.  

Die Deutschen bestimmten zwar zunächst das Geschehen, taten sich aber schwer, den Ball in den Strafraum der Australier zu bekommen und sich klare Chancen zu erarbeiten. Gleich zu Beginn verpasste Thomas Müller eine Flanke von Lukas Podolski, und nach einer knappen halben Stunde setzte der Kölner einen Freistoß knapp am Tor der Australier vorbei – das aber war es schon fast in der ersten Halbzeit. Abgesehen vom Führungstreffer, den Mario Gomez nach einer knappen halben Stunde erzielte. Der Münchner stoppte den Ball genau auf der Strafraumlinie und schlenzte ihn dann ansatzlos in den Winkel. Ein höchst ansehnliches Tor, das Gomez mit einer erstaunlichen Choreografie feierte: Er blickte betreten zu Boden.  

180 Minuten Slapstick in Deutschlands Abwehr

In den bisherigen drei Aufeinandertreffen mit den Deutschen hatten die Australier drei Mal verloren; sie taten anfangs nicht allzu viel, um diese Serie zu beenden. Ihre gefährlichste Offensivaktion war eine Direktabnahme von Carl Valeri, der von einem Stellungsfehler Arne Friedrichs profitierte, den Ball aber recht klar am Tor vorbei setzte. Die Australier unternahmen vor der Pause zu wenig, um sich für den schlechten Eindruck zu rehabilitieren, den sie im Sommer bei der WM hinterlassen hatten, als sie den Deutschen 0:4 unterlagen. Fünf Spieler standen bei den Gästen noch auf dem Feld, die auch vor acht Monaten in Durban dabei waren. Nikita Rukavytsya, Offensivspieler von Hertha BSC, aber blieb während der gesamten 90 Minuten auf der Bank.  Nach der Pause spielten die Australier, die vom Deutschen Holger Osieck trainiert werden, fordernder nach vorne – und drehten, dank freundlicher Unterstützung der deutschen Abwehr, innerhalb von drei Minuten das Spiel. Erst konnte David Carney ungehindert die Viererkette und dann auch Torhüter Tim Wiese überwinden, dann verursachte Christian Träsch gegen Harry Kewell einen Foulelfmeter, den Luke Wilkshire zur Führung für die Australier verwandelte.  Die deutsche Mannschaft wehrte sich, und Joachim Löw griff zum letzten Mittel. Knapp 20 Minuten vor Schluss wechselte er Miroslav Klose ein, der noch eine gute Chance vergab. Am Ende aber konnte auch Deutschlands zweitbester Länderspieltorschütze die erste Niederlage der Nationalmannschaft seit dem WM-Halbfinale gegen Spanien nicht mehr verhindern.

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