16.10.2013

Die Nationalelf in der Einzelkritik

Solna? Oder Solna nicht?

Es roch nach Desaster und wurde dann doch ein Schützenfest. Deutschland besiegte Schweden mit 5:3, doch wem haben wir das zu verdanken? Die Nationalspieler in der Einzelkritik.

Text:
Benjamin Kuhlhoff
Bild:
imago

Die Defensive

Manuel Neuer
Schweden wird sicher nicht Manuel Neuers Lieblingsgegner werden. Nachdem er im Hinspiel aus lediglich vier schwedischen Torschüsse vier Gegentore kassierte, ging der Horror in Solna gleich weiter. Schweden zielte drei Mal auf Neuers Gehäuse, drei Mal musste der Bayern-Keeper hinter sich greifen. Kriegt in solchen Situation manchmal eine kahneske Krawatte, blieb diesmal aber ruhig. Durchatmen, weitermachen.

Marcell Jansen
Startete hibbelig und ungeschickt, wirbelte aber im weiteren Verlauf der ersten Hälfte eifrig mit André Schürrle. Hielt sich dann in der zweiten Hälfte zurück und fiel eigentlich nur noch auf, als er den Linienrichter nach dem zwischenzeitlichen 3:4 ins Achtung stellte. Ordentliches Spiel.

Mats Hummels
Feiert sein Comeback in der Viererkette der Nationalelf. Und prompt kassierte die Mannschaft nach zuvor drei Spielen zu Null gleich drei Gegentreffer. Das lag aber explizit nicht an ihm. Räumte hohe Bälle sicher ab, kam aber in der ersten Hälfte nicht allzu gut mit dem schwedischen Pressing zurecht. Fungierte vor allem als Lückenstopfer für seine mitunter fahrigen Vorderleute und raufte sich einige Male das schuppenfreie Haar.

Jerome Boateng
Hatte sich eigentlich in den letzten Spielen wieder zur Nummer eins auf der Innenverteidigerposition gemausert. Doch wenn ihm der Druck des großen Spiels fehlt, schleicht sich bei Boateng schnell der alte Bruder Leichtfuß ein. Stand beim 0:1 völlig falsch, rückte beim 0:2 etwas inkonsequent raus, pennte beim 3:4 den Schlaf der WM-Quali-Partyrakete. Im Zusammenspiel mit Mats Hummels gilt für ihn ohnehin das Prinzip »Solna? Oder Solna nicht rausrücken?« Diese Haltung wurde jedes Mal eiskalt bestraft. Fiel im Spielaufbau aber desöfteren durch einige geschickte Diagonalbälle auf. Bleibt aber in dieser Verfassung so wackelig wie ein Billy-Regal. Ohne Schrauben.

Philipp Lahm
Packte schon nach 20 Minuten eine für den ansonsten handzahmen Lahm ungewöhnliche Frustgrätsche aus. Stand beim 2:0 für den ansonsten doch immer so fehlerfreien Lahm ungewöhnlich falsch. Durfte dann beim Stand von 5:3 in das defensive Mittelfeld vorrücken, ohne dabei groß aufzufallen. Eines seiner schwächeren Spiele. Aber eben immernoch solide.

Bastian Schweinsteiger
Sein 100. wird nicht als sein bestes Spiel in die Geschicht eingehen. Fand irgendwie keinen richtigen Zugriff auf das Spiel, verstolperte viele Bälle und besann sich meist auf Sicherheitspässe in der Horizontalen. Nicht sein Abend, aber immerhin eine schicke Samtkappe abgestaubt.

Toni Kroos
Schien körperlich maximal halb anwesend. Geistig ebenfalls. Scheute viele Zweikämpfe und schlonzte noch mehr Pässe halbgar in Richtung Mitspieler. Ihm war noch am deutlichsten anzumerken, dass es nicht mal mehr um die goldene Ananas ging. Dreht dann Anfang der zweiten Hälfte für 20 Minuten richtig auf. Und schwupps, lief es in der Offensive, als sei es ein Trainingsspiel. Dann irgendwie doch ein guter Auftritt.

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