20.11.2013

Die Nationalelf in der Einzelkritik

Kamm abwischen, weitermachen

England gegen Deutschland, das war ein Leckerbissen aus der Suppenküche. Bundestrainer Joachim Löw schickte mal wieder reichlich junges Gemüse auf das Feld und wurde mit einem Erkenntnisgewinn aus der Molekularküche belohnt. Die Spieler in der Einzelkritik.

Text:
Benjamin Kuhlhoff
Bild:
imago

Die Defensive

Roman Weidenfeller
Der Debütant bekam seinen ersten Ball in der 30. Minute in die Hände und fischte so eine abgefälschte Flanke aus dem Toraus. Wurde auch im weiteren Verlauf vor allem von den eigenen Mitspielern geprüft, die ihn ein ums andere Mal abenteuerlich per Rückpass anspielten. So konnte der Newcomer-Oldie immerhin beweisen, dass er nicht mehr ausschließlich der Keeper alter Schule ist, für den ihn viele noch immer halten. Musste am Ende aber keinen einzigen Torschuss der Engländer abwehren. Blieb also genauso beschäftigungs- wie fehlerlos. Liest sich gut.

Heiko Westermann
Hatte eigentlich mehr Stress mit dem Ball als mit seinem Gegenspieler Ashley Cole. Wirkt unter den ganzen Edeltechnikern im DFB-Team ohnehin wie ein Roboter mit Gicht. Versuchte sich aber immer wieder nach vorne einzuschalten und blieb ohne Glanzpunkte. Aber auch ohne größere Aussetzer. Solide.

Per Mertesacker
Der Wahl-Londoner und Aushilfskapitän blieb beim seinem Quasi-Heimspiel jederzeit cool wie ein Fünf-Sterne-Kühlfach in der sibirischen Eiswüste. Und weil ihm hinten irgendwann zu langweilig wurde, machte er vorne eben den 1:0-Siegtreffer. Mit dem Schädel, was insoweit bemerkenswert ist, weil es das erste Kopfballtor des Hünen in seinem 95. Länderspiel war. Stark. Ach was: Bester Mann!

Jerome Boateng
Gut, besser, Boateng. Stellt derzeit so etwas wie das Opus summum seiner selbst dar, weil er in dieser herausragenden Bayern-Saison offenbar seine schlafmützige Talentiertheit in atemberaubende Souveränität umgewandelt hat. Sticht bei Zweikämpfen mittlerweile präziser zu als ein Anästhesist im OP und zog so Rooney und Sturridge mit zunehmender Spieldauer den Zahn. Behielt einen blütenweißen Kittel und durfte zur Belohnung zur Halbzeit raus. Bärenstark.

Marcel Schmelzer
Lief und lief und lief und lief wie eine Nase im November. Blieb aber ohne echte Durchschlagskraft. Ging zur Halbzeit angeschlagen raus und hat deswegen sicher noch Luft. Hoffentlich nach oben.

Die Benders
Verdammte Physiognomie, verdammte Genetik, verdammte Sehschwäche. Alle drei Faktoren führen dazu, dass wir hier ein Geständnis ablegen müssen: Wir können die Gebrüder Bender einfach nicht auseinanderhalten! Gut, dass beide auch in ihrer Art der Spielinterpretation Ähnlichkeiten aufweisen. Zusammen zogen die Ackergäule eine imaginäre Linie zwischen dem deutschen Defensiv- und Offensivverbund, auf ihr Umschaltspiel warteten die angreifenden Kollegen meist vergeblich. Und während der eine (wir vermuten Lars) zumindest ab und zu mal einen schnellen Pass in die Tiefe suchte, beschränkte sich der andere (wir vermuten Sven) vor allem auf grobe Drecksarbeit auf Höhe der Grasnarbe. Später rückte der eine (wir vermuten Lars) als Außenverteidiger zurück und zeigte sich so flexibler als ein Einmachgummi. Noch so ein Pluspunkt. Gemeinsam werden sie uns kaum zum WM-Titel führen, auf ihre Qualitäten wird Löw aber auch irgendwie nur schwer verzichten können.

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