Die nächste Generation: Kasper Schmeichel

Die Hände hat er vom Vater

Peter Schmeichel war einer der besten Keeper seiner Generation. Und als er die Unhaltbaren hielt, schaute sein kleiner Sohn Kasper mit großen Augen zu. Nun schickt er sich an, seinem Vater nachzufolgen. Doch der Weg ist steinig. Kasper Schmeichel zeigt

48 000 Zuschauer im ausverkauften City of Manchester Stadium. Es ist die fünfte Minute des 148. Manchester-Derbys. Nani, 25-Millionen-Euro-Einkauf, bekommt den Ball von ManU-Legende Paul Scholes zugepasst. Er steht im 16er, muss nur noch einnetzen. Doch seinen Rechtsschuss pariert Torhüter Schmeichel sicher. 85 Minuten später hat der Außenseiter ManCity das Stadtderby gewonnen und Schmeichel nun schon zum dritten Mal in Folge zu Null gehalten.

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Schmeichel? Nein, wir befinden uns nicht in den 90ern. Peter Schmeichel hat 2004 seine Karriere beendet, nicht bei ManU, für das er bis 1999 gespielt und fast alles gewonnen hat, sondern beim kleinen Stadtrivalen Manchester City. Für eben jenen Verein spielt nun auch sein 21-jähriger Sohn Kasper seit 2002, als er in die Jugendmannschaft kam, und seit 2005 bei den Profis. Das heißt: spielte. Denn schon nach sieben Spielen mit nur vier Gegentoren war schon wieder Schluss in dieser Saison für den etatmäßigen dritten Torwart der »Citizens«. Mittlerweile steht Schmeichel für Cardiff City in der zweiten englischen Liga im Tor. Es ist seine fünfte Ausleihe in zwei Jahren.

Der englische Messias

An Schmeichel Junior scheiden sich die Geister. Die Einen sehen in ihm den neuen Messias, einen der wenigen Lichtblicke im ansonsten grauen englischen Torwarthimmel. Scott Carson und das Aus in der EM-Qualifikation gegen Kroatien lassen grüßen. Dies ist auch der Grund dafür, warum sich der englische Verband bemühte, den jungen Torwart, der schon diverse U21-Länderspiele für Dänemark absolviert hatte, auf seine Seite zu ziehen. Dem schob jedoch Schmeichel Senior einen Riegel vor: »Kasper ist Däne. Es gibt nichts, was ihn zu einem Engländer machen würde.« Und dann sind da noch die Anderen, die an die anderen Söhne großer Fußballer erinnern, die mit großen Erwartungen von der Fußballwelt empfangen wurden und dann doch an diesen zerschellten, wie Stefan Beckenbauer, der zwölf Bundesligaspiele für den 1. FC Saarbrücken machte, oder Jordi Cruyff, der zwar auch mal beim FC Barcelona unter seinem Vater spielte, aber auf dessen Trikot nur »Jordi« geschrieben stand. Wenige Söhne bereits erfolgreicher Fußballer spielten ähnlich groß auf wie ihre Väter, in Deutschland wohl nur Dieter Burdenski, der seinen Vater Herbert, immerhin Mitglied des legendären Schalker Kreisels, in seiner Popularität überflügelte.

Doch ist die berühmte Genealogie nun Fluch oder Segen? Schmeichel Senior sagt: »Ich möchte nur, dass er glücklich ist, und es wäre nicht fair, Druck auf ihn auszuüben. Es ist schon so schwer genug für ihn«. Bei Manchester City war Kasper Schmeichel bisher nie erste Wahl und auch vor dieser Saison nur dritter Torwart. Vorher wurde er an die englischen Viertligisten Darlington FC, Bury FC – zwei Mal -, sowie an den schottischen Erstligisten Falkirk ausgeliehen – immerhin eine stetige Steigerung. Falkirk wollte ihn denn auch über die letzte Saison hinaus halten, doch da hatte der neue Trainer von ManCity Sven-Göran Eriksson schon das Talent des jungen Schmeichel erkannt: »Auf der Linie ist er sehr stark. Kasper ist einfach ein fantastischer Keeper.« Umso überraschender, dass er nach seinen starken Auftritten in der Premier League, bei denen er für die Verletzte Nummer eins Andreas Isaksson, den schwedischen Nationaltorwart, aushalf, nun doch wieder ausgeliehen wurde, diesmal nach Wales. Schmeichel macht gute Miene zum etwas unverständlichen Eriksson-Spiel, indem er sagt, dass Fußball zu spielen derzeit das Wichtigste für ihn sei und er sein Spiel überall verbessern kann. Es scheint, als könne er gegenwärtig halten wie er will – wegen seiner Jugend wird ihm einfach noch kein Stammplatz zugetraut.

»Mein kleiner Junge«

Es gibt eine Szene, in der der achtjährige Kasper mit dem gleichaltrigen Alex Bruce, Sohn des früheren ManU-Kapitäns Steve Bruce, im Old Trafford vor dem Eingangstor Fußball spielt. Kasper hat natürlich ein Torwarttrikot an und hält die Bälle, die auf ihn zukommen. War also alles vorbestimmt? Ein Mindestmaß an Talent muss sein Vater wohl auf ihn vererbt haben. Zudem sind ihre Physiognomien verblüffend ähnlich, wenn auch Kasper mit seinen 21 Jahren noch wie ein Schuljunge wirkt. Die bullige Statur hat er jedenfalls schon. Für den Vater bleibt er trotzdem »ein kleiner Junge, mein kleiner Junge«. Und so muss der kleine Junge augenblicklich wieder durch die Provinz tingeln und nach Spielen gegen Colchester oder Blackpool Interviews geben. Am Ende kommt sie dann, die immergleiche Frage: »Er ist mein Vater, nicht mein Trainer. Wenn wir miteinander reden, dann sprechen wir nicht über Fußball«, antwortet er.

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