17.12.2013

Die Meisterträume des FC Liverpool

Wind of Change

Die Scorpions mischen die Top Ten auf, die Bundesregierung wird seit acht Jahren von der gleichen Person angeführt und in England kann der FC Liverpool Meister werden. Was klingt wie ein Rückblick auf den Winter 1990, ist die Realität der Gegenwart.

Text:
Ilja Behnisch
Bild:
imago

Der FC Liverpool schien den Anschluss verloren zu haben. Unter Trainer Rafael Benitez zählte man noch zu den Big Four, die die ersten vier Plätze der englischen Premier League Jahr für Jahr unter sich ausmachten. Doch auch wenn man mit dem Spanier den FA-Pokal und die Champions League gewann: Die größte Sehnsucht galt der englischen Meisterschaft und blieb unerfüllt. Die Ära des Taktik-Tüftlers Benitez ging 2010 auf einem enttäuschenden siebten Platz zu Ende. Mit Manchester City drängte ein milliardenschwerer Emporkömmling nach oben, und auch Tottenham sowie der Lokalrivale Everton wurden zunehmend aufmüpfig. Die Luft an der Spitze wurde dünner. Der FC Liverpool suchte sein Heil in der Vergangenheit. Der »Wind of Change« wehte die »Reds« zurück in längst vergangene Tage.

Nach einem halbjährigem Intermezzo des heutigen Nationaltrainers Roy Hodgson übernahm im Januar 2011 Klub-Ikone Kenny Dalglish an der Anfield Road. Unter ihm wurden die »Reds« 1990 letztmals englischer Meister. Der Plan schien zunächst aufzugehen. Die Fans empfingen ihren Helden euphorisch und selbst die neuen amerikanischen Eigentümer zeigten sich beeindruckt: »Seit seiner Ankunft hat sich die Stimmung rund um den Klub zum Positiven verändert. Er hat eine einzigartige Beziehung zu unseren Fans und verkörpert alles, was den Mythos Liverpool besonders macht.« Auch sportlich begann Dalglishs zweite Amtszeit erfolgreich. In der Rückrunden-Tabelle der Saison 2010/11 belegte die Mannschaft hinter dem FC Chelsea den zweiten Platz. Die Zukunft schien rosig.

»Walking down the streets, distant memories are burried in the past forever.«

Doch die Kehrtwende misslang. In der folgenden Saison rutschte Liverpool auch unter Heilsbringer Dalglish weiter in Richtung Mittelmaß. Die Besitzer, die auch das Baseball-Team der Boston Red Sox anführen, bemängelten den »Return on Investment«. Die Kommentatoren warfen Dalglish eine veraltete Taktik vor. Am Ende stand Platz acht. Die schlechteste Platzierung seit 18 Jahren. Auch wenn die Mehrzahl der Fans weiter zu ihrem »King Kenny« hielten, musste Dalglish seinen Hut nehmen. Als Nachfolger wurde der damals gerade 38 Jahre alte Nordire Brendan Rodgers auserkoren, der sich zwischen 2010 und 2012 bei Swansea City einen Namen gemacht hatte. Dort gelang ihm mit attraktiven Offensivfußball der überraschende Aufstieg in die Premier League. Genau der richtige Mann für den Neuanfang des glorreichen FC Liverpool. Nach einer mit Platz sieben durchwachsenen ersten Saison starten die »Reds« in dieser Spielzeit durch. Durch das 5:0 bei Tottenham Hotspur am Sonntag belegt das Team hinter dem FC Arsenal mit nur zwei Zählern Rückstand den zweiten Tabellenplatz.

Nur Text
Nur Bild
 
 
 
 
 
 
12
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden