Die Liebe bleibt unerwidert

Louis van Gaal und der FC Bayern

Die Liebe bleibt unerwidert

Die Szene verströmte eine gewisse Endzeitstimmung. Louis van Gaal hatte seinen Platz auf der Trainerbank nach dem Abpfiff zügig verlassen, doch anstatt ebenso zügig in die Kabine zu flüchten, blieb er noch einmal stehen und blickte sekundenlang auf das Spielfeld. Es war, als wollte er zum Abschied alles noch einmal in sich aufsaugen: die fantastische Stimmung auf den Rängen, die Begeisterung für den Fußball. Man tritt van Gaal wohl nicht zu nahe, wenn man ihm unterstellt, dass er sich in den anderthalb Jahren als Trainer des FC Bayern München in die Bundesliga verliebt hat – selbst wenn seine Liebe nur zeitweise erwidert wurde.

[ad]

Es deutet einiges darauf hin, dass die Liaison sehr bald zu Ende gehen wird.

Das Mitleid, so viel ist sicher, dürfte sich in Grenzen halten – dafür ist van Gaal immer zu selbstgewiss aufgetreten, zu polternd und zu großspurig. Der Holländer hat es seiner Umgebung mit seiner Art nie leicht gemacht. Aber welcher große Trainer ist schon einfach? Denn daran, dass van Gaal ein großer Trainer ist, besteht wohl kein Zweifel, auch wenn er sich im Moment für eine regelrechte Fehlerorgie zu verantworten hat und es ihm die jüngsten Resultate fast unmöglich machen, solche Vorwürfe zu widerlegen.

Eine heftige Ära mit paradoxen Zügen

Dabei ist van Gaal etwas gelungen, woran sich seine drei Vorgänger Felix Magath, Ottmar Hitzfeld (in seiner zweiten Amtszeit) und Jürgen Klinsmann vergeblich versucht haben: Er hat die Bayern wieder in die Lage versetzt, die Champions League zu gewinnen.

Van Gaal hat eine kurze, aber heftige Ära beim FC Bayern geprägt, eine mit durchaus paradoxen Zügen. Als Prozesstrainer ist der Holländer eigentlich kein Mann für die schnelle Nummer. Die Erfolge aber kamen früher als erwartet: Van Gaal holte in seiner ersten Saison das nationale Double, er führte die Mannschaft ins Finale der Champions League – und vor allem bescherte er seinem Arbeitgeber Sympathiewerte, die außerhalb der allgemeinen Vorstellungskraft lagen. Erinnert sich noch jemand an das selige Dauerlächeln des Herrn Hoeneß vom vorigen Sommer?

Van Gaal war öffentlich angezählt

Ehrlicher wäre es gewesen, Hoeneß hätte sich verschämt in eine dunkle Ecke verzogen. Er nämlich war es, der früh gezielte Zweifel an van Gaal gestreut hatte – auch aus verletzter Eitelkeit. Ein Trainer aber, der öffentlich angezählt ist, von dem die Spieler wissen, dass er nur unter Vorbehalt arbeitet, wird per se kein guter Trainer sein können.

Doch van Gaal hatte die Spieler immer auf seiner Seite – weil sie gemerkt haben, dass seine Idee vom Fußball so falsch nicht war: dass eine große Mannschaft mehr ist als die Ansammlung großer Namen. Louis van Gaal hat den Bayern bewiesen, dass es nicht reicht, sich aufs Bayern-Sein zu verlassen. Vielleicht war das sein entscheidender Fehler.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!