Die Lehren aus Schalkes Champions-League-Aus

Gefangen in der Zeit

Das Champions-League-Aus des FC Schalke ist trotz aller Bitterkeit kein Beinbruch. Allerdings muss der Klub nun die Lehren aus dieser Saison ziehen.

Nach dem Champions-League-Aus des FC Schalke 04 gegen Galatasaray sah man vor allem in lange Gesichter. Wie geprügelte Hunde schlichen die Königsblauen vom Platz, murmelten danach etwas von »haarsträubenden Fehlern« und »eigener Dummheit« in die Mikrofone. Jeder wusste: Dieses Ausscheiden war so unnötig wie selbstverschuldet.

Nun blickt der FC Schalke auf eine Saison, aus der man viele Lehren ziehen kann. Zuallererst ist da die Erkenntnis, dass man in Gelsenkirchen trotz aller Bemühungen offenbar nicht in Ruhe arbeiten kann. Immer wieder geraten Interna an die Öffentlichkeit, nicht zuletzt das unerträgliche Namedropping rund um die Neubesetzung des Trainerpostens wurde mit Informationen von innen befeuert. Das sorgt für Unruhe im gesamten Umfeld.

Ein unumgängliches Minimalziel

Zudem muss der FC Schalke sich eingestehen, dass er auch wieder an den eigenen Erwartungen zu scheitern droht. Rund um den Ernst-Kuzorra-Weg ist man eben nicht damit zufrieden, sich in aller Ruhe als dritte Kraft im deutschen Fußball zu etablieren, die Champions-League-Qualifikation wird als unumgängliches Minimalziel ausgerufen. Wenn es mehr wird: gerne! So muss man sich ab dem ersten Spieltag, an diesen Ansprüchen messen lassen.

Doch der Dienstagabend offenbarte schon vor dem Anpfiff das zentralste Problem, das den FC Schalke beschäftigen sollte. Der eigene Kader ist in Breite und Tiefe den Ansprüchen nicht gewachsen. Jermaine Jones ist unersetzlich und auch der Ausfall von Klaas-Jan Huntelaar warf das frisch-kalibrierte Spiel von S04 dermaßen über den Haufen, dass die Schalker 45 Minuten brauchten, um überhaupt so etwas wie eine Ordnung herzustellen. Schon vor dem Anpfiff sagte Trainer Jens Keller auf die Frage, warum er den Finnen Teemu Pukki in vorderster Front aufstelle: »Ja gut, er ist der einzige Stürmer, den wir noch haben.« Vertrauen klingt anders.

Schalkes Idee ist eine Monsteraufgabe

Es ist klar, dass Schalkes Idee – finanzielle Konsolidierung bei gleichzeitiger sportlicher Weiterentwicklung – eine Monsteraufgabe ist, an der sich selbst etablierte Manager die Zähne ausbeißen würden. Es ist zudem ein Ritt auf der Rasierklinge, denn sollte S04 in dieser Saison sogar Platz vier in der Liga verpassen, wird der kostspielige Kader kaum zu halten sein. Manager Heldt darf sich keine weiteren Missverständnisse im Kader erlauben, sondern sollte vielmehr auf entwicklungsfähige Spieler setzen.

Denn Schalke hat auf dem Transfermarkt Fehler gemacht. Neben Top-Einkäufen wie Michel Bastos schleppt die Mannschaft seit Saisonbeginn eben auch Spieler mit durch, die den Aufgaben eines Champions-League-Aspiranten nicht gewachsen sind. Was jetzt immer deutlicher wird: Schalkes Mannschaft war nie so schlecht wie sie zum Start der Rückrunde gemacht wurde, aber eben auch nie so gut wie sie zuvor hochgejubelt wurde.

Hoffnung macht vor allem, dass die Mannschaft gestern zumindest in der zweiten Hälfte Charakter zeigte. Zudem stehen mit Julian Draxler, Joel Matip, Sead Kolasinac und Max Meyer junge Eigengewächse in den Reihen, mit denen man in Zukunft wieder hohe Ziele anstreben kann. Allerdings tragen sie bereits heute einen Großteil der Verantwortung auf ihren Schultern, obwohl sie eigentlich Zeit bräuchten, an diesen Aufgaben zu wachsen. Aber Zeit ist beim FC Schalke 04 nun mal seit jeher ein kostbares Gut.

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