Die Lehren aus Deutschlands Spiel gegen Kamerun

Noch nicht bereit

Die deutsche Nationalmannschaft hinterlässt im vorletzten Testspiel vor der WM keinen guten Eindruck. Gegen ein durchschnittliches Kameruner Pressing fehlt dem Team in einem neuen System die Spielstärke. Was muss besser werden? Die 11FREUNDE-Taktikanalyse.

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Kurz vor dem Start der WM testete Löw noch einmal ein System, das er bereits in der Qualifikation einsetzte: Gegen den Ball spielte das deutsche Team ein klassisches 4-4-2, wobei Mario Götze und Mesut Özil die beiden vordersten Positionen bekleideten. Bei Ballbesitz ließen sie sich ins deutsche Mittelfeld zurückfallen. Thomas Müller und Marco Reus spielten nominell auf den Außenpositionen, rückten aber immer wieder ein. Die zwei sollten in die Tiefe sprinten, während »die doppelt falsche Neun« aus Özil und Götze sie aus dem Mittelfeld mit Pässen versorgt.

Zu selten vertikal

Dass diese Idee durchaus Potential hat, zeigte sich in den Anfangsminuten. Deutschland hatte eine hohe Präsenz im offensiven Mittelfeld, die Breite gaben die hoch aufrückenden Außenverteidiger. So kombinierte sich Deutschland einige Male ansehnlich durch die Engen des Mittelfelds. Schon in der ersten Minute hatte Özil eine riesige Chance nach einer solchen Kombination.

Nach und nach verschlechterte sich das Spiel der Deutschen jedoch. Toni Kroos und Sami Khedira hielten im Mittelfeld zu lange die Bälle und verpassten den Zeitpunkt, den Ball nach vorne zu spielen. Zusammen spielten die beiden 200 Pässe, bereiteten jedoch nur eine einzige Chance vor. Dies lag auch daran, dass Özil als Verbindungsspieler komplett untertauchte. Er stellte nicht das benötigte Bindeglied zwischen Mittelfeld und Angriff dar, wodurch die Außenstürmer in der Luft hingen.

Eto’os mangelnder Druck

Dabei bot das Kameruner Pressing durchaus Räume, die das deutsche Team hätte bespielen können. Finkes Team trat in einem 4-1-4-1 an, wobei Eto’o sich vorne immer wieder aus dem Pressing ausklinkte. Pässe auf die Flügel oder die offensiven Halbräume wären mit einem riskanteren, vertikaleren Spiel möglich gewesen. Die Kameruner mussten auch deshalb vor der Pause so oft foulen, weil ihr Pressing sie in unangenehme Situationen brachte, die ein Verteidiger alleine lösen musste – gerade im Zentrum. Doch Özil und Götze ließen sich von diesen kleinen Fouls aus dem Konzept bringen. Eto’os mangelnder Druck in der vordersten Linie verleitete das deutsche Team wiederum dazu, den Ball zu lange und zu gemächlich in den eigenen Reihen zirkulieren zu lassen.

Das deutsche Offensivspiel verbesserte sich erst nach der Pause. Nachdem Schürrle und Podolski für Götze und Özil kamen, agierten vier schnelle und direkte Spielertypen im Angriff. Podolski brachte als Linksaußen etwas mehr Breite ins Spiel und nutzte mit seiner Schnelligkeit die Schwächen von Rechtsverteidiger Cedric Djeugoue aus, der in der kamerunischen Liga spielt und nicht zum WM-Kader Kameruns gehört. Zugleich bewegten sich Müller und Reus öfters ins offensive Zentrum und schufen eine Anspielstation für ein vertikales Zuspiel.

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