Die Lehren aus der Dortmunder Niederlage gegen Real

Bestenfalls Teilzeitmonster

Zwei Jahre lang sorgte Borussia Dortmund in Europa für Furore, doch die Niederlage gegen Real Madrid offenbarte nun, dass sich das Märchen vom Underdog aus dem Kohlenpott nicht unendlich weiterschreiben lässt. Trainer Jürgen Klopp steht nun vor einer großen Aufgabe: Er muss seine Mannschaft neu erfinden.

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Irgendwie fühlte sich das alles seltsam an, und vielleicht lag es an den Heizstrahlern. Man hat ja, seit die BayArena in Leverkusen umgebaut worden ist, ganz vergessen, dass es so was mal gab: glühende Heizdrähte unterm Tribünendach und Kuschelwärme selbst im Winter. Im Estadio Santiago Bernabeu gibt es das immer noch, und weil man in Madrid Temperaturen von acht Grad offensichtlich für einen Kälteeinbruch hält, wurden die Heizstrahler auch angestellt. Das kam ähnlich surreal daher wie der Umstand, dass es in der spanischen Hauptstadt überhaupt so kühl war, während in Deutschland die Leute den Holzkohlegrill auf dem Balkon anwarfen und dass es überdies derart regnete, dass jedem Mittelengländer das Herz aufgehen musste.

Das Ende eines Zyklus

Vielleicht lag das merkwürdige Gefühl aber auch daran, dass dieses Dauerduell der Champions League zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund diesmal so schattenhaft wenig Drama bot. Der BVB war im Vergleich zum Spiel fast genau elf Monate zuvor nur ein schemenhafter Wiedergänger seiner selbst. Und obwohl dieses Viertelfinale natürlich erst am kommenden Dienstag endgültig entschieden wird, fühlte es sich wie das Ende eines Zyklus an. Die Mannschaft, die in den letzten beiden Spielzeiten ganz Europa verzückte und bis ins Finale der Champions League kam, ist so langsam Geschichte.

Das muss selbstverständlich nicht das Ende der Geschichte von mitreißendem Dortmunder Fußball in der Champions League bedeuten, aber Jürgen Klopp wird sich ein neues Team zusammenbasteln müssen. Im Vergleich zum Spiel im Vorjahr fehlten sechs Spieler, und sollte der BVB auch in der nächsten Saison wieder bei Real Madrid antreten, werden die beiden Besten aus der großen Mannschaft mit Sicherheit nicht dabei sein. Mario Götze ist schon in München, und Robert Lewandowski wird es bald sein. Die Geschichte um Ilkay Gündogan entwickelt sich auch immer mehr zu einem Drama und schon gibt es Gerüchte, dass er vielleicht sogar Sportinvalide werden könnte.

Viel Andacht, wenig Gegenwehr

Um keine Geschichtsklitterung zu betreiben: 0:2 verloren die Borussen im Halbfinalrückspiel vor elf Monaten, und es hätte in den letzten Minuten auch gut ein 0:3 sein können wie in diesem Viertelfinalhinspiel. Doch bevor sie fast noch untergegangen wären, hatten sie das damals noch von José Mourinho trainierte Real mit großem Fußball hinreißend gequält. Diesmal hingegen wirkte der BVB lange einfach nur klein, als er eine Start-Ziel-Niederlage auf den Rasen legte, die schon in der dritten Minute begann. Bales Führungstreffer wurde mit viel Andacht von der Dortmunder Mannschaft begleitet und wenig mit entschlossener Gegenwehr. Lange ging das so weiter, dass die Borussen wie staunende Landpomeranzen in der großen Stadt wirkten. Das war vor allem deshalb ärgerlich, weil Real Madrid eine nach wie vor so lachhafte Defensivarbeit betreibt, dass auch dieser von Verletzungen ausgezehrte BVB noch haufenweise Torchancen bekam, die ein viel besseres Ergebnis erlaubt hätten als das aussichtslose 3:0.

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