03.09.2012

Die kuriosesten Vereins-Mäzene

Du määs minge Verein kapott

Seite 2/3: »Ja, sitzt denn der junge Wildmoser noch?...«
Text:
Philipp Köster , Maximilian Hendel und Christoph Erbelding
Bild:
Imago

11. Wolfgang Rieger (Linzer ASK)

Den wohl kriminellsten Sonnenkönig des österreichischen Fußballs beschäftigte 1998 der Linzer ASK. Präsident Wolfgang Rieger war zugleich Bankier des privaten Instituts »Rieger Bank AG« und verdünnisierte sich im Herbst 1998 unter Mithilfe des LASK-Platzwarts und mit 125 Millionen Schilling aus den Tresoren seiner Bank im Gepäck. Später klickten dann an der Cote d’Azur die Handschellen.

12. Rudi Quehenberger (Austria Salzburg)

Weniger kriminell, dafür umso lustiger ging es einst bei der Austria aus Salzburg zu. Dort war Präsident Rudi Quehenberger auf der Suche nach einem Mäzen fündig geworden und brüstete sich: »Scheich Khalil Al Qassimi hat in mehreren Telefonaten bestätigt, dass er zu dem abgeschlossenen Kooperationsvertrag steht.« Doch der Scheich machte sich zunächst rar und schickte stattdessen einen Spanier namens Pedro Benali, ausgestattet mit den allerbesten Zeugnissen großer Klubs, vor. Benali, der sich zwischendurch auch Ben Ali nannte, erwies sich dann aber als Hochstapler. Vorbei das orientalische Märchen.

13. Heinz Weisener (FC St. Pauli)

Jeder opponiert mal gegen seine Eltern und doch sind sie für einen da, wenn die gerade noch vorlauten Kinder irgendwann flehend angekrochen kommen, weil das Taschengeld wieder verschleudert wurde. Beim FC St. Pauli ging es nicht um Taschengeld, sondern um Profi-Fußball. Architekt Heinz Weisener scheiterte erst grandios mit seinem Babel-Projekt »Sportdome«. Danach hielt der »Papa« als Präsident mehrmals und jahrelang den Klub aus der eigenen Geldschatulle am Leben.

14. Günter Eichberg (FC Schalke 04)

Der schillerndste Sonnenkönig der Bundesliga-Geschichte ist ohne Zweifel Günter Eichberg, der Schalke 04 durch schiere Verschwendungssucht in die Schulden stürzte. Legendärstes Beispiel: der Transfer des Bayern-Stürmers Radmilo Mihajlovic. Aus purer Geltungssucht riss Eichberg die Verhandlungen an sich und bezahlte drei Millionen Ablöse, die Bayern hatten nur 2,5 Millionen gefordert. Und noch eine Anekdote: Weil er die Beerdigung von Ernst Kuzorra verpasst hatte, ließ er die Feierlichkeiten wiederholen.

15. Karl-Heinz Wildmoser (TSV 1860 München)

Mitunter landen leicht größenwahnsinnige Präsidenten auch im Kittchen, wie der Potentat des TSV 1860 München Karl-Heinz Wildmoser. Der stolperte über den Vorwurf der Untreue und Bestechlichkeit beim Bau des gemeinsamen Stadions mit dem FC Bayern. Am Ende wurde Wildmoser zwar freigesprochen, der Sohn als Geschäftsführer der Arena GmbH aber verknackt. Worauf die Anhänger auf der Wiesn den »Holzmichl« umdichteten: »Ja, sitzt denn der junge Wildmoser noch?...«

16. Gisela Oeri (FC Basel)

Das Mäzenatentum ist keine rein männliche Domäne. Ausnahme und Beweis zugleich ist die gebürtige Deutsche Gisela »Gigi« Oeri, die reichste Frau der Schweiz und Präsidentin des FC Basel. Die Anhängerin der Solariumstechnologie hat früher selbst Fußball gespielt, ist also vom Fach. Ihr skurrilstes Hobby ist allerdings nicht der Fußball. Die gute Frau besitzt außerdem die größte öffentliche Teddybären-Sammlung der Welt.

17. Dietmar Hopp (TSG Hoffenheim)

Sage keiner, Mäzene seien nicht wählerisch. Als Dietmar Hopp, großzügiger Financier der TSG Hoffenheim, gefragt wurde, warum er nicht auch dem siechenden 1. FC Kaiserslautern unter die Arme greife, gab Hopp zu Protokoll: »Das ist Quatsch. Schließlich kann ich nicht die ganze Welt retten.«

18. Gianni Agnelli (Juventus Turin)

Ewige Liebe: Die Wege der »Vecchia Signora« Juventus Turin sind seit 85 Jahren untrennbar mit dem FIAT-Clan verbunden. Über Dekaden hinweg führte Gianni Agnelli schier unsichtbar die Geschicke des Klubs, war aber ein Patriarch alter Schule. Michel Platini wurde eines seiner verhätschelten Herzblätter. Als Agnelli den Franzosen verpflichtete, bekam Madame Platini einen Strauß Rosen gesandt. »Er fühlte sich ihr verbunden, buhlten sie doch um den selben Mann«, bemerkte dazu Autorin Birgit Schönau.

19. Klaus Steilmann (SG Wattenscheid 09)

Den seligen Schäng Löring von Fortuna Köln einmal beiseite gelassen, fühlte sich kaum ein Mäzen so mit seinem Klub und seiner Stadt verbunden wie der Textilien-Unternehmer Klaus Steilmann mit Wattenscheid 09. Die größte Niederlage kassierten Klub und Präsident dann auch nicht auf dem Fußballplatz, sondern am 1. Januar 1976 auf dem Papier. Steilmann war einer der erbittertsten Gegner der Eingemeindung Wattenscheids in die Großstadt Bochum, die an diesem Tage beschlossen wurde.

20. Jean Löring (Fortuna Köln)

Jean Löring lassen natürlich nicht unter den Tisch fallen. Der »Schäng« rieb sich für sein Lebenswerk Fortuna Köln auf, führte das Team aus der Südstadt in den Siebzigern sogar in die Bundesliga, musste im Jahr 2000 allerdings auch den Niedergang in die Regionalliga miterleben - finanzieller Totalschaden inklusive. In ewiger Erinnerung bleibt Löring durch die Trainer-Entlassung von Toni Schumacher in der Halbzeitpause eines Zweitligaspiels (»Hau app in de Eiffel. Du määs minge Verein kapott. Du häss he nix mie zu sare, du Wichser«). Man musste Löring für seine Methoden nicht mögen. Dass die Stadt Köln im Juli 2012 von ihrem nicht gerade unbekannten Sohn eine Steuernachzahlung in der Höhe von 36,63 Euro fordert, geht allerdings entschieden zu weit. Da war Löring bereits sieben Jahre lang tot.

 
 
 
 
 
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