Die Karriere des Uli Stein

Alles auf Sieg

In der 11FREUNDE-Ausgabe #86 stellten wir die 50 größten Charakterköpfe des deutschen Fußballs vor. Uli Stein ist unter ihnen. Hier ein Parforceritt durch seine außergewöhnliche Karriere. Die Karriere des Uli SteinImago
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86
Dezember 1977, eine Zweitligapartie auf der Bielefelder Alm. Armine Norbert Eilenfeldt spielt einen Rückpass auf Uli Stein. Zum Entsetzen aller lässt der den Ball absichtlich ins Tor kullern. Fortuna Köln gewinnt 4:2.

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Mai 1983, Europapokalfinale in Athen. Der HSV trifft auf Juve, Uli Stein auf sein Idol Dino Zoff. In der 9. Minute trifft Felix Magath zum 1:0, Stein hält den Sieg fest. »Zoff konnte nur neidisch auf Stein sein«, steht tags darauf im »Daily Mirror«. »Nur sehr wenige Torhüter hätten all das gehalten.«




April 1984, nachts um eins auf der Landstraße von Norderstedt nach Hamburg. Uli Stein, Wolfram Wuttke und Dieter Schatzschneider sind mit ihren Sportwagen unterwegs, einer schlägt ein Wettrennen vor. »Hätte uns die Polizei erwischt, wir wären den Lappen auf Lebenszeit losgewesen«, erinnert sich Schatzschneider. Obwohl auch er und Wuttke das Gaspedal durchtreten, kommen sie mit deutlichem Rückstand ins Ziel. »Der Uli«, so Schatzschneider, »war auch da zu allem entschlossen.«

Juni 1986, das DFB-Mannschaftshotel nahe Queretaro, Mexiko. Nach dem ersten WM-Gruppenspiel gegen Uruguay gesteht Teamchef Beckenbauer Stein, dass er für ihn der beste deutsche Torhüter sei. Als gegen Dänemark dennoch Toni Schumacher zwischen den Pfosten steht, degradiert Stein sich selbst zur Nummer 3, nennt Beckenbauer einen »Suppenkasper« und setzt sich in karierter Flanellhose auf die Ersatzbank. 

Juli 1987, Supercupfinale in Frankfurt, HSV gegen Bayern. Kurz vor Schluss drückt Jürgen Wegmann im Sitzen den Ball an Uli Stein vorbei über die Linie. Wegmann schaut, jubelt, will aufstehen, da wird es schwarz um ihn herum. Stein hat ihm eine Gerade verpasst. Schiedsrichter Dieter Pauly zückt sofort Rot. Noch unter der Dusche denkt Stein: »Das ist das Ende.« Als der DFB ihn für zehn Wochen sperrt, löst der HSV seinen Vertrag auf.

Mai 1988, DFB-Pokalfinale im Berliner Olympiastadion. Durch ein Freistoßtor von Lajos Detari besiegt Eintracht Frankfurt den VfL Bochum. Mit sektbenetztem Haar sagt Trainer Karl-Heinz Feldkamp: »Entscheidend für diesen Erfolg war die Verpflichtung von Uli Stein.«

Februar 1990, Halbzeit im Spiel Frankfurt gegen Bayern, Jörg Bergers Premiere als Eintracht-Trainer. Die Kabinenpredigt hat er im Kopf, sein Blick schweift noch einmal über die Spieler. Sieben, acht, neun, zehn – doch weiter kommt er nicht. Der Elfte, der Torwart fehlt: Uli Stein. Berger holt Luft, will ausrasten, da fasst Charly Körbel ihn am Arm. »Lass gut sein, Trainer«, sagt der Kapitän. »Der Uli raucht noch eine auf dem Klo. Der braucht das.«

April 1990, DFB-Zentrale in Frankfurt am Main. Franz Beckenbauer will Uli Stein, den zwar ältesten, aber mit Abstand besten Bundesligatorwart, in die Nationalmannschaft zurückholen und mit ihm als Nummer 1 zur WM nach Italien fahren. Doch Verbandspräsident Hermann Neuberger interveniert: »Der spielt nie wieder für Deutschland!«

Juli 1997, in Uli Steins Wohnung in Bielefeld. Vor Kurzem ist er bei der Arminia rausgeflogen, wegen Dissonanzen mit Trainer Middendorp. Da ruft Nürnbergs Manager Georg Volkert und will ihn verpflichten. Stein ist bereit, einen stark leistungsbezogenen Vertrag zu unterzeichnen. Doch als Volkert ihm eröffnet, dass er im Falle einer Niederlage für den betreffende Einsatz keine Mark sehen würde, unterbricht ihn Stein: »Vergiss es, Schorsch! Stell dir vor, mein Verteidiger lässt seinen Gegenspieler laufen, der mir dann frei vor dem Tor den Ball ins Netz haut!« Schließlich fügt er lächelnd hinzu: »Den würde ich vor Wut gleich auf dem Rasen umbringen.«

November 1960, auf einem Schulhof in Nienburg. Uli Stein ist mit Abstand der Beste in seiner Mannschaft, die drohende Niederlage kann aber auch er nicht abwenden. Uli nimmt er den Ball, packt ihn ein und zieht von dannen. »Wenn ich eins nicht kann«, sagt er heute, 50 Jahre danach, »dann ist es verlieren.«


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