Die Jagd auf Millionen - The Italian Job

Deutsch-italienische Europapokalschlachten

Am Mittwoch kommt es in Mailand zur Neuauflage des Champions-League-Endspiels von 2010: Inter gegen Bayern. Wir blicken zurück auf legendäre Europapokalspiele zwischen deutschen und italienischen Mannschaften. Die Jagd auf Millionen - The Italian Job

Hamburger SV gegen Juventus Turin 1983, Schalke 04 gegen Inter Mailand 1997, Borussia Dortmund gegen Juventus Turin 1997 – Spiele, die Oppa mit verbundenen Augen nachspielen könnte, so viel hat man von ihnen gesehen und über sie gelesen. Vor dem Klassiker FC Bayern gegen Inter Mailand haben wir hier ein buntes Potpourri deutsch-italienischer Fußballschlachten zusammengestellt, von denen einige zu Unrecht aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden sind. Es sind die B-Seiten der allzu glänzenden Europapokal-Hits.

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Inter Mailand - FC Bayern 1:3
Uefa Cup 1988/89, Achtelfinale

Nach der 0:2 Hinspielniederlage in München glaubte niemand mehr an das Wunder von Mailand. Die deutsche Presse höhnte bereits, Heynckes agiere mit seinem taktischen Zug, drei Spitzen einzusetzen, »vorsintflutlich«. So verwandelte sich der Tross des Rekordmeisters in eine lustige Reisegruppe, sogar die Amateure Peter Sirch und Thomas Kastenmeier, sowie der Rekonvaleszent Lars Lunde durften mit ins San Siro reisen. Das sah nach internationaler Abschiedsfahrt aus. Doch dann drehte der FC Bayern richtig auf: Wohlfarth, Augenthaler, Wegmann, nach 41. Minuten war das Wunder realer als Madrid. Bayern maschierte bis zum Halbfinale weiter und scheiterte dann an einer anderen italienischen Mannschaft: dem SSC Neapel.

FC Vorwärts Berlin - FC Bologna 1:1 n.V.
Europapokal der Pokalsieger 1970/71, 1. Runde

Der Armeeklub FC Vorwärts war in der Saison 1970/71 wie gemacht für große Europapokalschlachten. Nach einem 0:0 im Hinspiel reisten die DDR-Kadersportler per Sondergenehmigung nach Italien. Als es nach 90 Minuten immer noch 0:0 stand, ging Vorwärts in die Offensive. Mit Erfolg, nach dem 1:1-Ausgleich kam von den Italienern nichts mehr. In der nächsten Runde schmissen die Berliner auch noch Benfica Lissabon raus. Doch das war es dann auch auf Europas Bühne – nur ein Jahr später wurde der Klub zwangsweise nach Frankfurt (Oder) übergesiedelt.

Eintracht Frankfurt - Juventus Turin 1:0 n.V.
Messepokal 1968/1969, 2. Runde

Das Flutlichtspiel im November 1968 sollte der Abend von Walter Bechtold werden. 120 Minuten atzte das erst 21-jährigen Mittelfeldtalent über den Platz, war vorne wie hinten und stand auch in der 120. Minute goldrichtig. Auf seinen Führungstreffer fand die alte Dame um den Legionär Helmut Haller keine Antwort mehr. Wie auch, der Schiedsrichter pfiff Sekunden später ab.

1. FC Lok Leipzig - AC Mailand 3:1
Uefa Cup 1985/1986, 2. Runde    

Die Leizpiger hatten sich in der Verlängerung gegen APOEL Nikosia mit Ach und Krach in die 2. Runde gemüht. Nun wartete der AC Mailand. Klare Sache, dachte die italienische Presse und spekulierte nur über die Höhe des Sieges. In San Siro gewann Milan zwar, aber nicht haushoch wie einige wagemutigen Experten verkündet hatten. 2:0 hieß es nach 90 Minuten. Im Rückspiel entfachte Lok einen Sturmlauf und führte zur Halbzeit durch Tore von Lutz Moldt (6.) und Hans-Jörg Leitzke (20.) mit 2:0. Virdis verkürzte zwar kurz nach der Halbzeitpause auf 2:1, doch Hans Richter stellte in der 75. Minute den alten Abstand wieder her. Ein weiteres Tor, das zum Weiterkommen gereicht hätte, gelang nicht mehr. Heute erzählen die Lok-Fans, die damals dabei waren, gerne von dem 17-jährigen Paolo Maldini, der in jenen Spielen seine ersten Europapokalerfahrungen machte.

Inter Mailand - Hannover 96 8:2
Messepokal 1960/61, Achtelfinale

Hannover gegen Helenio Herreras »El grande Inter«, das war wie ein Kampf zwischen einem Katzenbaby und einer Horde hungriger Pitbulls. Dementsprechend unschön liest sich die Messepokal-Bilanz der Roten gegen die Schwarzblauen. Nachdem man im Hinspiel mit 8:2 vom Platz gefegt wurde, gab es im Rückspiel gleich noch eine 1:6-Schlappe hinterher. Nach zwei Spielen stand es 14:3 für Inter und in Hannover war man froh, endlich wieder Ligafußball spielen zu dürfen.

Dynamo Dresden - Juventus Turin 2:0
Europapokal der Landesmeister 1973/74, 1. Runde

Als haushoher Favorit reiste der Vorjahresfinalist Juve ins malerische Elbflorenz. Vor allem die Granitabwehr um Welttorhüter Dino Zoff sollte den Dynamo-Angreifern Angst und Bange machen. Von wegen, Hans Jürgen Kreische und Hartmud Schade zeigten Juve, wo der Frosch die Locken hat. Juve kam nicht mehr zurück. 

Carl Zeiss Jena - Cagliari Calcio 2:0
Messepokal 1969/70, 2. Runde

Vermutlich hatte ein Großteil der Cagliari-Spieler noch nie die Namen
Peter Rock und Hans Irmscher gehört. Doch an diesem Abend wurden die beiden DDR-Nationalspieler zu den fußballergewordenen Albträumen der Italiener. Die erholten sich auch im Rückspiel nicht mehr vom Schock von Jena.


SSC Neapel - Eintracht Frankfurt 0:1
Uefa Cup 1994/1995, Achtelfinale

Der schwarze Sonntag wenige Tage zuvor: Torjäger und Kapitän Anthony Yebaoch wurde mit einer Geldstrafe in Höhe eines Monatsgehalts belegt, außerdem wurden ihm, Maurizio Gaudino und Jay-Jay-Ockocha ein Vereinswechsel nahe gelegt. Schlechte Stimmung im Klub? Beschissener war kaum möglich. Und doch blendete die Mannschaft die Querelen im Klub weitgehend aus. Nach einem Sieg in Neapel stand Eintracht Frankfurt mit einem Mal im Vierteflimale des Uefa-Cups. Dort war allerdings auch Endstation. Gegen Juventus Turin hatten die Frankfurter keine Chance. Der Absturz folgte auf Raten. Brachte man die Saison 1994/95 noch mit Mühen im Grau der Liga über die Runden, verabschiedete sich der Klub in der kommenden Saison aus dem Oberhaus.

Eintracht Braunschweig - Juventus Turin 3:2
Europapokal der Landesmeister 1967/1968, Viertelfinale

Den größten Erfolg auf europäischer Bühne erlebten die Kicker vom Überraschungsmeister Eintracht Braunschweig so oder so. Doch vielleicht hatten Gerwien, Wolters, Moll und Co. an jenem Abend etwas zu viel Höhenluft geschnuppert. Nach dem 3:2-Sieg (Peter Kaack traf dreimal, zweimal allerdings ins eigene Tor) verschlummerte die Eintracht im Rückspiel die Entscheidung. Die Folge: ein Entscheidungsspiel, das Braunschweig in Bern verlor. Aus der Traum.

Borussia Mönchengladbach - Inter Mailand 7:1
Europapokal der Landesmeister 1970/1971, Achtelfinale

Nun also doch ein A-Seiten-Hit. Die Geschichte hat einen Bart und ist in wenigen Stichworten erzählt: Gladbach überrennt Inter, eine Büchse fliegt, Boninsegna spielt den sterbenden Schwan, Coach Gianni Invernizzi gibt Anweisungen, dass er sich noch mehr umher rollen soll. Am Ende ist das 7:1 wertlos, weil es annuliert wird. Schiedsrichter Dorpmans gestand Jahre später: »Bei den Italienern konnte man seinerzeit fast generell davon ausgehen, dass es sich bei der Aktion um Schauspielerei handelte. Aber ich hatte keine Beweise.«

VfB Stuttgart - SSC Neapel 3:3
Uefa Cup 1988/89, Finale

Der Handskandal aus dem Hinspiel war noch nicht ganz verdaut, als sich der VfB schon wieder der Wundertruppe um Maradona, Careca und Carnevale gegenübersah. Wie wilde Stiere legten die Schwaben los und bekamen prompt das 0:1 eingeschenkt. Fortan lief man immer dem Rückstand hinterher, Olaf Schmälers Ausgleich in der 89. Minute kam zu spät. In Erinnerung blieb dieser Abend aber auch, weil sich Neapels Mittelfeldgenius Maradona vor dem Spiel aufreizend lässig zum Opus-Klassiker »Life is life« warm machte und damit unwissentlich einen Klickgiganten für Youtube schuf.

Werder Bremen - SSC Neapel 5:1
Uefa Cup 1989/90, Achtelfinale

Die beiden Europapokalpartien gegen Neapel gelten bis heute als die besten Werder-Spiele überhaupt. Niemand hätte auch nur eine Fischfrikadelle darauf gesetzt, dass die Hanseaten mit den Superstars aus Italien Katz und Maus spielen würden. Über das 3:2 im Hinspiel staunte die Fachwelt, nach dem 5:1 im Rückspiel wunderte sich der ganze Erdball. Die Namen Riedle und Rufe raunt man sich bis heute in den Gassen Neapels ehrfürchtig zu.

1. FC Nürnberg - AS Rom 1:3 n.V.
Uefa Cup 1988/89, 1. Runde

Die kleine Sensation war zum Greifen nahe: 2:1 hatte der Club in Rom gewonnen (Torschützen: Dieter Eckstein und Souleyman Sane). Doch schon vor dem Spiel warnte der Kicker: »Zum Mauern reicht das nicht.« Genau das versuchten die Nürnberger aber. Und auch wenn Rudi Völler die Strategie nach neun Minuten zunichte machte und zur Römer Führung traf, spielte Nürnberg lethargisch und verunsichert. Dieter Eckstein glich zwar durch einen Elfmeter aus, doch Policano traf zum 1:2. In der Verlängerung machte Renato das 1:3. Nürnberg war in der 1. Runde ausgeschieden – doch Kopf hoch, anderen Klubs wie Trakia Plovdiv, Banjasz Tatabanja und Ikast FS erging es genauso.

Hansa Rostock - Inter Mailand 2:1
Uefa Cup 1969/70, 2. Runde

30.000 im Ostseestadion und schon nach zwei Minuten drohte die Kogge zu sinken: Boninsegna machte das frühe 0:1. Würde nun das Schützenfest beginnen? Mitnichten. Die Ros tocker zogen sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf. Durch Tore von Hergesell (64.) und Sackritz (90.) drehten die Underdogs das Spiel – und klopften an die Tür zum Achtelfinale. In San Siro verlor Rostock allerdings mit 0:3. Zuschauer dieses Mal: 2500.

Fortuna Düsseldorf - AC Turin 3:1
Uefa Cup 1974/75, 1. Runde

Von einer »harten Nuss« schrieb der Kicker nach der Auslosung. Doch die Fortuna stellte sich mehr als gut an. In Turin gelang ein achtbares 1:1, und im Rückspiel sorgten Zimmerman, Seel und Geye für ein 3:1. Das klingt zwar nach lockerem Weiterkommen, doch der Kicker berichtet von einem hässlichen Spiel: »Die Turiner hackten und traten nach allem, was sich in ihrem Strafraum bewegte.« Zudem sollen in dem Spiel zwei Bälle kaputt gegangen sein. Die Kopfbilder dazu; Grätschen, Stolle, herunter gelassene Stutzen, Bärte, Schweiß und nassfeuchter Rasen.

AC Mailand - 1. FC Saarbrücken 3:4
Europapokal der Landesmeister 1955/56, Achtelfinale

Dadurch dass Saarbrücken durch den politischen Status des Saarlandes nicht am regulären deutschen Ligabetrieb teilnehmen konnte, war die Mannschaft Mitte der 50er Jahre ständig unterwegs. Die Elf machte Freundschaftsspiele in Rio de Janeiro, in Sao Paulo, sie spielte in Liverpool 1:1 oder gewann 4:0 im Bernabeu gegen Real Madrid, die seit zwölf Jahren kein Heimspiel mehr verloren hatten. Die beste Mannschaft der Welt? Glaubt man dem damaligen Mittelstürmer Herbert Binkert war es tatsächlich so: »Wir waren in aller Munde.« Der damalige Fifa-Präsident Jules Rimet soll in einem Interview sogar gesagt haben: »Die interessanteste Mannschaft des Kontinents kommt aus Saarbrücken.« In die Partien gegen den AC Mailand ging der 1. FC Saarbrücken trotzdem als Außenseiter. Die Milanisti boten mit den Schweden Gunnar Nordahl und Nils Liedholm schließlich den besten Sturm Europas auf. Doch, Sensation, Sensation! Der FCS gewann in San Siro mit 4:3. Und auch wenn das Rückspiel zu Hause mit 1:4 verloren ging, erzählt man sich noch heute von dem letztes hellen Flackern der Saarbrücker Wunderelf. Denn in den kommenden Jahren folgte der rapide Abstieg – die Mannschaft, über die einst die ganze Welt sprach, konnte sich 1963 nicht mal für die Bundesliga qualifizieren.

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