12.09.2013

Die irre Geschichte eines Fußballsongs

Niall Quinns Discobuxe

Seite 2/3: Glasige Augen
Text:
Martin McFadden; Redaktion: Ron Ulrich
Bild:
Imago

Der Gesang über Niall Quinn's Disco Pants hatte sich durch unser Fanzine und unser Spiel bei Crewe schon verbreitet, doch wir konnten nicht ahnen, was passieren sollte. In der letzten Minute erzielte Quinn den 2:1-Siegtreffer und 41.268 Leute sangen aus voller Kehle unser Lied (ok, ok, es war Quinns Lied und die Wolverhampton-Fans werden wohl nicht mit eingestimmt haben). Los ging es in den nächsten Pub – was für ein Moment!



Am darauf folgenden Montag hatten wir immer noch glasige Augen von den Feiern des Wochenendes. Mein Telefon klingelte mich also aus dem Halbschlaf. Tim war dran und fragte: »Habt ihr Lust, einen Plattenvertrag zu unterzeichnen?« Sein Boss hatte am Wochenende die Zusammenfassung des Spiels gesehen und mitbekommen, wie das ganze Stadion den Song intoniert hatte. Ich gab mich am Telefon ganz gelassen, während ich durch die Zimmer rannte, als wäre ich es gewesen, der den Siegtreffer geschossen hat.

Johnny und zu viel Cannabis

Wir unterschrieben also den Vertrag und teilten im Überschwang allen – Nachbarn, Freunden, Verwandten, Bekannten – mit, dass uns nun niemand mehr aufhalten könne und wir Popstars werden würden. Ganz sicher. Bis uns dämmerte, dass wir eigentlich nur einen Vertrag mit einer international agierenden Plattenfirma unterzeichnet hatten. Dieser besagte, dass wir damit einverstanden waren, nicht nur die Aufnahme und Produktion, sondern auch die Veröffentlichung und die Vermarktung zu übernehmen.

Wir hatten keine Ahnung, wie das geht. Um die Sache noch etwas zu verkomplizieren, spielte natürlich keiner von uns auch nur ansatzweise ein Instrument. Wir wussten nicht, was wir verdammt noch mal tun sollten.

Wie immer in solch angespannten Lebenslagen taten wir das einzig Richtige und besofffen uns nach allen Regeln der Kunst im The Ivy House. Sogleich kamen uns die Ideen, wie wir uns aus der misslichen Lage befreien konnten. Wir brauchten zunächst ein Aufnahmestudio. Johnny, ein alter Bekannter von mir, der sich mit einem Musikprogramm herumschlug und viel zu viel Cannabis in seinem Schlafzimmer rauchte, sollte unser Techniker werden. Es bedurfte nur eines Partners, der ihn zum Arbeiten bekommen würde.

Wir suchten Johny auf und wenig überraschend lag er gerade Cannabis rauchend in seinem Bett und kreierte einen Song. Johnny verwies uns an Maz, dem das Studio The Bunker gehörte, das wir fernab der Öffnungszeiten nutzen könnten.

Die Allgemeinbildung eines Goldfischs

Maz konnte Drums spielen und Johnny konnte Gitarre, Bass, Akkordeon, Mundharmonika usw. spielen. Wie auch immer, wir fragten Garry Dunn, ob er Gitarre und Bass spielen wollte. Gary war ebenfalls ein alter Bekannter von mir. Wir hatten also tatsächlich ein Studio und Musiker, doch schnell wurde uns eins bewusst: Wir hatten zwar den Gesang, aber keine Strophen für solch ein Lied. Also machten wir uns auf ins Ivy House.

Unser Kumpel Peter sollte das Problem lösen, immerhin studierte er in Cambridge, was ausschloss, dass er ein kompletter Idiot war. Seltsamerweise sagten alle, die ihn näher kannten, dass er trotzdem die Allgemeinbildung eines Goldfisches besaß. Peter verlangte Sandwiches, Kaffee und Ruhe und zog sich dann für einige Stunden auf meinen Dachboden zurück.

Mit Bier gefügig machen

Wenig später hatten wir tatsächlich den Text, nun ging es ans Eingemachte. Die lokale Presse bekam schon Wind von der Sache und wollte vorbeischauen, doch das Studio war dafür definitiv kein geeigneter Ort. Aus ihm trat der Gestank von Johnnys Skunk-Tasche und von Maz' Töle. Johnny und Maz hatten sich ins Studio einkaserniert, bis der Song aufgenommen war.

Sie schliefen mit dem Hund auf Matratzen. Spätestens da wurde mir bewusst, dass die Musikindustrie bei weitem nicht so glamourös war, wie ich angenommen hatte.

Nach den ersten Aufnahmen und ziemlich viel Geschrei von Johnny und Maz standen wir kurz vor der Ziellinie. Ich sprintete in den nächsten Supermarkt und kaperte so viel Bier, wie ich kriegen konnte. Doch ich kippte sie mir nicht als Belohnung selbst rein, sondern verfolgte einen anderen Plan: Im Studio standen reichlich Fans, um dem Refrain die passende Stadionatmosphäre zu verleihen. Doch die Jungs wollten nicht so recht in Schwung kommen, also machte ich sie mit Bier und Pizza gefügig – plötzlich sangen sie sich die Seele aus dem Leib.

 
 
 
 
 
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