Die herzergreifende Geschichte des Prince Tagoe

Prinz Eisenherz

Die herzergreifende Geschichte des Prince TagoeJoel Micah Miller
Heft#100 03/2010
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Die »Ratsstube Steidel« in Sinsheim-Dühren hat an diesem 9. Juni 2009 einen besonderen Gast: Prince Tagoe, ein 22-jähriger Fußballer aus Ghana, der soeben seinen ersten Profivertrag in Europa unterschrieben hat. Begleitet wird der junge Mann von Jan Schindelmeiser, Geschäftsführer von Tagoes neuem Arbeitgeber TSG Hoffenheim, und Djuro Ivanisevic, dem Berater des Spielers. »Als ich meinen Namen auf das Papier schrieb«, erinnert sich Tagoe, »fühlte sich das an, als ob mein Leben neu beginnen würde.«

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Auf dem internationalen Fußballmarkt ist der wuchtige Angreifer mit den feinen Rastazöpfen im Sommer 2009 längst kein Unbekannter mehr. Bereits drei Jahre zuvor hat der FSV Mainz 05 um seine Dienste geworben. Erfolglos. Für viel Geld wechselte Tagoe nach Saudi-Arabien. Doch der Aufenthalt auf der arabischen Halbinsel sollte für den flinken Offensivspieler nur eine Zwischenstation auf dem Weg zum Traumziel Europa werden.

Angebote aus Mailand und Valencia – Tagoe geht nach Hoffenheim

Im Frühjahr 2009 geht der Traum in Erfüllung. Vor Tagoe liegen unterschriftsreife Verträge von Inter Mailand und dem FC Valencia. Die Tür zur großen weiten Fußballwelt steht offen. Und Tagoe? Entscheidet sich für die TSG Hoffenheim. Dort spielt bereits sein Freund Isaac Vorsah, und gemeinsam mit den Beratern kann der seinen talentierten Landsmann für den Bundesligisten in der Rhein-Neckar-Provinz begeistern. Djuro Ivanisevic will seinem Schützling auf der Karte einen Ort zeigen, der dort gar nicht vermerkt ist. Aber was bedeuten schon Einwohnerzahlen und Breitengrade, wenn man in der Liga spielen kann, in der ghanaische Nationalhelden wie Sammy Kuffour und Tony Yeboah ihre Karrieren starteten? Tagoe vertraut seinen Beratern und dem alten Kumpel Isaac. Am 9. Juni 2009 wird doppelt gefeiert: ein gutes Geschäft und der Beginn des Fußballtraums, den Prince Tagoe ab sofort leben darf.

Damit sollte die Transfergeschichte des begabten afrikanischen Jungfußballers in die Bundesliga eigentlich beendet sein. Stattdessen aber geht sie an dieser Stelle erst los. »Denn plötzlich«, sagt der Berater Djuro Ivanisevic, »begann dieser Alptraum.«

Fußballer sind die Ware, die den Mehrwert erzeugen

Professionelle Fußballvereine sind längst zu wirtschaftlichen Unternehmen avanciert, in denen das Personal auf dem Platz die Ware ist, die den Mehrwert erzeugen muss. Falsche Transfers können die wirtschaftliche Situation eines Klubs schnell in Schieflage bringen. Die Deutsche Fußball Liga sieht zudem in ihren Lizenzauflagen vor, dass sich Spieler einem zweiteiligen medizinischen Check unterziehen müssen: einer orthopädischen und einer kardiologisch-internistischen Untersuchung. Erst wenn der behandelnde Arzt die Sporttauglichkeit erteilt, erhält ein Fußballer in Deutschland seine Spielerlaubnis. Die Auflagen sind streng, die Strafen bei einem Fehlverhalten können drastisch sein.

Prince Tagoe wird am 8. Juni 2009 untersucht, einen Tag vor der Vertragsunterzeichnung. Das Zeitfenster ist eng, denn Tagoe kämpft mit seiner Nationalmannschaft um die Teilnahme bei der ersten WM auf afrikanischem Boden. Die Pause zwischen den Länderspielen will der 22-Jährige nutzen, um bei seinem neuen Verein alle Formalitäten zu klären. In seiner Heidelberger Praxis erwartet Hoffenheims Mannschaftsarzt Dr. Pieter Beks den Patienten. Begleitet wird Tagoe von Djuro Ivanisevic und dessen Partner Goran Milovanovic. Alles soll nach Plan verlaufen, also haben sie ihrem Schützling Turnschuhe für die Spiroergometrie besorgt, ein Standardverfahren bei der kardiologischen Erstuntersuchung von Profifußballern. Beks belässt es laut Ivanisevic im Rahmen dieses Checks allerdings bei den orthopädischen Tests: »Zur Spiroergometrie kam es damals nicht. Dr. Beks sagte: ›Keine Sorge, das reicht.‹« Die Turnschuhe bleiben eingepackt.

»Die Eingangsuntersuchungen laufen bei uns nach einem festgelegten Muster ab«, gibt Hoffenheims Jan Schindelmeiser heute zu, »das war bei Prince aus organisatorischen Gründen nicht der Fall.« Hoffenheims Mannschaftsarzt stuft den neuen Mann als kerngesund ein, noch am Abend des 8. Juni gehen die Unterlagen an die DFL raus. Schon am 20. Juni spielt Ghana gegen den Sudan und Nationaltrainer Milovan Rajevac erwartet seinen Angreifer im Trainingslager. Einen Tag nach der Vertragsunterzeichnung sitzt Tagoe schon wieder im Flugzeug nach Afrika.

Er weiß es noch nicht: Es wird sein vorerst letzer Einsatz sein

Gegen den Sudan steht der Hoffenheimer Neuling auf dem Platz, und als dem ehemaligen Dortmunder Matthew Amoah in der 52. Minute das entscheidende 2:0 gelingt, ist sein Sturmpartner Prince Tagoe als Erster da, um ihm zu gratulieren. Nach 80 Minuten wird er ausgewechselt. Was Prince Tagoe zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß: Es wird sein letzter Einsatz in der Qualifikation für die WM 2010 sein.

Am 14. Juli kehrt Tagoe aus dem Urlaub zurück in seine neue Heimat Heidelberg, wo er nun mit Landsmann Isaac Vorsah zusammenwohnt. Seine Reisekoffer bleiben gepackt, denn im österreichischen Leogang beginnt die TSG Hoffenheim noch am selben Tag mit ihrem Trainingslager. Tagoe reist umgehend hinterher. Die Reisestrapazen und das ungewohnte Trainingspensum machen dem Ghanaer sichtbar zu schaffen. In Saudi-Arabien hatte er wegen der Hitze nur einmal am Tag trainieren müssen – abends um 22 Uhr. In den ersten Einheiten macht er einen schwachen Eindruck. »In absoluten Spitzenbereichen war Prince nicht auf der Höhe«, erinnert sich Trainer Ralf Rangnick, »das volle Tempo konnte er nicht mitgehen.«

»So kenne ich Prince gar nicht«

Vier Tage nach dem Trainingslager in der Alpenrepublik empfängt die TSG den FC Getafe zum Testspiel. Auf der Tribüne in Sinsheim sitzt Berater Milovanovic, neben ihm Ghanas Nationaltrainer Rajevac. Beide sehen einen müden Prince. Am Tag darauf treffen sich Rajevac und Rangnick auf dem Trainingsplatz. Sie sprechen über ihren Spieler. Keine Frage, Rangnick hat sich mehr erwartet. Auch Rajevac sagt: »So kenne ich Prince gar nicht.« Am 29. Juli wird Tagoe für einen routinemäßigen Check nach Heidelberg geschickt, den alle Lizenzspieler der TSG einmal im Jahr absolvieren.

Das Team der Uni-Klinik um Prof. Dr. Hugo Katus und Oberärztin Dr. Birgit Friedmann hat nicht das erste Mal einen Fußballer aus Hoffenheim im Wartezimmer. Was am 8. Juni bei Dr. Beks aus Zeitgründen eingespart wurde, soll nun wiederholt werden: die Spiroergometrie. Ein Verfahren zur Messung von Atemgasen, mit der man unter anderem die Belastbarkeit des Herzens testen kann. Der Patient sitzt dabei auf einem Fahrradergometer und trägt eine Maske mit rüsselartigem Schlauch, der die Sauerstoffwerte in der Atemluft – und damit die Belastungsfähigkeit des Herzens – misst.

Laut Tagoe geschieht nun im Behandlungszimmer Folgendes: Dr. Friedmann beordert den Patienten auf das Ergometer und der strampelt los. 15 Minuten vergehen, ehe Friedmann zurück in den Raum kommt. Die Ärztin stellt fest, dass ihr Patient den Test ohne die erforderliche Gesichtsmaske absolviert. »Sie entschuldigte sich dafür, befestigte die Maske, und ich musste diese Viertelstunde auf dem Fahrrad wiederholen. Das war etwas erschöpfend«, so Tagoe im Rückblick. Dr. Friedmann kann hierzu keine Stellung beziehen. Bis heute hat der Patient die Ärzte nicht von deren Schweigepflicht entbunden.

»Er sagte mir: Ich dürfte nie wieder Fußball spielen.«

Die gemessenen Werte des Sportlers sind auffällig. Nur einen Tag später muss Prince Tagoe wieder ins Krankenhaus. Diesmal zu Professor Katus. Der bittet den 22-jährigen Athleten in sein Büro. Tagoe ist verunsichert, eigentlich war er nach Deutschland gekommen, um gegen den Ball zu treten. Jetzt sitzt ihm ein Arzt mit ernstem Gesicht gegenüber und versucht, auf Englisch in Worte zu fassen, dass seine Karriere beendet ist. »Der Professor sagte mir, dass ich nicht mehr Fußball spielen dürfe, weil ich eine Herzkrankheit habe«, erinnert sich Tagoe. Der Fußballprofi soll an einer seltenen Erkrankung des Herzmuskels der linken Kammer leiden. Ein angeborener Herzfehler, der das Risiko eines plötzlichen Infarktes deutlich erhöht.

Der junge Sportler verlässt die Klinik in Heidelberg. Vorbei an lachenden Medizinstudenten auf dem Weg in die Mittagspause schlurft ein Profifußballer, der nicht wirklich verstehen kann, was man ihm gerade mitgeteilt hat. Was ihm der deutsche Professor gesagt hat, kann einfach nicht wahr sein. Er, der mit seinem durchtrainierten Körper schon hunderttausende von Petrodollars verdient hat, soll plötzlich todkrank sein? Tagoe fährt nach Hause, in die Fußballer-WG, und legt sich auf sein Bett. Er fühlt sich leer. Da ist nichts. Keine Wut, keine Trauer. Nur Fragezeichen.

Prince Tagoe wird fristlos gekündigt

Zwei Stunden später klingelt das Handy. Am Telefon ist Chuks Madukanya, Hoffenheims Deutschlehrer für die afrikanischen Neulinge. Er bittet Tagoe, in die Praxis von Pieter Beks zu kommen. Dort warten, neben dem Mannschaftsarzt, schon Jan Schindelmeiser und Hoffenheims Spielleiter Dirk Rittmüller. Sie wissen bereits von der Diagnose des Heidelberger Arztes und um die daraus resultierende Sportuntauglichkeit ihres Spielers.
Prince Tagoe wird fristlos gekündigt.

Zwei Stunden nach der Diagnose bei Professor Katus ist er nun auch seinen Job los. Ein Fußballer ohne Verein, ohne Existenzgrundlage. Er unterschreibt die Empfangsbestätigung der Kündigung. »Ich dachte, wenn es etwas Wichtiges wäre, säßen auch meine Berater mit im Büro.« Doch er ist allein. Man verabschiedet ihn in die Heidelberger Mittagssonne.

Der Geschäftsführer muss sich dafür in den kommenden Monaten viele Fragen gefallen lassen. Warum wurde Tagoe so schnell nach der niederschmetternden Diagnose gekündigt? Warum hat man keine zweite Meinung eingeholt? Schindelmeiser versteht die Kritik, doch am 30. Juni 2009 steckt er in der Klemme: »Ich musste eine sofortige Entscheidung treffen, um die Interessen der GmbH zu wahren.« Die Kündigung hat vor allem finanzielle Gründe. Einen Tag später, am 31. Juni, wären laut Vertrag Handgelder und Gehälter in Millionenhöhe fällig geworden. Viel Geld für einen Fußballer, den ein renommierter Kardiologe kurz zuvor für sportuntauglich erklärt hat. »Wir hatten eine Fürsorgepflicht für den Jungen«, betonen Schindelmeiser und sein Trainer Ralf Rangnick später unisono. Wer will schon dafür verantwortlich sein, wenn ein junger Neuzugang Wochen, Monate, vielleicht Jahre später auf dem Fußballplatz stirbt, obwohl man die medizinischen Vorzeichen kannte?

»Prince war ein Teil von Nichts«

Prince Tagoe fährt nach dem Treffen bei Dr. Pieter Beks wieder in seine Wohnung. Er versucht, Ruhe zu bewahren. Beten hilft ihm dabei. Er greift zum Telefon und legt es doch wieder zurück. Die schlechten Nachrichten kann er vorerst mit niemandem teilen. Selbst seinem Freund und Mitbewohner sagt er nichts. Isaac Vorsah fährt zum Hoffenheimer Trainingsgelände, sein Mitspieler erfindet eine Ausrede und bleibt zu Hause. »Isaac war ein Teil der Mannschaft«, sagt Berater Djuro Ivanisevic, »Prince hingegen war von einem Moment auf den anderen nur ein Teil von Nichts.«

Einen Tag später ruft er in den USA bei seinen Eltern an. Ein »angeborener Herzfehler« hatte ihm der Heidelberger Professor gesagt. Er fragt seine Mutter, ob jemand in der Familie schon einmal Probleme mit dem Herzen hatte. »Nein, niemand!« Jetzt muss der Sohn die Mutter beruhigen.

Inzwischen haben seine Berater erfahren, was am 30. Juli in der Praxis von Dr. Beks passiert ist. Am 4. August treffen Milovanovic und sein Partner in Heidelberg ein. Wenig später sitzen sie im Büro von Katus und lassen sich von dem Mediziner per Powerpoint-Präsentation zeigen, wie krank das Herz ihres Klienten ist. »Ich habe nicht verstanden, wo das Problem liegt«, erinnert sich Ivanisevic. Das Beraterduo spricht mit Jan Schindelmeiser und versucht ihn umzustimmen, doch der beharrt auf der Kündigung. Prince Tagoe holt sich am 5. August juristischen Beistand. Am selben Tag ist er schon wieder beim Arzt. Seine Berater haben einen Termin bei Dr. Manfred Neuß in Mönchengladbach vereinbart. Der diagnostiziert eine leichte Herzmuskelentzündung, einen Herzfehler kann er aber nicht erkennen. »Ich wusste ja, dass ich nicht krank war«, sagt Tagoe. Jetzt hat er auch das entsprechende Gutachten eines Arztes.

Weitere Ärzte bestätigen: Er hat keinen Herzfehler

In den nächsten Wochen lernt der junge Ghanaer das hiesige Gesundheitssystem besser kennen, als ihm lieb ist. Während seine Kollegen vor einem Millionenpublikum um Punkte kämpfen, wird Tagoe von vier weiteren Ärzten untersucht, die allesamt bestätigen, was er ohnehin weiß: Er hat keinen Herzfehler. Einen Teilerfolg kann der Ghanaer am 20. August feiern: Hoffenheim hebt die fristlose Kündigung auf und zahlt die fehlenden Gelder aus. Fußball spielen darf er allerdings noch immer nicht.

Derweil tobt hinter den Kulissen ein Rechtsstreit. Welcher Arzt ist gut genug, ein endgültiges Urteil zu fällen? Hoffenheim schlägt als Gutachter verschiedene Spezialisten vor, die Tagoes Anwalt immer wieder ablehnt. Der Jurist will wissen, welcher Arzt die vorgeschlagenen Mediziner empfohlen habe und bekommt keine Antwort aus Hoffenheim. Erst am 15. September scheint sich eine Lösung im Fall Tagoe anzubahnen. Die DFL will Klarheit und kontaktiert erstmals den Kardiologen Prof. Dr. Michael Böhm vom Uni-Klinikum Saarland.

»Bist du nicht wütend auf die deutschen Ärzte?«

Darüber, wie es Prince Tagoe in der ganzen Zeit geht, will er bis heute nicht sprechen. Nur selten verlässt er in diesen Spätsommerwochen die Wohnung, manchmal geht er laufen und hört dabei sein Herz schlagen. Gegen den Ball hat er seit der Diagnose nicht mehr getreten. Häufig telefoniert er mit seiner Familie, und auch die fragen ihn: Bist du nicht wütend? Bist du nicht sauer auf die deutschen Ärzte? »Manchmal hatte ich solche Gefühle«, sagt der junge Mann leise und streicht über seine goldene Halskette. »Aber Wut ist nicht die Antwort. Jeder kann Fehler machen.«

Seine Berater machen sich jedoch Sorgen um ihren Schützling. Der stille Offensivspieler scheint sich zu verkriechen, wirkt noch schweigsamer als sonst. »Ich dachte, er knickt uns psychisch weg«, erinnert sich Ivanisevic. Der Hochleistungssportler ist seit Wochen körperlich unterfordert. Ivanisevic lässt den Sportler a.D. in seine Düsseldorfer Wohnung einziehen und organisiert ein Trainingsprogramm bei Torsten Voss, Zehnkampf-Silbermedaillengewinner von 1988. Auf einer Laufbahn in Sichtweite der Heimstätte von Fortuna Düsseldorf beginnt Voss mit dem Training für einen Fußballer, von dem die Öffentlichkeit immer noch nicht weiß, ob er nun todkrank oder topfit ist. Zunächst nur einmal am Tag taucht Tagoe schon nach einer Woche zweimal täglich auf. Voss lässt ihn sprinten, springen, schwitzen. Als er nach knapp zweieinhalb Wochen Training in Rekordzeit eine spezielle Treppenkonstruktion im nahen Neukirchen-Vluyn hinaufstürmt, steht Torsten Voss auf der ersten Stufe und denkt: »Der Junge ist nie im Leben herzkrank.«

Er hat seine Karriere wieder zurück

Dann kommt der 21. Oktober 2009 und die erste Untersuchung durch Dr. Michael Böhm. Der Gutachter durchleuchtet den Patienten gründlich, schließlich warten viele Menschen auf diese Diagnose. Der Arzt befindet eine »vorübergehende Einschränkung der Herzmuskelfunktion«, ausgelöst durch eine Herzmuskelentzündung, und fällt schließlich das entscheidende Urteil, auf das sein Patient seit fast drei Monaten gewartet hat: Tagoe darf wieder Fußball spielen. Er hat seine Karriere wieder zurück.

Es dauert jedoch weitere zwei Monate, ehe der DFL-Gutachter schriftlich bestätigt, dass Prince Tagoe gesund ist. Die lange Phase des Misstrauens hat bei seinen Beratern, seinem Anwalt und der TSG Hoffenheim Spuren hinterlassen. »Eines steht fest«, sagt Jan Schindelmeiser im Januar 2010, »der Junge hatte ein Herzproblem, das wir nicht ignorieren konnten.«

Als er die Kabine betritt, bricht Jubel aus

Prince Tagoe ist das egal. Mit leichter Verspätung erteilt ihm die DFL am 11. Januar 2010 die Freigabe und nach fast einem halben Jahr Zwangspause kann er Anfang Januar wieder das Trainingsgelände in Hoffenheim betreten. Für den Abstinenzler ist es ein erhabenes Gefühl, als seine Teamkollegen in lauten Jubel ausbrechen, als sie den Mitspieler in der Kabine sehen. Die Lizenzspieler der TSG 1899 Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH klatschen Beifall für den Rückkehrer. Am 19. Januar wird er im Testspiel gegen Offenbach erstmals wieder eingewechselt und feiert am 20. Spieltag nach 82 Minuten sein Debüt in der Bundesliga. Im Pokal gegen Werder Bremen gelingt ihm gar das erste Tor für seinen neuen Klub. Prince Tagoe ist wieder Fußballer.

Die Frage nach Schuld und Unschuld will er sich heute nicht mehr stellen. Jan Schindelmeiser muss sie sich allerdings gefallen lassen. Es bleibt die Frage, warum der Klub seinen jungen Neuzugang nach der schrecklichen Diagnose fallenließ wie eine heiße Kartoffel.

»Ich würde heute anders handeln«

Dass Hoffenheim einen Fehler gemacht hat, gesteht Schindelmeiser heute ein. Der Manager hat eine ganz eigene Vergangen-
heit als Fußballer. 21 Jahre war er, als das Pfeiffersche Drüsenfieber dem hoffnungsvollen Talent aus Flensburg die ganz große Laufbahn verwehrte. Er kennt das Gefühl, nur Zuschauer der eigenen Mannschaft zu sein. Der Geschäftsführer der TSG Hoffenheim sitzt in seinem Büro in Zuzenhausen. Von seinem großen Schreibtisch hat er einen hervorragenden Blick auf das nagelneue Trainingszentrum.

»Wenn ich die Zeit noch einmal zurückdrehen könnte«, sagt der 46-Jährige und denkt an den 30. Juni 2009, »würde ich heute anders vorgehen. Mein Gefühl hatte mir schon damals etwas anderes gesagt.«

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