Die härtesten Hunde aller Zeiten
11.09.2011

Die härtesten Hunde aller Zeiten

Ein Tritt für alle Fälle

Wenn heute ein Spieler wegen groben Foulspiels des Feldes verwiesen wird, aalt er sich wortreich aus der Schuld. Früher hingegen standen die Treter zu ihrer Zunft. Und es hieß zu Recht: Kein Mensch, kein Tier – die Nummer 4.

Text:
Alex Raack
Bild:
imago

Nigel de Jong und Karl Henry haben am Wochenende für traurige Höhepunkte gesorgt und sich mit brutalen Fouls einen Platz in der Ahnengalerei der Fußball-Treter gesichert. Auch in Deutschland gibt es einige Kicker, die sicherlich schon in der Kindheit Backsteine aus Spaß an der Freude zertreten haben. Eine Auswahl.




Nichts ist schlimmer für einen Fußball-Fan, als der eigenen Riege hilflos zuzusehen, wie sie sich ihrem Schicksal hängenden Kopfes ergibt. Wo war der unnötige Bodycheck über die Bande, wenn man ihn mal braucht, wo der beinharte Pressschlag – und wo der Schlappen über dem Fuß? Zumindest eines sollte die eigene Mannschaft bei drohender Niederlage doch noch schaffen: Dem anderen Team (Bayern) ein Arbeitszeugnis auf das Schienbein zementieren. Allen Schönspielern also zum Trotz hier die Top-5-Liste eines Spielertyps, der zu jeder anständigen Mannschaft gehören sollte wie der exzentrische Regisseur, der brüllende Torwart oder der mürrische Kassenwart: der Treter.

1.Thorsten Legat

Vor der Begegnung gegen den FC Bayern München 1996 tönte Legat, noch im Trikot vom VfB Stuttgart: „Die Bayern vertragen keine Härte, und ich bin der erste, der anfängt damit.“ Großartig. Ein verbales Sahnestück, das Legat dann auch konsequent in die Tat umsetzte. Vor dem Bodybuilder zitterten alle Gegenspieler. Wobei der Thorsten nicht mit brutalen Kniescheiben-Angriffen auf sich aufmerksam machte, sondern die anstürmenden Angreifer lieber mit gekonnten Anspannen der oberen Hüftmuskulatur in entferntere Bahnen drängte. Knüppelhart, der Mann mit der Navy-Frisur, ein Bessener, wie er 11Freunde im aktuellen Sonderheft verriet. Legat ließ auch seine Trainerabsichten durchblicken: Nicht zwölf, nein, 25 Legats würden dann bei ihm die Schoner der gegnerischen Weichtüten bearbeiten. Wir freuen uns drauf!

2. Bernd Hollerbach
Spieler aus unteren Leistungsklasse sorgen beim Gegner mit ihren mehr oder weniger passenden Spitznamen meist für Angst und Schrecken schon vor dem ersten Pressschlag. Gegen den Mann mit dem Stiernacken, den alle nur „Schlachter“ nennen, möchte man nun wahrlich nicht den Sonntag-Nachmittag verbringen. Wenn ein Spieler allerdings nicht nur aussieht, wie ein Fleischzerteiler, sondern tatsächlich einer ist, zieht es einem die Buchse noch einmal extra stramm. Bernd Hollerbach, gelernter Metzger, knüppelte sich durch die Bundesliga und langte dabei einige Male so schön derbe hin, dass selbst die eigenen Fans fremdschämend den Blick abwandten und kichernd am Pilsbecher nippten.„Schlachter“ Hollerbach hat seine, liebevoll gesagt, robuste Spielweise über die aktiven Jahre zudem eindrucksvoll dokumentiert: In seinen 350 Partien in erster und zweiter Bundesliga erschrammelte sich Hollerbach souveräne 136 Gelbe Karten und sieben Platzverweise.

3. Michael Schulz
Es muss ein grauenhaftes Bild gewesen sein für alle Stürmer, die sich auf eine fliegende Grätsche von Michael Schulz vorbereiteten: Ein 1,94 Meter großer Polizist mit langen Beinen und wehender Frisur, der sich mit Stollen der Marke ExtraLarge Bein und Leder näherte. Seinen Wechsel 1994 von Borussia Dortmund zur Werder Bremen bedachten die wettergegerbten Jungs von der Weser mit Szenenapplaus, während man beim BVB relativ erleichtert war, das lockige Rasiermesser los zu sein. Schulz ließ es danach noch drei Jahre beim SVW rappeln: Härte statt Eleganz – ein untrügliches Zeichen für die damalige Defensivabteilung der heute so sensibel auftretenden Werderaner, in der ein grobkörniges Mittelfeldschlachtschiff wie Bernhard Trares zwangsweise zum „Fußballgott“ auserkoren wurde

4. Werner Liebrich
Die Nummernjogis der WM-Mannschaft von 1954 werden schon gewusst haben, warum sie ihrem konsequent tretenden Abwehrprügel Werner Liebrich die Rückennummer 10 gaben. Ausgerechnet die Nummer, die heute den zentralsten Spielern übergeben wird. Der Treter als Dreh- und Angelpunkt im Spiel – das wusste Fußball-Onkel Sepp Herberger schon genau, der schlaue Fuchs. Liebrich dankte es ihm und zerlegte die sensiblen Sprunggelenke von Ungarns Fußballwunder Puskas in einer derart beharrlichen Art und Weise, dass der Major im Endspiel eigentlich nur auf einem Bein zelebrieren konnte. Liebrich gilt auch als Godfather der allseits beliebten Grätsche, denn erst er machte aus dem schliddernden Akt eine ausgefeilte Abwehraktion.

5. Horst-Dieter Höttges
Muss in jeder derartigen Liste auftauchen, schließlich absolvierte der „Eisenfuß“ grandiose 420 Bundesligaspiele, kassierte aber, wir reiben uns verwundert die Augen, trotz seines martialischen Spitznamens magere 14 gelbe Kartons. Andere Zeiten, andere Sitten. Denn der knallharte Höttges war seinerzeit ein beliebter Garant für ein zünftiges Fußballspiel, und seine kernigen Aktionen sorgten für kollektives Hüte-Werfen auf den Zuschauerrängen.Schließlich braucht es sympathische Treter, wie die erfolgreichen Jahren seiner Schaffenskraft zeigen: 1965 Deutscher Meister, Europameister 1972, Weltmeister 1974. „Mit mir steigt der SV Werder nicht ab“ verkündete Höttges gerne großspurig – und sollte Recht behalten. Als der „Eisenfuß“ 1978 ging, verabschiedete sich auch die Bremer Defensivstabilität – Bremen stieg in der Saison darauf ab.

---------

Thorsten Legat im Interview www.11freunde.de/bundesligen/102977 >>

Nur Text
Nur Bild
 
 
 
 
 
 
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden