12.12.2012

Die größten Scharfmacher in der Fandebatte

Knüppel aus dem Sack

Rainer Wendt kann einpacken. Die größten Populisten in der Gewaltdebatte sitzen nicht in den Polizeigewerkschaften, sondern in den Innenministerien und Staatskanzleien. Ein Überblick. 

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Uwe Schünemann, Innenminister Niedersachsen

Also sprach Uwe Schünemann, niedersächsischer Innenminister, am 5.Dezember in der Sport-Bild: »Bei einer hohen Gefährdungslage muss es möglich sein, Ganzkörperkontrollen anzuordnen, aber auch den Verkauf sowohl von Steh- als auch von Sitzplätzen massiv einzuschränken. Damit kann das Risiko von Ausschreitungen deutlich reduziert werden.« Was Schünemann vergisst zu erwähnen: Das Oberverwaltungsgericht Saarbrücken hat in diesem Fall Ganzkörperkontrollen »als übermäßigen und unverhältnismäßigen Eingriff in die Intimsphäre« klassifiziert. Die Durchsuchung der Klägerin, die sich bei einem Auswärtsspiel vor dem Stadion entkleiden musste, sei »in ihrem Umfang beziehungsweise in ihrer Intensität rechtlich zu beanstanden«, heißt es im Urteil. Was die Frage aufwirft: Ist es eigentlich Zufall, dass so viele Vorschläge von Innenministern in Bezug auf den Fußball auftauchen, die Juristen als rechtlich bedenklich einstufen – oder hat das Methode? Zumal Schünemann Wiederholungstäter ist. Bereits zwei Mal (2003, 2011) erhielt er den »Big Brother«-Award, verliehen an denjenigen, »der in besonderer Weise und nachhaltig die Privatsphäre von Personen beeinträchtigen«. Die Chancen, dass Schünemann durch den Fußball doch noch den Titel-Hattrick schafft: hoch. Die Chancen, dass Schünemann geltendes Recht berücksichtigt: niedrig.

Lorenz Caffier, Innenminister in Mecklenburg-Vorpommern

Lorenz Caffier, optischer Widergänger von Georg Gafron, formulierte am 31.10.2012 gegenüber der Sportbild: »Die Innenminister erwarten nach wie vor, dass die präventiven Maßnahmen im Profifußball zu 100 Prozent durch den Fußball übernommen werden, sodass die Länder die frei werdenden Präventionsmittel aus der bisherigen Drittel-Finanzierung den Landesligen zur Verfügung stellen können«. Ein geschickter Schachzug, denn so konnten die Teilnehmer der Sicherheitskonferenz am 17. Juli sich damit brüsten, die Zuwendungen für Fan-Projekte würden um 50 Prozent erhöht. In Wirklichkeit gibt es gar nicht mehr Geld für die Fan-Projekte, also für die unmittelbare Gewalt-Prävention. Der Fußball zahlt einfach doppelt so viel, die Politik zieht sich weiter zurück. Allein schon die in der  Pressemitteilung gewählte Formulierung, Kommunen und Länder würden »erheblich entlastet« werden, ist bezeichnend dafür, wie Fan-Projekte und ihre soziale Bedeutung wahrgenommen werden. Besonders rätselhaft: Warum nun ausgerechnet die Landesligen in den Genuss von Mitteln aus dem Landeshaushalt kommen sollen? Warum nicht die anderen Spielklassen? Um es mit Helen Lovejoy zu sagen: Denkt denn hier niemand auch nur einmal an die Verbandsligen?

 
 
 
 
 
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