Die gnadenlosesten Entlassungen im Fußball

Bitte gehen Sie jetzt!

Am Wochenende feuerte Preston North Ends Trainer Graham Westley acht Spieler – per SMS. Hart? Ach, was! Es geht noch viel härter. Lest hier die gnadenlosesten Entlassungen der Fußballgeschichte.

Irgendwas liegt beim englischen Drittligisten Preston North End mächtig im Argen. Am vergangenen Wochenende kam heraus, dass acht Spieler den Verein bis zum Saisonbeginn zu verlassen haben. Sie wurden nicht im Vier-Augen-Gespräch darüber informiert, sondern mit folgender SMS dazu aufgefordert:

»Junge, du bist einer von acht Spielern, von denen ich erwarte, dass sie bis Saisonbeginn den Klub verlassen haben. Ihr nehmt bis dahin an einer speziellen Saisonvorbereitung teil, seid aber vom Training der ersten Mannschaft ausgeschlossen. Nähere Informationen schicke ich zu. Du kannst dich ab nun jederzeit mit möglichen neuen Arbeitgebern treffen. Ich will davor aber bitte über solche Treffen informiert werden. Betrete nicht das Trainingsgelände des Klubs und reise nicht ins Ausland. Es kann sein, dass du am gleichen Tag noch zu einem Transfer-Gespräch berufen wirst. Bis dahin halte dich bitte an den Vorbereitungsplan, der dir ausgehändigt wurde. GW«

GW soll die SMS irgendwann Freitagnacht geschrieben haben. GW steht für Graham Westley. GW ist Trainer von Preston North End und ein außerordentlich harter Hund, heißt es. Schon Ende der vergangenen Saison hatte er 14 Spieler entlassen und sieben weitere auf die Transferliste gesetzt. Wer daran zweifelt, dass Preston North End bei dieser Entlassungsflut noch elf Spieler im Kader hat, sollte wissen: GW kauft auch gerne ein. Angeblich hat er zwischenzeitlich zwölf neue Spieler verpflichtet.

Bezüglich der SMS-Entlassung machen sich die Blogger vornehmlich über GWs Abkürzungen lustig. Im englischen Original verwendet GW für die Worte »before you« etwa die Abkürzung »b4 u«. Und, nun ja, wer »b4 u« schreibt, schreibt vielleicht auch »ROFL« – und ziemlich sicher »LOL«. Die englische Presse indes interessiert der U17-Sprech nicht, sie echauffiert sich vielmehr über die Art und Weise der Entlassung. Nun darf man sich ein wenig über die Hysterie wundern, denn der Fußball im Allgemeinen und die Insel im Speziellen kennt solch groteske Entlassungsszenarien zu genüge.

Erinnern wir uns nur an Martin Jol, zwischen 2004 und 2007 Trainer bei Tottenham Hotspur. Dem Niederländer wurde im Oktober 2007 während des Uefa-Cup-Spiels gegen den FC Getafe gekündigt. Interessante Fußnote: Jol wurde erst nach der Partie offiziell darüber in Kenntnis gesetzt, obwohl sich bereits im Laufe der zweiten Halbzeit das Gerücht über seine Kündigung im Stadion verbreitet hatte. Der »Guardian« berichtete allerdings später, dass Jol schon während des Spiels davon Wind bekam, weil er auf dem Handy des Ersatzspielers die Meldung über seine Kündigung erspähte. Demütigung für Fortgeschrittene. Nach dem Spiel tobte Jol verständlicherweise durch das Büro des Vorstandes. Dieser hatte keine wirklich guten Argumente, er hatte sich schließlich in den Monaten zuvor mehrere Fehltritte geleistet. Der Klub hatte etwa im August mit Trainer Juande Ramos verhandelt. Dummerweise wurden die Vorstandsherren dabei beobachtet.

Doch auch in anderen Ländern ist der Fußball erbarmungslos und unpersönlich. In Italien ereilte Trainer Daniele Carassai vom italienischen Drittligisten Piacenza Calcio im Februar 2003 seine Entlassung ebenfalls per SMS. Carassais Verwunderung war besonders groß, schließlich war er erst zwei Wochen zuvor eingestellt worden. Piacenzas Präsident sah allerdings keinen Grund, sich für diese Art der Kündigung zu entschuldigen. Im Gegenteil. Wenig später sagte er: »Ich dachte, dies sei eine besonders freundliche Art, ihm seine Entlassung mitzuteilen.«

Auch im Bürokratie-Vorzeigeland Deutschland läuft nicht immer alles so, wie sich die Formblatt-Erfinder das einst vorgestellt haben. Erkenschwicks Trainer Stefan Blank erhielt etwa seine Kündigung im Mai 2011 per E-Mail. Überflüssig, könnte man meinen, schließlich wollte er zum Saisonende eh kündigen. Betroffen machen auch Erinnerungen an die Entlassungen von Arie van Lent oder Toni Schumacher. Über die Entlassung des Niederländers wurde einst zehn Minuten vor Ende einer Partie beraten, in der 82. Minute wurde der Manager informiert, in der 90. Minute schließlich Arie van Lent. Schumacher indes wurde als Trainer von Fortuna Köln schon in der Halbzeit geschasst. Geldgeber Jean Löring tauchte bei einem Spiel gegen Waldhof Mannheim (Halbzeitstand 0:2) wütend in der Kabine auf und schnaubte: »Raus hier! Du hast hier nichts mehr zu sagen.« Später rechtfertigte sich Löring: »Ich als Verein musste doch reagieren.«

Und auch bei Friedhelm Funkel fand die Kündigung gar nicht ordentlich statt: Der Trainer erfuhr im April 2012 von seiner Kündigung bei Alemannia Aachen per Telefon. »Wir mussten etwas unternehmen. Die Tendenz der letzten Spiele war einfach zu negativ«, sagte Aachens Sportdirektor Erik Meijer damals. Funkel empörte sich: »Es ist stillos, dass es am Telefon geschieht. Ich kenne das hier so nicht.«

Denn eigentlich ist das eine Sache, die Deutsche bis dahin nur aus der Ferne kannten. Aus Afrika oder Asien zum Beispiel. Winfried Schäfer bekam seine Freistellung als kamerunischer Nationaltrainer einst zugefaxt. Michael Feichtenbeiner erhielt beim malaiischen Hauptstadtklub Selangor MPPJ seine Entlassung per SMS. Das Absurde: Er hatte den Verein zunächst vor dem Abstieg gerettet und danach an die Tabellenspitze der nationalen Liga geführt. Das Management von Selangor teilte ihm allerdings mit, dass man eine Taktik-Umstellung beschlossen habe und Feichtenbeiner nicht zutraue, diese dem Team zu vermitteln.

Fußball, du riesiger Schlund, du großes Haifischbecken, du gierige Bestie. Doch natürlich geht es immer weiter. Selbst bei Preston North End. Der erste der acht SMS-Opfer hat sogar schon einen neuen Verein gefunden: Paul Parry ‎wurde von Shrewsbury Town verpflichtet. Ein anderer, Richard Wright, ehemals Nationaltorwart Englands, hatte indes schon wenige Tage vor GWs Rundumschlag reagiert. Er kündigte seinen Einjahresvertrag bereits eine Woche nach der Unterzeichnung. Als Grund gab er Heimweh an.

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