Die Geschichte von Zlatan Ibrahimovic

»Ich bin der Größte. Hinter Ali«

Er ist noch immer das größte Spektakel im Weltfußball: Wenn Bayer Leverkusen heute gegen Paris St. Germain antritt, dann heißt der Gegner eigentlich Zlatan Ibrahimovic. Das Portrait eines Fußballers, der ein Phänomen ist.

imago
Heft: #
136

Der Parkanweiser kann es nicht fassen: Was zum Teufel macht der verdammte Lieferwagen hier? Niemand darf hier fahren! Niemand! Außer Zlatan Ibrahimovic.

»Weg! Weg!«, ruft der Parkanweiser, winkt und fuchtelt. »Weg! Sofort!« Gleich wird der Megastar von Paris Saint-Germain, der gerade einen Sponsorentermin wahrgenommen hat, in seinem orangefarbenen Lamborghini diesen Straßentunnel hinunterheizen wollen, zurück in seine Hotelsuite, die 3000 Euro pro Nacht kostet, er muss sich ausruhen, von null auf hundert in knapp vier Sekunden. Kein Platz für Lieferwagen! Freie Bahn für Ibrahimovic!

Was, wenn Zlatan Ibrahimovic jetzt nicht durchstarten kann?

»Weg! Sofort!« Der arme Fahrer, der nur sein Gemüse ausliefern will und offenbar nicht weiß, dass er sich auf einer Startrampe für futuristische Boliden befindet, legt panisch den Rückwärtsgang ein. Doch er kommt nur zehn Meter weit, dann rammt er einen parkenden Mercedes. Die Stoßstange bricht ab, die Alarmanlage heult, dem Parkanweiser, der es doch nur richtig machen wollte, entgleitet alles. Eben noch dem Lieferwagen hinterherhastend, steht er schwer atmend da und schlägt die Hände überm Kopf zusammen. Was, wenn Zlatan Ibrahimovic jetzt nicht durchstarten kann?

Nun sind in Pariser Straßentunneln weiß Gott schon schlimmere Dinge passiert. Und doch ist die Szene eine Metapher für die Hysterie, die dieser »Ibra« überall auslöst, wo er sich zeigt. Oder soll man sagen: wo er erscheint?

Zehntausende kamen zum Eiffelturm, als er dort im Juli 2012 nach dem Wechsel vom AC Mailand mit dem Trikot von PSG posierte. Eine Epiphanie im Transferfenster. »Géant«, titelte die französische Sportzeitung »L’Equipe« auf Seite 1 – »Riesig«.

»Qualität hat nun mal ihren Preis.«

Riesig sind auch die Summen, die bei diesem Deal umgesetzt werden: Mit einem Jahresgehalt von 15 Millionen Euro verdient Ibrahimovic in einer Stunde mehr als der Parkanweiser und der Gemüsehändler zusammen im Monat. In einem Radiointerview kritisierte der Haushaltsminister Jérôme Cahuzac das als »unanständig«. Ibrahimovic konterte: »Qualität hat nun mal ihren Preis.«

Seine Großspurigkeit ist längst integraler Bestandteil der Corporate Identity im Unternehmen »Zlatan«. Seit Juniorenzeiten suhlt sich der Schwede in der Rolle des renitenten Arschlochs. Als er noch in Malmö spielte, kam er in die Schlagzeilen, weil er sich in einer Partynacht als verdeckter Ermittler ausgab und Discobesucher auf Drogen filzte. Bei Ajax Amsterdam unterhielt er einen Kleinkrieg mit Rafael van der Vaart, den er für einen Softie hielt (»Goldjüngelchen«). Ein Länderspiel gegen die Niederlande nutzte er, um den Kollegen über die Außenlinie zu grätschen, so dass dieser für zwei Ligaspiele außer Gefecht gesetzt war. Als die Presse ihm Vorsatz unterstellte, entschuldigte er sich bei Van der Vaart, allerdings mit dem Hinweis, es habe sich bei seinem Tackling nicht mal um »internationale Härte« gehandelt. Weil der Niederländer nicht aufhörte, die Angelegenheit zu thematisieren, weigerte Ibrahimovic sich schließlich, mit ihm zusammenzuspielen. Und fachte damit ein Scharmützel mit Ajax-Sportdirektor Louis van Gaal an. Es war der Anfang vom Ende seiner Zeit in Amsterdam.

Die Konfrontation mit allem und jedem scheint Zlatan Ibrahimovic zu beflügeln. Als sei die Auseinandersetzung – wenn es sein muss, auch die körperliche – seine Art, mit dem Leben zurechtzukommen. Er wuchs in Rosengard auf, einer tristen Sozialbausiedlung mit hohem Ausländeranteil in der Peripherie von Malmö. Seine kroatische Mutter heiratete seinen bosnischen Vater nur, damit dieser eine Aufenthaltsgenehmigung erhielt. Die Eltern trennten sich, als Zlatan zwei Jahre alt war. Die Mutter verdiente ihren Lebensunterhalt mit Hehlerei, sie litt unter Verfolgungswahn und Depressionen. Bald übernahm der Vater das Sorgerecht. Doch richtig kümmern konnte auch er sich nicht. Meistens lag er betrunken auf dem Sofa und schaute Filme mit Bruce Lee und Jackie Chan. Die Halbschwester nahm Drogen, der Kühlschrank war immer leer.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!