18.02.2014

Die Geschichte von Zlatan Ibrahimovic

»Ich bin der Größte. Hinter Ali«

Seite 3/5: Zlatan und Mino
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imago

Wer ihn daran zu hindern versucht, wird abgekanzelt: Louis van Gaal nennt er einen »aufgeblasenen Arsch«, Jonathan Zebina kassierte von ihm »völlig zurecht« eine Kopfnuss, und Lionel Messi, Andres Iniesta und Xavi sind nur wenig mehr als eine Bande von Strebern. Auch sein Urteil in der Frage, wer gegenwärtig der beste Trainer der Welt sei, fällt eindeutig aus: »Während Mourinho den Raum aufhellt, wenn er ihn betritt, zieht Guardiola die Vorhänge zu.«

Die Biografie langweilt nicht mit Sentimentalitäten. Ein Einzelgänger von der Sorte Ibrahimovics hat sich noch nie Gedanken über Konsequenzen seines Handelns gemacht. Die Frage, ob ihm einige seiner Injurien die Perspektive auf Anschlussjobs im Fußballbusiness nach dem Karriereende verbauen, stellt er sich erst gar nicht. Das Leben ist für ihn ein immerwährender Zweikampf mit wechselnden Gegnern.

Mein Berater, ein Mafioso

Als er vor zehn Jahren einen Berater suchte, schlug ihm ein befreundeter Journalist zwei Alternativen vor. Journalist: »Es gibt diese Agentur, bei der David Beckham ist.« Ibrahimovic: »Aha, und wer fällt dir sonst noch ein?« Journalist: »Es gibt da diesen Italiener, der Pavel Nedved managt. Alle sagen, der Mann sei ein Mafioso …« Ibrahimovic: »Klingt gut, kannst du ein Treffen organisieren?« Journalist: »Ich habe befürchtet, dass du so reagieren würdest.«

Er begab sich also in die Hände von ebenjenem Carmine »Mino« Raiola. Der Süditaliener läuft zu Geschäftsterminen gern in T-Shirt und Dreiviertelhose auf, und wenn er der Überzeugung ist, dass sein Klient ein Vertragsverhältnis beenden sollte, kennt er Mittel und Wege, wie der Verein ihn vorzeitig freigibt. Wie Ibrahimovic bevorzugt auch er den Weg durch die Wand. Beide eint die Vergangenheit als diskriminierte Migrantenkinder. Nach dem Umzug der Eltern aus dem armen Salerno wuchs Raiola im niederländischen Haarlem auf. Im Zuge des italienischen Fußballskandals 2006 wurden Telefonate zwischen Juve-Manager Luciano Moggi und Raiola öffentlich, die deutlich machen, wie er den Wechsel von Amsterdam zu Juventus forcierte: »Morgen bleibt Zlatan den ganzen Tag zu Hause, ich schicke ihn nicht zum Training. Ich habe um 12 Uhr ein Treffen mit den Ajax-Verantwortlichen, komme aber erst um 14 Uhr. Mach dir keine Sorgen, wir bringen ihn nach Turin.«

Am Anfang seiner Laufbahn hatte Ibrahimovic noch auf die Hilfe eines Beraters verzichtet. Malmös Sportdirektor Hasse Borg nahm ihn unter seine Fittiche – und riet ihm von einem Agenten ab. Nicht ohne Hintergedanken: Als im Frühjahr 2001 ein Angebot von Ajax Amsterdam eintrudelte, verhandelte er zunächst für Ibrahimovic über sein Gehalt in den Niederlanden. Erst als dieser bei 20 000 Euro Monatslohn und einem Mercedes-Dienstwagen freudestrahlend zusagte, wandte sich Borg an die Ajax-Bosse – und schlug die bislang höchste Transfersumme in der Geschichte des schwedischen Fußballs heraus: 85 Millionen Kronen, rund 10 Millionen Euro.

Wie ein Stück Vieh

Als Ibrahimovic Wind davon bekam, wie weit unter Wert er sich verkauft hatte, zerbrach etwas in ihm. In Hasse Borg hatte er bis dato einen Ersatzvater gesehen. Ausgerechnet er – der leise Schwede – hatte ihn wie ein Stück Vieh verhökert.

Raiola, dem Italiener in den kurzen Hosen, ist es seither gelungen, seinen Klienten zum bestbezahlten Profi der Welt zu machen. Seine Finanzen kennt Ibrahimovic inzwischen auf den Euro genau. Niemand soll ihn je wieder abzocken. Auf die Frage, wie er sich im gehobenen Profialter eigentlich fühle, antwortet er: »Was soll ich sagen: wie 20! Sonst sinkt ja mein Marktwert.« Der Luxus, den er in vollen Zügen genießt, macht schließlich mordsmäßig Spaß. Er schwärmt für Sportwagen, die Lamborghinis, Ferraris, Porsches – und den »Merc«, den Mercedes SL seiner elf Jahre älteren Frau Helena. Die beiden haben sich über ihre gemeinsame Schwäche für Nobelkarossen kennen und lieben gelernt. Wenn Herr Ibrahimovic romantisch sein will, nennt er Frau Ibrahimovic »meine Superevilbitchdeluxe« – und zieht dabei die Augenbraue nach oben. Als das Ehepaar im Sommer nach Paris kam, witzelte der Angreifer: »Wir suchen gerade nach einem Haus. Aber wenn wir nichts finden, mein Gott, dann kaufe ich halt einfach das Hotel.«

 
 
 
 
 
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