18.02.2014

Die Geschichte von Zlatan Ibrahimovic

»Ich bin der Größte. Hinter Ali«

Seite 2/5: Eine Kindheit als Kleinkrimineller
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imago

Schon der sechsjährige Zlatan verdingte sich als Kleinkrimineller, stahl Fahrräder. Heute sagt er, wenn es für ihn nicht zum Profi gereicht hätte, wäre er wohl ein Ganove geworden. Sein einstiger Schulleiter berichtete unlängst in einem Interview, der Junge habe zu den aufsässigsten Kindern gehört, die er in dreißig Jahren Berufsleben getroffen habe. Das personifizierte Klischee des vernachlässigten Migrantenkindes.

Ibrahimovic lernte früh, dass er beim Lösen seiner Probleme auf sich allein gestellt ist. Als Fußballer agierte er entsprechend eigensinnig. Seine gediegene Technik lernte er auf dem Bolzplatz, wo er anderen Kindern Geld versprach, sollten sie es schaffen, ihm den Ball vom Fuß zu spitzeln. Wusste er doch: Das schafft sowieso keiner. Keinen Satz hörte er damals öfter als: »Spiel ab, Zlatan, spiel ab!« Die Eltern seiner Mannschaftskameraden forderten seinen Ausschluss aus dem Team. Nicht zuletzt auch deshalb, weil er bei fast jeder Aktion wie ein balkanesischer Bierkutscher fluchte.

Schwestern »von hinten ficken«

Henrik Rydström, Literaturwissenschaftler und Profi beim schwedischen Erstligisten Kalmar FF, erinnert sich, wie er den 1,95-Meter-Schlaks Ende der neunziger Jahre bei einem Hallenturnier erlebte. Gerade 18 Jahre alt geworden, giftete Ibrahimovic jeden an, der ihm in die Quere kam. Wütend palaverte er vor sich hin, wünschte Widersacher in die Hölle und deren Schwestern in sein Schlafzimmer, wo er sie – Zitat – »von hinten ficken« wolle. »Es ist seine Art, sich zu motivieren. Man darf das alles nicht so ernst nehmen«, sagt Rydström. Er und seine Teamkameraden hätten sich jedenfalls köstlich über das Repertoire an Schimpfwörtern amüsiert, mit dem dieses absonderliche Riesenbaby aus Malmö da aufgelaufen war.

Sein loses Mundwerk hat Ibrahimovic sich bewahrt. Das Gerede dient dazu, sich der eigenen Stärke zu versichern und den Gegner aus dem Konzept zu bringen. Wenn auch nicht ganz auf dessen intellektuellem Niveau, so hat er diese Masche doch seinem großen Idol Muhammad Ali abgeschaut, dessen Kämpfe er als Kind mit seinem Vater oft sah. »Ali hat mich gelehrt, was es heißt, seinen Mann zu stehen«, sagt er, »man selbst zu bleiben – auch gegen Widerstände.«

Obwohl er Mannschaftssportler ist, geht er in der Rolle des einsamen Fighters auf. In seiner Freizeit betreibt er Taekwondo. Das Kampfsporttraining bewahrt ihm trotz seiner Kantigkeit auch jenseits der 30 noch eine erstaunliche Katzenhaftigkeit. Den Ball über dem Kopf mit dem Fuß anzunehmen, ist nur einer von vielen Tricks aus der Zauberkiste von »Ibracadabra«. Darauf, den Gegner auf die Bretter zu schicken, muss er jedoch verzichten. »Manchmal wünschte ich«, erklärt er, »Boxen wäre Teil des Fußballs. So aber muss ich mich zusammenreißen.«

Jeder siebte Schwede hat seine Biografie im Regal stehen

In 15 Profijahren ist der Schwede trotzdem mit so ziemlich jedem Global Player des Fußballs in den Infight gegangen – zumindest den verbalen. Im Dezember 2011 erschien seine Autobiografie »Ich bin Zlatan«. 700.000 Exemplare wurden in seinem Heimatland verkauft, jeder siebte Schwede hat das Buch im Regal. Als Erzähler wechselt Ibrahimovic darin ständig zwischen zwei Rollen: der des bilanzierenden Routiniers und der des jungenhaften Dickschädels, der mit dem Kopf durch die Wand will. Einerseits blickt er mit einem ironischen Schmunzeln auf den Wahnsinn, den er mit seiner Exzentrik im Fußballbiz ständig anzettelt. Andererseits ist er auf seltsame Weise gefangen in diesem Leben, in dem es dauernd um ihn herum knallt. Ein Buch über einen Menschen, der überzeugt ist, nur einer höheren Bestimmung zu folgen: Am Ende der Sieger zu sein.

 
 
 
 
 
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