15.09.2012

Die Geschichte der Spanier in der Bundesliga

Vamos a Alemania!

Seite 2/3: Ein bisschen Barça für jedermann
Text:
Dominik Bardow
Bild:
Imago

Vor allem aber war Moar der bisher erste und einzige spanische Manager in der Bundesliga. Für Deportivo La Coruña scoutete er vor zehn Jahren Gegner Bayer Leverkusen, als er in einem Hotel mit Ralf Rangnick ins Gespräch kam. Als Kind hatte Moar elf Jahre in Lippstadt verbracht, er spricht bis heute fließend Deutsch. Rangnick schlug Moar vor, mit ihm in Hannover zu arbeiten. Der globale Fußball ist auch geprägt von Zufällen.

Neuzugänge kamen damals woanders her. Deutsche Trainer holten Spieler, die zu ihrer Philosophie passten: Nord- und Osteuropäer. Als Solist für die Kunst oft einen Brasilianer, aber da war das Risiko hoch. Die Deutschen, meint Moar, »suchen den direkten Weg zum Tor, mit schnellen, athletischen Spieler, aber denen fehlt das, was die Spanier haben: Passpräzision und Kombinationsfreude«.

Doch in Hannover arbeitete er mit Rangnick und Mirko Slomka, zwei Trainern, die feinen Fußball schätzen. »Als Ralf sagte, er suche einen Spieler, der dem Offensivspiel Profil gibt, dachte ich sofort an Jaime«, sagt Moar. »Dass er kein guter Verteidiger war und kein großer Läufer, war nicht so wichtig.« Jaime und seine Mitspieler Fernando und José Manuel, ebenfalls aus La Coruña, waren die ersten Spanier in der Bundesliga, wo es zuvor nur Halbspanier wie Francisco Copado oder Thomas Christiansen gab. Mit Jaime im Mittelfeld wurde der Aufsteiger für sein Offensivspiel gefeiert, auch wenn Hannover die drittmeisten Gegentore kassierte, was zeigt, dass Verteidigen und Laufen durchaus noch Tugenden sind.

Für die frühere körperliche Unterlegenheit hat Moar eine einfache Erklärung. »In Deutschland hatte ich als Kind richtigen Sportunterricht«, erinnert er sich, „zurück in Spanien war es in der Diktatur wichtiger, Lieder für Franco zu singen.«

Längst haben die Spanier, wie die meisten Nationen, physisch aufgeholt. Nun sucht man das gewisse Extra an Technik und Siegeswillen. Dass Spanier davon extra viel haben, zeigen die Erfolge der Nationalelf oder Barcelonas. »Natürlich fragen sich die Verantwortlichen, warum das funktioniert, und wollen das auch«, sagt Moar. Also holt man sich einen oder zwei Spieler als Ergänzung des Spielstils dazu. Ein bisschen Barça für jedermann quasi. Dass Erfolge anderer ein wenig neidisch und gierig machen, zeigt sich an vielen Beispielen. Etwa als nach dem WM-Titel 2006 Italiener wie Luca Toni in die Liga kamen. Oder nach Dortmunds Erfolg mit Shinji Kagawa Japaner. Das gewisse Extra aus Südamerika ist dagegen nach vielen Flops aus der Mode. »Es gibt für alles rationale Gründe«, sagt Moar. Aber im Milliardengeschäft Fußball gehe es auch um Emotionen, »die verbinden alle, Verantwortliche, Trainer, Fans«.

Max Eberl sieht das etwas nüchterner. »Klar gibt es Vorreitertransfers und Trendbewegungen«, sagt Mönchengladbachs Manager. Doch der Fußball ist längst vernetzt. Weltweit wird bei Turnieren gescoutet, weiße Flecken gibt es nicht mehr auf der Karte. Letztlich funktioniert auch der Transfermarkt durch Nachfrage und Angebot. »Vor zehn, fünfzehn Jahren waren keine Spanier für deutsche Klubs zu haben«, sagt Eberl. Die Spieler hätten sich gefragt: Was soll ich da? Wenig Geld, schlechtes Wetter, und der Fußball passt nicht zu mir. Und bei all ihrem Talent »war vieles Selbstzweck, im Abschluss fehlte noch die Gier nach Erfolg«.

 
 
 
 
 
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