Die Geschichte der Bayern-Flops
27.02.2011

Die Geschichte der Bayern-Flops

Die Ahnen des Poldi

»Ich würde nie zum FC Bayern München gehen«, ließen die Toten Hosen einst verlauten. Inzwischen würde dies auch Lukas Podolski unterschreiben. Das Scheitern hat in München Geschichte, wie folgende Beispiele beweisen.

Text:
Mathias Ehlers und Marco Weber
Bild:
imago

Kalle Del'Haye (1980-1985): Für ihn überwies Hoeneß 1,3 Millionen Mark nach Gladbach und begründete damit die Tradition, Spieler zu kaufen, um Gegner zu schwächen. In fünf Jahren erzielte der Stürmer sieben Tore, macht rund 186000 Mark pro Treffer. Nach dem Karriereknick reichte es dann nur noch für Verträge in Düsseldorf und Aachen.





Radmilo Mihajlovic (1989-1991): Einen völligen Fehlgriff leistete sich der FCB mit der Verpflichtung des serbischen Stürmers, den man von Dinamo Zagreb loseiste. Trotzdem ist mit diesem Spieler eine der größten Leistungen von Uli Hoeneß verbunden, als er es schaffte, den Vier-Tore-Mann nach 18 Monaten für sage und schreibe drei Millionen Mark an Schalke zu verscherbeln.



Alan McInally (1989-1992): »Mic & Mac« alias Mihajlovic und McInally sollten anno 1989 die Zukunft des FC Bayern sein. Nach einem viel versprechendem Start (zusammen erzielten sie alle drei Treffer beim Auftaktsieg gegen den 1.FC Nürnberg) ging es für beide bergab und Roland Wohlfarth  holte sich seinen Stammplatz zurück.

Michael Sternkopf (1990-1995): Mit dem damaligen Karlsruher begannen die Bayern ihren jährlichen Einkaufsbummel beim KSC. Ihm folgten Mehmet Scholl, Oliver Kahn oder Torsten Fink. Böse Zungen behaupten, man habe ihn nur wegen seiner Fähigkeiten als Bravo-Coverboy verpflichtet. Fünf Jahre später nach Mönchengladbach abgeschoben.

Thomas Berthold (1991-1993): Kam als Weltmeister vom AS Rom. Nutzte die Zeit beim Rekordmeister, um sein Handicap zu verbessern. Nachdem ihm die Golflust verging, erlebte er  seinen zweiten Frühling beim VfB Stuttgart, wo er sogar noch in den 94er WM-Kader rutschte.

Waldemar Aureliano Mazinho (1991-1994): Kam, um mit seinem Kollegen Bernardo die Bundesliga zu erobern. Einer passablen ersten Saison folgten schwache Jahre mit konstanter Torflaute, darf sich aber immerhin deutscher Meister 1994 nennen. Hatte anschließend gute Jahre in Japan.

Fernando da Silva Bernardo (1991): Nur wenige Monate hielt es der Millionen-Neuzugang aus Sao Paolo in der bayrischen Metropole aus. Nach nur vier Bundesliga-Einsätzen übermannte ihn das Heimweh und er ließ seinen Landsmann Mazinho zurück.

Adolfo Valencia (1993-1994): »El Tren« (»Der Zug«) war der erste Kolumbianer in Diensten des FCB. Erzielte zwar ordentliche elf Treffer in 26 Spielen, machte aber größere Schlagzeilen, weil er lieber in der Badewanne blieb, als zum Deutschunterricht zu gehen. Nach einem Jahr zu Atlético Madrid weitergereicht. Dank der Bayern-Classics füllt er im DSF noch immer jede Winterpause.

Jean-Pierre Papin (1994-1996): Der Wechsel des Seitfallzieherspezialisten war Uli Hoeneß 5,5 Millionen Mark wert. Allerdings hatte Frankreichs Superstar der frühen 90er seinen Zenit bereits weit hinter sich gelassen und konnte in München nie an die Leistungen anknüpfen, die ihn 1991 zu Europas Fussballer des Jahres machten. Viel nachhaltiger war seine Rolle als Spottobjekt in Olli Dittrichs Beckenbauer-Parodie. Startete jüngst elf Jahre nach seinem Rücktritt ein Comeback bei AS Facture Biganos Boïen.

Alain Sutter (1994-1995): Eine starke Saison in Nürnberg machte den Schweizer für den FC Bayern interessant, bereits ein Jahr darauf endete aber der Wille zu einer weiteren Zusammenarbeit. Der SC Freiburg griff zu und Sutter wurde zum Vorlagengeber von »Knipser« Harry Decheiver.

Emil Kostadinov (1995-1996): Als es sich in der Bundesliga schickte, Bulgaren zu verpflichten, konnte auch der FC Bayern nicht widerstehen. Aus Porto holte man Emil Kostadinov, einen der Leistungsträger der Nationalelf, die kurz zuvor die WM in den USA aufmischte. Bei den Bayern lief es weniger gut. Nach 18 Monaten verschwand er lautlos in die Türkei. Tauchte Jahre später für 4 Zweitligaspiele in Mainz auf.

Andreas Herzog (1995-1996): Kam im Paket mit „König Otto“ Rehagel aus Bremen an die Isar, wo Hoeneß ein »Dream Team« zusammenstellen wollte. Von Olli Kahn wachgerüttelt, wurde dem Österreicher nach nur zwölf Monaten klar, dass seine Zukunft in der Vergangenheit liegt und kehrte zu Werder zurück.

Otto Rehagel (1995-1996): »Otto find ich gut,« hieß es im Sommer 1995 an der Säbener Straße. Kein Geringerer als König Otto wurde als Nachfolger für Giovanni Trapattoni verpflichtet. Nach 14 erfolgreichen Jahren in Bremen bot ihm der Branchenprimus eine neue Herausforderung. Von der Münchener Medienlandschaft überfordert, wurde ihm eine Heimniederlage gegen Hansa Rostock zum Verhängnis. Kaiser Franz übernahm und holte den UEFA-Cup.

Ruggiero Rizzitelli (1996-1998): Der erste Italiener, der von der Serie A in die Bundesliga   wechselte, verbrachte zwei Jahre in München. Die hohen Erwartungen konnte er nie ganz erfüllen, schmetterte aber anlässlich der 97er Meisterschaft überzeugend »Volare« auf dem Rathausbalkon.

Ali Daei (1998-1999): Der Iraner empfahl sich in Bielefeld, wo die Bayern auf ihn aufmerksam wurden und ihn Kaiserslautern für 2,5 Millionen Mark vor der Nase wegschnappten. Er erlebte eine historische Saison, in der das Triple nur knapp verfehlt wurde. Daeis Beitrag war allerdings gering, so dass ihn Uli Hoeneß nach nur einer Saison an Bruder Dieter weiterreichte.

Pablo Thiam (2001-2003): Der Diplomatensohn überzeugte beim VfB Stuttgart und ließ sich 2001 zu einem Wechsel nach München hinreißen. Bei den Schwaben noch Führungsspieler, kam er bei den Bayern nie über die Rolle des Bankdrückers hinaus. In der Winterpause 02/03 ging er für eine Million Euro nach Wolfsburg, wo er an Stuttgarter Zeiten anknüpfen konnte.

Sebastian Deisler (2002-2007): Mit einem Millionen-Handgeld lockte der FCB in Deisler auch das größte Talent seiner Generation nach München. War Deisler fit, stimmte auch seine Leistung, allerdings war er nur selten fit. Erregte Aufsehen, als er sich wegen Depressionen behandeln ließ. Mit 27 Jahren frühzeitiges Karriereende.

Tobias Rau (2003-2005): Galt im Jahr 2003 als großes Talent, war Stammspieler in Wolfsburg und schaffte mit 21 den Sprung in die Nationalelf. Er wagte den Sprung zu den Bayern und ging damit baden. Geplagt von vielen Verletzungen brachte er es in zwei Jahren auf nur 13 Einsätze und wollte anschließend in Bielefeld neu beginnen, wurde aber auch dort bislang kein Stammspieler und eine Meisterschaft mit der Arminia ist wahrscheinlicher als eine Rückkehr in die Nationalelf.

Andreas Görlitz (2004-2007): Er schaffte beim Lokalrivalen 1860 den Sprung in Bundesliga. Nachdem Abstieg musste er verkauft werden und ging den verbotenen Weg von den Löwen zu den Bayern. Nach einem guten Start schaffte er es sogar in die Nationalelf, kurze Zeit später begann jedoch die große Leidenszeit des Hobbymusikers. Nach einer zweijährigen Verletzungspause nun beim KSC auf der Suche nach alter Form.

Ali Karimi (2005-2007): Asien Fussballer des Jahres 2004 war  der Wunschspieler von Trainer Felix Magath. Angekündigt als Haken schlagender Dribbelgott, war er dem Tempo der Bundesliga nicht gewachsen und verließ die Bayern heimlich, still und leise in Richtung Katar.

Vahid Hashemian (2005-2006): In Bochum liebevoll «Hubschrauber« genannt, schoss und köpfte der für sein Sprungstärke bekannte Iraner den VFL mit 16 Treffern in den UEFA-Cup. Uli Hoeneß griff anschließend zu, und Hashemian sollte nun in der Champions League auf Torejagd gehen. Konnte sich niemand so recht vorstellen, klappte auch nicht. Torlos verließ er die Bayern nach nur einer Saison in Richtung Hannover.

Valérien Ismaël (2005-2007): Einer der Garanten für Werders Double 2004. Zählte zu den besten Verteidigern der Liga, als die Bayern für ihn 8,5 Mio. Euro nach Bremen überwiesen.  Nach einer durchwachsenen ersten Saison für den FCB brach er sich 2006 Schien- und  Wadenbein. Über sechs Monaten Pause folgten, danach kam er nie mehr in Tritt. Nur noch 200.000 Euro musste Hannover im letzten Winter für ihn zahlen, wo es für bis jetzt auch nicht wesentlich besser lief.

Jan Schlaudraff  (2007-2008): Die Schwergewichte der Liga jagten ihn, nachdem er die Bayern mit einem Zuckertor aus dem Pokal schoss. Uli Hoeneß ließ die Muskeln spielen und nahm den Nationalspieler unter Vertrag. War in München völlig chancenlos, ging mit seinem Wechsel nach Hannover einen Schritt zurück, um zwei nach vorn machen zu können.

Breno (seit 2008): Auch Juve und Real jagten das als neuer Lucio gepriesene angebliche Riesentalent - dummerweise bekamen ihn die Bayern. Wahnsinnige zwölf Millionen Euro zahlten sie für den Brasilianer, laut Rummenigge «eine Verpflichtung für die Zukunft«. Diesen Worten folgten zwei Bundesligaeinsätze in zwölf Monaten. Noch kann der ultimative Leistungssprung kommen, bis dahin kann man ihn getrost als Fehleinkauf abstempeln.

José Ernesto Sosa (seit 2007): Seit 2006 war Hoeneß an ihm dran, ein Jahr später bekam er ihn dann endlich. Sechs Millionen hat er gekostet, gebracht er bis jetzt noch nicht viel. Wie Breno wartet er auf den Durchbruch, schmort dabei aber meistens auf der Bank. 

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