13.07.2013

Die Fußballrevolutionäre George Eastham und Jean-Marc Bosman

Arbeiterkämpfer

Seite 2/4: Diese Ähnlichkeit mit Kirk Douglas
Text:
Uli Hesse
Bild:
Imago

Eastham hingegen wurde in den Fußball geradezu hineingeboren. Sein Onkel spielte 23 Jahre lang als Profi in den ersten drei Ligen, sein Vater bestritt sogar ein Länderspiel und war später als Trainer tätig, unter anderem bei dem kleinen nordirischen Klub, in dem Eastham in den Fünfzigern mit dem Fußball begann. Für Eastham war Fußball kein Traum, sondern einfach ein Job, der gewisse Vorteile bot. »Erst wurde ich auf einer kalten Baustelle in Irland zum Tischler ausgebildet«, sagte er vor einigen Jahren der BBC. »Dann habe ich in Belfast Maschinenschlosser gelernt. Ich stand um sechs Uhr morgens auf, kam um sechs Uhr abends zurück und ging dann zum Training. Deshalb war ich sehr erfreut, als ich 1956 das Angebot bekam, als Profi nach Newcastle zu gehen.« Auch darum war Eastham der richtige Mann zur richtigen Zeit, bloß am falschen Ort.

Der Ort war Newcastle. Eastham genoss seine ersten Jahre dort, aber dann gab es ein Problem. »Ich bat den Verein, mir einen Nebenjob zu suchen«, sagt er heute. »Da wir nachmittags nicht trainierten, hätte ich in dieser Zeit arbeiten können, um mir etwas dazuzuverdienen. Damals waren 20 Pfund nicht viel.« Diese Summe – 20 britische Pfund pro Woche – war die Obergrenze dessen, was ein englischer Profi im Jahre 1960 verdienen durfte. Damit kamen die Top-Stars auf ein Gehalt, das deutlich, aber nicht dramatisch über dem englischen Durchschnittseinkommen lag, das zu jener Zeit 14 Pfund pro Woche betrug (während der spielfreien Sommermonate bekamen die Fußballer allerdings nicht den vollen Lohn). Die Deckelung der Gehälter war um die Jahrhundertwende eingeführt worden, um zu verhindern, dass die reichen Klubs den ärmeren alle guten Spieler abluchsten. Diesem Zweck diente auch eine noch ältere Regel, deren Auswirkung größer war als die Beschränkung der Gehälter: das berüchtigte »Retain and Transfer«-System.

Berufsausübung in den Händen der Klubs

Der erste Teil dieses Ausdrucks – »retain«, also: einbehalten – erklärt im Grunde schon, worum es geht. Schloss sich ein Spieler zum ersten Mal einem Profiverein an, so ging damit zugleich die Spielerlaubnis des betreffenden Fußballers in den Besitz dieses Vereins über. Lief der Vertrag aus und einigten sich Verein und Spieler nicht auf eine Verlängerung, dann konnte zwar der Verein dem Spieler seine Spielerlaubnis zurückgeben ... er durfte sie aber auch einfach einbehalten. Mit anderen Worten: Ein Klub konnte es einem Spieler unmöglich machen, weiter seinem Beruf nachzugehen, selbst wenn es ein Angebot von einem neuen Verein gab. Als den Klubs klar wurde, welche Macht ihnen diese Praxis verlieh, begannen sie, Geld zu verlangen, um die Spielerlaubnis eines Profis herauszurücken – die sogenannte »Transfer«-Summe.

 
 
 
 
 
1234
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden