11.11.2012

Die Fußballkarriere des Jürgen Pahl

Döner vom Uefa-Cup-Sieger

Seite 2/2: Filmreife Odyssee der ersten Fußballflüchtlinge
Bild:
Imago

Das klingt nach Floskel, ist aber sein Lebensmotto. Er zitiert es oft, denn seine Biografie ist nicht nur für den Zuhörer, sondern auch für Pahl selbst eine große Aneinanderreihung von Fragen. Etwa die, warum es in seinem Leben so viele Richtungswechsel gab. Beim ersten Mal war er 20 Jahre alt und Torhüter der DDR-Nachwuchsauswahl, der zum Republikflüchtling wurde. Auf der Kinder- und Jugendsportschule in Halle an der Saale gehörte er zu den Diskutierfreudigsten. »In Staatsbürgerkunde hatte ich sogar eine Eins, aber ein paar Vorfälle brachten mich zum Nachdenken.« Zum Beispiel die kleinen Mittelchen, die seine Leistungssportfreundinnen nehmen sollten. Oder als eine Schwimmerin aus dem Olympiakader flog, weil Bekannte aus der Schweiz bei einem Besuch in Leipzig Geschenke für sie abgegeben hatten. »Darüber habe ich mich tierisch aufgeregt.«

Dazu das Kontrastprogramm bei den Reisen mit der Juniorenauswahl in den Westen. Die vollen Schaufenster, in denen er sich als armer Trottel spiegelte. In Monte Carlo ging er mit seinen 20 D-Mark Taschengeld schnurstracks ins Casino, das er mit zehnfachem Gewinn wieder verließ. »Ich hatte mich gefragt, was mir wohl nach zehn Jahren Fußball in der DDR blüht? Im Westen würde ich vielleicht gar nicht arbeiten müssen, wenn ich genug verdiene.« Im November 1976 lernte er während eines Länderturniers in der Türkei einen Amerikaner kennen, der die US-Botschaft kontaktierte. Während der Rest des DDR-Teams einen Basar besuchte, setzte sich Pahl gemeinsam mit Norbert Nachtweih ab. Am Ende einer filmreifen Odyssee kamen die ersten Fußballflüchtlinge der DDR im anderen Deutschland an. »Dass wir uns, entgegen den Prophezeiungen der DDR-Politkader, im Westen durchsetzten, hat andere Spieler sicher ermutigt, unserem Schritt zu folgen«, sagt er.

Pahl und Nachtweih gingen nach Frankfurt, mit der Eintracht gewannen sie DFB- und UEFA-Pokal, Träume wurden wahr, doch allmählich änderte sich Pahls Horizont. 1981 verlor er wie etliche Spieler der Eintracht durch Schrottimmobilien viel Geld. »Damals bin ich als Einziger auf die Barrikaden gegangen.« Letztlich brachte ihm das die Kündigung ein. Pahl ging in die türkische Provinz zu Rizespor, die Karriere ausklingen lassen und mal wieder neu anfangen. Nach der Wende kaufte er sein Elternhaus zurück und gründete in Weißenfels eine Fensterbaufirma. Warum er überhaupt wieder in den Osten ging? »Ich war einfach nostalgisch und habe die Wende genauso euphorisch gesehen wie alle», sagt er. Damals sei er auch überzeugter CDU-Wähler und Fan von Helmut Kohl gewesen.

Davon kann heute nicht mehr die Rede sein. Die Dinge ändern sich eben. 2011 übrigens war er sechs Wochen in Istanbul. Dort zu leben, könnte er sich auch vorstellen. Aber jetzt hat Pahl jetzt erst einmal das erste Restaurant in Paraguay eröffnet, wo es Kebab gibt. Und seine »JP Fußball-Akademie« für lokale Talente soll auch bald öffnen. Es gibt noch vieles zu beginnen.

 
 
 
 
 
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