25.06.2014

Die fußballerischen Konfliktherde Südamerikas

Wo regiert der Hass?

Länder mit gemeinsamen Grenzen teilen nicht selten auch eine tiefe Rivalität. Ein Überblick über die fußballerischen Konfliktherde Südamerikas.

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imago

A.
Rivalen der Zukunft

Das sozialistische Venezuela kann sich nicht mit dem Nachbarn identifizieren, der sich an die USA gebunden hat – und umgekehrt. Die Streitpunkte sind vielschichtig: Es geht um Erdölvorkommen und Grenzverläufe. Fußballerisch sind die Länder noch Welten voneinander entfernt. Venezuela ist das einzige Land Südamerikas, das sich nie für eine WM qualifizieren konnte. Zuletzt gelangen aber einige Achtungserfolge, etwa der Einzug ins Halbfinale der Copa América 2011. Sollte der Trend anhalten, könnte die sportliche Rivalität wachsen.

B.
Der endlose Konflikt

Ursprung allen Übels war der »Salpeterkrieg«, den die Länder von 1879 bis 1884 ums Grenzgebiet führten. Die Region wurde Chile zugesprochen und die Bodenschätze verhalfen dem Land zu Reichtum. Obwohl die Salpeternachfrage seither eingebrochen ist, geben sich die Beteiligten nicht mit dem Status quo zufrieden. Spiele belegen den verwurzelten Hass: Beim Duell in der Quali zur WM 1998 wurden beide Teambusse mit Gegenständen beworfen.

C.
Kampf um den Thron

Die beiden größten Staaten Südamerikas führen in vielen Belangen einen Kampf um die Spitzenposition. Zahlreiche Kontroversen ließen die Rivalität kontinuierlich eskalieren. So soll Argentiniens Masseur Di Lorenzo Brasiliens Branco im Achtelfinale der WM 1990 eine Trinkflasche mit wahlweise einer Dosis Alkohol, Schlaf- oder Brechmittel gereicht haben. Die Feindschaft peitscht zudem die grundlegende Frage an, ob Pelé oder Maradona der größte Fußballer aller Zeiten ist.

D.
Maracanaço lebt

Die Niederlage im WM-Finale 1950, der Mythos »Maracanaço«, ist in Brasiliens Seele konserviert. Trotzdem ist das Verhältnis zu Uruguay nicht mit anderen Feindschaften vergleichbar. Selbst Uruguays WM-Helden blicken mit gemischten Gefühlen zurück. »Ich fühlte mich sehr schlecht angesichts dieser Traurigkeit«, sagte Obdulio Varela. Einig sind sich die beiden Nationen zudem in ihrer Abneigung gegenüber Argentinien.

E.
Das ewige Duell

Schon bei der ersten WM 1930 standen sich die Länder gegenüber. 15.000 Argentinier reisten damals von Buenos Aires zum Finale nach Montevideo. Die Rivalität war mörderisch: Rund ums Stadion wurden 1600 Schusswaffen beschlagnahmt. In der Halbzeit sagte der Argentinier Luis Monti wegen der 2:1-Führung: »Wenn wir gewinnen, bringen die uns um.« Auch der belgische Schiedsrichter John Langenus war sich der Brisanz des Duells bewusst. Er willigte nur ein, das Spiel zu leiten, weil hinter den Toren eine Polizeigarde und nach Abpfiff ein Boot am Hafen zur Flucht bereit stand. Uruguay gewann schließlich mit 4:2 und wurde zum ersten Weltmeister der Geschichte.

F.
David gegen Goliath

Die geografische Nähe sorgt für eine natürliche Rivalität. Immerhin teilen Argentinien und Chile eine über 4000 Kilometer lange Grenze. Gelebt wird die sportliche Feindschaft jedoch vor allem von chilenischer Seite, weil es in Pflichtspielen in der langen Historie der beiden Länder bislang nur einmal gewinnen konnte: 2008 siegten sie daheim in Santiago mit 1:0 in der Quali zur WM 2010. Die Gauchos sehen den Nachbarn dennoch nicht auf Augenhöhe, was nicht bedeutet, dass man von argentinischer Seite Sympathien hegt: Dass die Chilenen im Falklandkonflikt 1982 heimlich England unterstützten, haben viele Argentinier den Nachbarn noch nicht verziehen.

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