Die fünf kuriosesten Trainerentlassungen beim HSV

Schachmatt

Michael Oenning ist als Trainer des Hamburger SV Geschichte. Er reiht sich ein in die lange Liste entlassener Übungsleiter beim Bundesliga-Dinosaurier. Von Rudi Gutendorf bis Felix Magath: Die fünf kuriosesten Trainer-Rauswürfe beim Hamburger SV. Die fünf kuriosesten Trainerentlassungen beim HSV

Rudi Gutendorf (1. Juli 1977 bis 27. Oktober 1977)

Armer Rudi Gutendorf. Schon bei seiner Vorstellung im Sommer 1977 dürfte der zukünftige Weltenbummler geahnt haben, was für ein anstrengender Job auf ihn zukommen würde. Der Verein, gerade erst strahlender Sieger im Europapokal der Pokalsieger, war vom Erfolg verwöhnt, die Verpflichtung von Superstar Kevin Keegan spaltete bald die Mannschaft. Kapitän Peter Nogly knöpfte sich den neuen Trainer vor: »Wenn Sie für den Engländer einen von uns rausholen, sind Sie bei uns unten durch!« Als die Krise zwischen Mannschaft, Trainer und dem allzu herrschaftlichen Manager Dr. Peter Krohn zu eskalieren drohte, bat Präsident Paul Benthien zum klärenden Gespräch. 20 Minuten sprach die Mannschaft, 48 Minuten Dr. Krohn, 72 Rudi Gutendorf. Der erbat schließlich seine sofortige Beurlaubung, Benthien kam dem nach. Heute sagt Gutendorf: »Der HSV, das war die schlimmste Station meines Trainer-Lebens.«

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Branko Zebec (1. Juli 1978 bis 22.12.1980)

Es ist der verdammte Alkohol, der die Karriere von Branko Zebec so schnell zerstörte. 1979 wurde der Jugoslawe mit dem HSV Deutscher Meister, schon 1980 ist der Schwerstalkoholiker für den Klub nicht mehr tragbar. Seit einer Bauchspeicheldrüsen-OP durfte Zebec eigentlich nur noch kleine Mengen Alkohol zu sich nehmen, er soff weiter und wurde von den HSV-Offiziellen im Winter 1980 als »nicht mehr zurechnungsfähig« bezeichnet. Als Zebec in den Weihnachtsurlaub nach Zagreb flog, erreichte ihn am 22. Dezember per Telegramm die Kündigung aus Hamburg, der Öffentlichkeit wurde Aleksander Ristic als Nachfolger präsentiert. Dann meldet sich plötzlich die Ex-Trainer-Gattin Dusica, ebenfalls per Telegramm. Ihr Mann werde am 2. Januar 1981 pünktlich auf dem Trainingsgelände erscheinen. Erst am 20. Januar 1981 war die Causa Zebec endgültig geregelt, die Abfindung betrug stolze 250.000 DM. Am 26. September 1988 starb Branko Zebec mit nur 59 Jahren.

Josip Skoblar (1. Juli 1987 bis 9. November 1987)

Es war von Anfang an ein Himmelfahrtskommando, den Hamburger SV nach der ruhmreichen Ära von Ernst Happel (1981 bis 1987) zu übernehmen. Josip Skoblar tat genau das – und scheiterte nach nur 15 Bundesliga-Spieltagen. Da hatte der HSV erst fünfmal gewinnen können, war Neunter und hatte mit dem bedauernswerten Torwart Mladen Pralija (»Der Fliegenfänger«) die größte Lachnummer der Liga in den eigenen Reihen. Skoblar, der stets betont hatte, sein Schicksal an das des von ihm unterstützten Keepers zu koppeln, wurde noch vor der Winterpause entmachtet. In der »Hamburger Morgenpost« kotzte sich Skoblar dann so richtig aus: »Felix Magath wollte mich vom ersten Tag an demotivieren und provozieren. Als wir gegen Gladbach acht Stück gekriegt haben, hat Magath nur gelacht. Oft genug hat er mir gesagt: 'Joschi, du packst das nicht.'« Womit wieder einmal bewiesen wäre, was für ein freundlicher Mensch dieser Felix Magath doch ist.

Egon Coordes ( 12. März 1992 bis 21. September 1992)

Drei Siege, acht Unentschieden, acht Niederlagen – nein, Egon Coordes, der Bundesliga unter dem Decknamen »Der Schleifer« bekannt, hatte beim HSV nicht gerade eine glorreiche Zeit. Es dauerte nicht lange, bis die Rufe nach seiner Entlassung laut wurden. Als Coordes dann im September 1992 fünf HSV-Profis (Rohde, von Heesen, Kober, Spörl und Bode) vorwarf, sie hätten sich bis fünf Uhr morgens in der Disco rumgetrieben, eskalierte die Situation für den Übungsleiter. Gegenüber Manager Heribert Bruchhagen forderte Coordes die Suspendierung der vermeintlichen Übeltäter (»Entweder die oder ich!«), stattdessen ließ die Vereinsführung die Mannschaft über den Verbleib von Coordes abstimmen. Klare Sache: Mit 14:3 Stimmen sprachen sich die Kicker gegen ihren Trainer aus. Coordes musste gehen.

Felix Magath (6. Oktober 1995 bis 18. Mai 1997)

Mitte der Neunziger war der HSV ein Chaosklub, auch der Europapokal-Held von einst, Felix Magath, bekam den »Sauhaufen HSV« (»MoPo«) nicht in den Griff. Nach 58 Spielen als Trainer wurde er entlassen. Kaum war die Trennung (samt 520.000 DM Abfindung) beschlossene Sache, sickerten schmutzige Details über die letzten Wochen der Ära Magath an die Öffentlichkeit. So soll Magath vor dem seinem letzten Spiel gegen den 1. FC Köln Reportern der »Bild« zugeflüstert haben: »Achten sie heute mal genau auf Kmetsch und Spörl.« Beide machten schließlich ein miserables Spiel. Magath frustriert: »Ich habe jetzt noch Probleme, zu verstehen, dass Spieler absichtlich nicht gewinnen wollen.«

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