Die früheste 2. Liga der Welt

Und es war immer noch Sommer

Die früheste 2. Liga der Welt

Es war eine gute Woche für die DFL. Der neue Spielplan sorgte für willkommenen Diskussionsstoff. Jeder, der von der Überlänge der Ballack-Tragödie gelangweilt war, reagierte erleichtert bis dankbar. Der Ligaverband demonstrierte, dass er wirklich wichtige Themen angemessen kommunizieren kann. Und er hatte ein glückliches Händchen: Der Meister gegen ein Farm-Team des FC Chelsea zum Neustart der weltweiten Boomliga, kurz darauf Frankfurt gegen Frankfurt als einzig wahres Stadtderby und Mitte September ein quotenträchtiges Melodram: Schalke gegen Manu. Eigentlich lief alles wie geschmiert.

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Doch das Erscheinen des Spielplans machte auch dem letzten klar, welches Monster die DFL im November 2010 erschaffen hatte. Füllten einst Nessie oder Sammy das Sommerloch, soll das jetzt die zweite Liga erledigen – um weiter an wirtschaftlicher Größe zu gewinnen. Je näher jedoch der erste Spieltag rückt, umso klarer wird der historische Irrtum. Die kreative Terminierung der zweiten Liga lässt sich nicht mehr länger als Innovation verkaufen. Spieler, Trainer und Fans – alle stellen sich dieselbe Frage: Was hat sich die DFL nur dabei gedacht, den Saisonstart mitten in die Sommerferien zu legen?

Die besten Frauen der Welt gegen die beste zweite Liga der Welt

Zunächst wurde einfach noch einmal nachgerechnet, vor allem in Bochum: Wäre der VfL ähnlich pünktlich wie die Konkurrenz vom KSC auf den Trainingsplatz zurückgekehrt, hätte die Sommerpause für die Kicker gerade einmal 14 Tage betragen. Schließlich hatte man Mitte Mai noch die elendigen Erstligaaufstiegsspiele bestreiten müssen. Wenig Zeit, um zu regenerieren. Weitere neuartige Probleme: Die Neuzugänge stehen bis zum 30. Juni beim alten Klub unter Vertrag, müssen per Gastspielgenehmigung eingegliedert werden. Wechselt der Trikotsponsor, dürfen die neuen Trikots in den ersten Testspielen den Metallkoffer nicht verlassen, bis zum 01. Juli. Und sommerurlaubende Dauerkartenbesitzer, vulgo: Kunden, können vielerorts erst ins Geschehen eingreifen, wenn die Liga fast schon ihr Bergfest gefeiert hat.

Hinzu kommt eine vollkommen unnötige Duplizität der Ereignisse. Die Festlegung auf das Wochenende, an dem das Finale der Frauen-WM stattfindet, zeugt von erstaunlicher Instinktlosigkeit. Es schien doch alles irgendwie ein perfekter Plan: 50.000 Zuschauer flankieren das Endspiel im Frankfurter Waldstadion, zig Millionen Sommermädchen-begeisterte schalten den Fernseher an – und der Frauenfußball hat einmal die große Bühne ganz für sich alleine. In der Praxis sieht es jetzt allerdings so aus, dass Freitag-Samstag-Sonntag-Montag schon wieder der Männerfußball rollt. Motto: Ihr seid vielleicht die besten Frauen der Welt, wir müssen hier aber die beste zweite Liga der Welt verkaufen.

Warum konnte man nicht wenigstens eine Woche warten? Wahrscheinlich liegt das Motiv der Marketingstrategen tatsächlich einzig und allein in der Geldvermehrung. Die studierten DFLer nennen die dreiwöchige Bundesliga-Sperrfrist »Alleinstellungsmerkmal«. Da können Trainer, die seit Jahrzehnten im Geschäft sind, von Katastrophe, Schwachsinn und Unlogik sprechen (Wollitz) oder anmahnen, dass keiner ihrer Kollegen den Frühstart versteht (Funkel). Die Einschätzungen der Experten, die für ansehnlichen Zweitligafußball sorgen sollen und dafür eine angemessene Saisonvorbereitung einfordern, verhallen ungehört.

Rein finanziell getriebener Spielplan

Es war letztlich doch keine gute Woche für die DFL. Sogar beim Spielplan hat sie noch gepatzt. Einen Tag, nachdem sich alle bestens versorgt fühlten, ließ der Ligaverband nachträglich verkünden, was für eine Herkulesaufgabe das Erstellen dieses Opus Dei doch sei. Der hauseigene Justiziar ließ sich mit dem Satz zitieren: »Der Spielplan stellt ein urheberrechtlich geschütztes Werk dar, da die DFL bei seiner Erstellung eine erhebliche schöpferische Leistung erbringt.« Klingt nach großer Kunst oder großem Wahnsinn, ist aber rein finanziell getrieben – ein juristischer Winkelzug, um zukünftig am florierenden Wettmarkt zu partizipieren.

Eine erheblichere schöpferische Leistung könnte man bei der Terminierung der ersten Zweitligaspiele der nächsten Saison erbringen. Dann hätten wir in der nächsten Sommerpause endlich auch etwas Zeit, um die Frage zu klären: Was macht eigentlich Jürgen Hingsen?

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