Die falschesten Entscheidungen aller Zeiten

Verstehen Sie Spaß?

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Heft #72 11 / 2007
Heft: #
72

1.
Der Held im Tor, Deutschland, 1998


Da steht er auf der Torlinie, seine Hand zuckt, der Ball prallt ab. In gewiefter Torwart-Manier bewahrt der Schalker Oliver Held seine Schalker vor einem Gegentor. Die Kölner Spieler stürmen auf Held zu, doch jener bleibt gelassen, winkt ab. „Hand? Ich? Niemals, bin doch kein Torwart!“ Auch auf Nachfrage des gelackmeierten Schiedsrichter Uwe Kemmling beschwört Held seine Unschuld. Kölns Toni Polster, der nach dem Spiel interviewt wird, zeigt sich leicht erbost: „Der Oliver Held soll in seinem Leben keinen Tag mehr Glück haben."

2.
Der Phantompfiff, Deutschland, 1997


Kurz vor Schluss führt 1860 München gegen den Karlsruher SC mit 2:1. Dann plötzlich ein greller Pfiff, Schiedsrichter Michel Malbranc hatte ein Foul geahndet. 21 Spieler drehen ihre Köpfe zum Schiedsrichter, die meisten bleiben stehen, richten ihre Stutzen, rotzen auf den Boden, was man so macht, wenn nix los ist. Sean Dundee indes schnappt sich den Ball, marschiert aufs Tor und netzt ein. Malbranc zeigt zum Mittelpunkt, Tor, 2:2. Später beteuert Malbranc, nie gepfiffen zu haben. Doch dann räumt er vor dem Sportgericht ein: „Als ich mich entschieden hatte, das Foul zu ahnden, waren meine Gehirnströme nicht mehr zu bremsen.“ Welch abgefahrene Gehirnströme...

3.
Das Phantomtor, Deutschland, 1994


Nürnbergs Torwart Andreas Köpke hechtet noch in die Ecke, doch er braucht sich nicht mehr richtig zu strecken, denn Thomas Helmer, der sich pirouettenartig um den Pfosten windet, bugsiert den Ball kurz vor der Torlinie um den Pfosten herum mit der linken Hacke über die Torauslinie. Helmer blickt etwas trotzig drein ob der vergebenen Chance, doch „Kopf hoch Tommy!“, Andi Köpke gibt ihm einen kurzen Klaps, und Helmer trottet von dannen. Dann aber stehen seine Mitspieler vor ihm, fallen ihm um den Hals, die Bayern-Fans jubeln, und natürlich jubelt Uli Hoeneß mit. Schließlich reißt auch Helmer die Arme hoch, taumelt in die eigene Hälfte. Schiedsrichter-Assistent Jablonski hatte ein Tor gesehen, und Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers zeigt zum Mittelkreis. Das Spiel endet 2:1 für den FC Bayern. Besonders bitter: Bei einem 1:1 wäre Nürnberg nicht abgestiegen und der 1. FC Kaiserslautern Meister geworden.


4.
Die Schutzschwalbe, Deutschland, 1995


Nicht die Mutter aller Schwalben, aber doch Inspiration für viele Diver der Spätneunziger. Im Spiel gegen den Karlsruher SC hebt Andi Möller ab, gefühlte zehn Minuten fliegt er durch den KSC-Strafraum, sein Gegenspieler Dirk Schuster steht derweil in sicherer Entfernung. Schiedsrichter Günter Habermann ist so fasziniert davon, dass er Strafstoß pfeift. Der BVB gleicht zum 1:1 aus und gewinnt später noch 2:1. Fast poetisch die Rechtfertigung von Möller: „Das war eine Schutzschwalbe. Ich dachte, dass Dirk Schuster mich voll umhauen würde.“ Auch gut der Diss in Richtung Habermann: „Bei jedem anderen wäre ich zum Schiedsrichter gegangen und hätte gesagt, dass es kein Elfmeter war, bei ihm jedoch nicht.“


5.
Die Wembley-Crew, England, 1966


Es wurde viel zu viel darüber diskutiert, und das Wort von Wontorra, Kerner und Co. todreferiert. Doch sei’s drum, brechen wir mal ne Lanze für Schiedsrichter Gottfried Dienst. Er konnte wahrlich wenig dafür. Die Tonnen voller Schuld liegen auf den Schultern des russischen Linienrichters Tofik Bachramow. Auch 41 Jahre nach Wembley löst dieser überhebliche Fahnenschwenk gen Mittelkreis Übelgefühle aus. Und für all die Skeptiker: Der, der jenem Tor am nächsten war, packt aus. Ungeschönt, direkt und in Farbe sagt Tilkowski was Sache ist: www.11freunde.de/geschichtsstunde/105596?PHPSESSID=0...

6.
Jubelschiedsrichter, England, 2000


Im Spiel FC Liverpool gegen Leeds United trifft Patrick Berger für die „Reds“. Schiedsrichter Mike Reed entscheidet nicht nur Tor, sondern reckt seine geballte Faust gen Himmel. Ups. Eine Ausrede hatte der Mann auch gleich nach dem Spiel parat, er habe sich lediglich über seine weise Entscheidung vor dem Tor gefreut: „Ich sah vorher ein Foul an Vladimir Smicer, entschied aber auf Vorteil.“ Gewiss, Herr Reed. Und die Liverpool-Boxershorts, die unter der Sporthose hervorlugte, war auch nur ausgeliehen.


7.
Der Malteser-Mann, Deutschland, 1975


Wolf-Dieter Ahlenfelder (Foto) torkelt über den Platz und hat nach 30 Minuten keine Lust mehr: Er pfeift die Partie Werder Bremen gegen Hannover 96 ab. In der Halbzeit streckt er Fotografen mit hochrotem Kopf die Zunge heraus und witzelt mit den Balljungen. Später gibt er zu: „Ich hatte mir ein paar Malteser genehmigt.“ Die einfache Begründung: „Ein Bier und ein Malteser zum Mittagessen, das wird doch wohl erlaubt sein! Wir sind Männer und trinken keine Fanta!“ Auch schön sein Wortwechsel mit Paul Breitner:

Breitner: „Ahlenfelder, Du pfeifst wie ein Arsch.“

Ahlenfelder:
Paul, Du spielst wie ein Arsch.


8.
Balljungentor, Brasilien, 2006


Smells like Niederlage. In der Partie zwischen dem Ersten der 3. Brasilianischen Liga Santacruzense und dem Zweitplatzierten Atlético Sorocabana steht es lange 0:1 und alles deutet auf eine Wachablösung an der Tabellenspitze hin. In der 89. Minute scheint dann wirklich alles gelaufen zu sein: Nach einer Hereingabe kommt Santacruzense-Stürmer Samuel am Elfmeterpunkt an den Ball, doch sein Schuss landet nur am Außennetz. Während die Spieler wegtraben, schnappt sich ein Balljunge die Pille, dribbelt mit dieser am Torwart vorbei und stupst sie ins Tor. Der Torwart, sichtlich genervt, holt den Ball wieder heraus und legt ihn sich zum Abstoß an den Fünftmeterraum. Nun eilt Schiedsrichterin Silvia Regina de Oliveira herbei, gestikuliert wild und – entscheidet auf Tor. „Aber der kleine Junge spielt nicht für Santacruzense, Frau Schiedsrichterin“, ruft der Torwart ihr zu. „Er ist ein, ähm, ein Balljunge.“ Nein, Frau Oliveira läst sich nicht belehren, „der Ball war hinter der Linie“, krakeelt sie. „Und Tor ist, wenn die Schiedsrichterin pfeift.“ Es wird vermutlich ihr letzter Pfiff gewesen sein.


9.
Der Wiederholer, im fernen Arabien, irgendwann vor unserer Zeit


Da hockt man vor dem Bildschirm und wartet darauf, dass Kurt Felix angelaufen kommt. Dann grinst er und schreit: „Verstehen Sie Spaß?“ Und dann kommt noch Paola um die Ecke und grinst mit. Hier das Drehbuch in kurz: Schiedsrichter pfeift Elfmeter.
Schütze läuft an, schießt, Tor. Schiedsrichter pfeift ab, Wiederholung.
Schütze läuft an, schießt, Tor. Schiedsrichter pfeift ab, Wiederholung. Schütze läuft an, schießt, Tor. Schiedsrichter pfeift ab, Wiederholung. Schütze läuft an, schießt, Tor. Schiedsrichter pfeift ab, Wiederholung.
Oder so. Zwischendrin hält der Torwart gar einmal den Ball, und der Zuschauer fängt richtiggehend an, mit dem Schützen zu leiden: Der Schiedsrichter wird den Elfmeter doch jetzt nicht gelten lassen. Ah, nein, es gibt ein Happy End. Doch zuvor geht es noch ein bisschen weiter wie oben. Schütze läuft an, schie... na gut, lassen wir das. Übrigens: Als die Spieler ausliefen, wurde der werte Herr kniend in der Nähe des Elfmeterpunkts gesichtet – er schnitt den Rasen mit seiner Nagelschere.

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