Die Europapokalsiege von Real Madrid

»Nicht real, nicht menschlich!«

Sechsmal Europapokal der Landesmeister, dreimal Champions League – die neun Triumphe von Real Madrid im wichtigsten europäischen Mannschaftswettbewerb sind noch immer Rekord. Und machen den Verein zum erfolgreichsten Klub der Welt.

imago

13. Juni 1956, Paris / Prinzenparkstadion
Real Madrid - Stade Reims 4:3

Ein leicht verspäteter Dank geht raus an den Franzosen Gabriel Hanot, einem Journalisten von »L´Équipe«, der sich trotz des Gegenwindes im eigenen Lager (Sein italienischer Kollege Gianni Brera maulte: »Was soll schon dieses Turnier der Ex-Meister?«) für die erstmalige Austragung des Europapokals der Landesmeister stark gemacht hatte. Hanots Erwartungen wurden nicht enttäuscht. Das Finale gewann der Favorit aus Madrid mit zum Teil so spektakulärem Fußball, dass die 40.000 Zuschauer im Pariser Prinzenpark die Spanier nach dem Spiel mit Applaus verabschiedeten. Bester Mann des Endspiels: Real-Star Alfredo di Stéfano, über den das »Sport-Magazin« anschließend schrieb: »So gut wie er zu spielen, ist schwer vorstellbar. Dass ihn jemand irgendwann einmal in seiner Fußballkunst übertreffen sollte, ist unmöglich.«



30. Mai 1957, Madrid / Santiago Bernabéu
Real Madrid - AC Florenz 2:0

120.000 Menschen füllten an diesem 30. Mai 1957 die Heimstätte des Titelverteidigers, doch nur eine Person sorgte für Unmut bei Spielern und Funktionären: Spaniens Diktator General Franco hatte es sich nicht nehmen lassen, seinen Platz auf der Ehrentribüne einzunehmen. Reals Profis sahen das als schlechtes Omen, schließlich hatte sich Franco bereits einen Namen als falschen Glücksbringer gebracht: Spiele der spanischen Nationalmannschaft mit dem Diktator auf der Tribüne waren in der jüngeren Vergangenheit mehrfach zu Ungunsten der Gastgeber ausgegangen. Und tatsächlich dauerte es 70 Minuten, bis dem Favoriten das erste Tor gelang. Was nicht unbedingt an Franco lag (schlechte Aura hatte der Mann schließlich mehr als genug), sondern am Catenaccio des italienischen Gegners. Es musste schon ein umstrittener Elfmeter herhalten, damit di Stéfano das Eis brechen konnte. Der an diesem Tag überragende Francisco Gento krönte seine Leistung mit entscheidenden 2:0.



28. Mai 1958, Brüssel / Heysel-Stadion
Real Madrid - AC Mailand 3:2 n.V.

The games must go on — aber was hatte dieser dritte Titelgewinn in Serie für Real Madrid noch für eine Bedeutung? Zwar war das Spiel gegen den AC Mailand hochklassig gewesen und wurde erst durch Gentos späten Treffer in der 107. Minute entschieden – aber dieses Endspiel wurde überschattet von dem tragischen Flugzeugabsturz der Mannschaft von Manchester United am 5. Februar 1958 in München-Riem beim Rückflug vom Viertelfinal-Rückspiel gegen Partizan Belgrad. 23 Menschen starben dabei, darunter acht United-Spieler.



3. Juni 1959, Stuttgart / Neckarstadion
Real Madrid - Stade Reims 2:0

Deutscher Austragungsort, deutscher Schiedsrichter (Albert Dusch) – aber wieder kein deutscher Teilnehmer. Stattdessen exakt die Mannschaften, die sich auch schon beim ersten Europapokal-Finale der Geschichte gegenüber gestanden hatten. Wieder blieben die Franzosen chancenlos – trotz der Offensivkunst von Just Fontaine, der in der Form seines Lebens war. Zehn Tore gelangen Fontaine in den sieben Spielen zuvor, 13 bei der anschließenden WM in Schweden – nur im Endspiel gegen Real blieb er torlos. Den größten Anteil daran hatte erneut Alfredo di Stéfano, der im Finale das vorentscheidende 2:0 erzielte und anschließend von der Presse mit Lobeshymnen bedacht wurde. Zitat aus dem »kicker«-Vorgänger »Sport-Magazin«: »Alles hörte und sah auf di Stéfano. Wie von unsichtbaren Händen gelenkt, dirigierte Don Alfredo die Figuren neben und hinter sich. Er lief keinen Meter zu viel. Dennoch mag es kurios klingen, wenn wir sagen: di Stéfano war der drangvollste Angreifer, aber auch der gleichzeitig der energischste Abwehrspieler, der überall dort war, wo es brannte. Di Stéfano – ein echtes Vorbild für seine Kameraden.«



18. Mai 1960, Glasgow / Hampden Park
Real Madrid - Eintracht Frankfurt 7:3



Gibt es das: Das beste Fußballspiel aller Zeiten? Vermutlich nicht. Aber wenn je ein Europapokalfinale nah dran war an diesem Superlativ, dann jenes am 18. Mai 1960 in Glasgow. Der große Außenseiter aus Frankfurt war durch Richard Kreß zunächst sogar verdient in Führung gegangen (18.), musste sich dann aber der gewaltigen Spielkunst der Spanier beugen. Wie unglaublich die Leistung des »Weißen Balletts« gewesen sein muss, verdeutlicht ein Zitat von Tribünengast Bobby Charlton: »Mein erster Gedanke war, dieses Spiel ist ein Schwindel, geschnitten, ein Film, weil diese Spieler Dinge taten, die nicht möglich sind, nicht real, nicht menschlich!« Und der schottische Billy Bremner, ebenfalls bei diesem Spiel zugegen, behauptete noch Mitte der Neunziger: »»Die Perfektion und das Tempo würden die Mannschaft bis heute zu einem Weltklasseteam machen.«

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