Die Erkenntnisse des Supercups 2012

Der Werwolf der Bundesliga

Der erste Titel ist im Sack: Mit 2:1 besiegt der FC Bayern Dauerkonkurrent Borussia Dortmund im Finale des Supercups. Was bleibt von diesem Duell, das aller Voraussicht nach die neue Bundesligasaison beherrschen wird?

Dante ist ein Bayer!

Gibt es noch jemanden, der sich den Brasilianer Dante im Trikot von Borussia Mönchengladbach vorstellen kann? Denn dort soll Dante, so sagt es jedenfalls sein Steckbrief, in der vergangenen Saison gespielt haben. Gegen Dortmund lief der Mann mit dem beeindruckenden Haupthaar neben Jerome Boateng (einem Mann mit beeindruckend wenig vorhandenem Haupthaar) in der Innenverteidigung auf und war so souverän und unbeeindruckt vom neuen Arbeitsplatz, dass man meinen konnte, Dante wäre seit Gründung des FC Bayern im Kader. Grätschen, köpfen, passen, decken, Ball wegschlagen, zur Mittellinie sprinten – Dante spulte das gesamte Repertoire eines zentralen Verteidigers in aller Seelenruhe ab.

Dass seine Stärken das einzige Gegentor von Lewandowski nicht verhindern konnten, lag einfach daran, dass Lewandowskis Schuss nicht verhindert werden konnte. Wenn Dante so weitermacht, nennen sie ihn in München noch den »schwarzen Schwarzenbeck«. Schreibwarenladen nach der Karriere inklusive.

Bayern hat doch noch Talente!

Es ist kein Geheimnis, dass Jupp Heynckes eine Vorliebe für die Ausbildung herausragender Talente besitzt. Dem inzwischen herausragenden Mittelfeldspieler Toni Kroos verlieh Heynckes einst in Leverkusen den letzten Schliff. Sein neuestes Projekt heißt Emre Can, ein 19-jähriger Mittelfeldspieler, der seit der Vorbereitung stetig mit den Profis trainiert. Gestern ließ ihn Heynckes auf der linken Abwehrseite spielen, er hat ihn auch schon auf seiner Stammposition im defensiven Mittelfeld auflaufen lassen und war stets zufrieden. Gut möglich, dass Can bald noch eine weitere Funktion auf dem Platz ausüben muss, Heynckes will den Jüngling testen. Für Bayern-Fans ist das toll. Seit Jahren müssen sie ertragen, dass die deutsche Fußball-Zukunft woanders ausgebildet wird (nämlich in Dortmund, Leverkusen oder Mönchengladbach).

Mit Can haben sie endlich wieder ein Juwel in den eigenen Reihen, das zu fördern sich lohnen dürfte. Can ist erst 19, wirkt mit seinen 1,84 Meter aber schon so kompakt wie ein Preisboxer. Er ist still, er ist ernst, er ist ein Arbeiter, er hat die U17 bei der WM 2011 zu Platz drei geführt. Er könnte in dieser Saison das nächste von Jupp Heynckes veredelte Supertalent werden.

Dortmund ist auch mal müde!

Seit Jürgen Klopp beim BVB angestellt ist, war es doch immer so: Kaum hatte der Schiedsrichter ein Spiel mit Dortmunder Beteiligung angepfiffen, liefen die BVBler durch die Gegend wie Duracell-Hasen, die man mit Atom-Brennstäben gefüttert hat. Müde waren irgendwann immer die anderen, Klopps Jungs waren hellwach und zwar von der ersten Millisekunde an. Und gestern? Trabten die Dortmunder, allen voran das sonst immer wacher als hellwache (gleißendhellwach?) Verteidigerduo Subotic und Hummels, mit müden Äuglein über den Rasen und schreckten erst aus den süßen Träumen auf, als der bajuwarische Stadionsprecher lauthals das 2:0 für den FC Bayern verkündete. Die Bundesligakonkurrenz dürfte entzückt sein. Der doppelte Meister hat tatsächlich Schwächen! Dumm nur für die Bundesligakonkurrenz, dass Meistermacher Klopp das sogleich erkannt hat (siehe nächster Punkt).

Klopp kann auch böse sein!

Irgendwann einmal, die 11FREUNDE-Redaktion ist sich da sehr sicher, wird Jürgen Klopp auch als Schauspieler Karriere machen. Nur wenige Menschen auf der Welt können ihr Gesicht zu solch beeindruckenden Grimassen verziehen, wie der Trainer von Borussia Dortmund. Klopp ist quasi der Jim Carrey der Bundesliga. Das liegt an seinem stets sonnengebräunten Bergsteigergesicht und zwei riesigen Zahnreihen, die sich wahlweise zu einem Sonnenscheinlächeln, oder einem Werwolfgrinsen anordnen können. Gestern war es mal wieder Zeit für die Sache mit dem Werwolf. Man hatte ja fast vergessen, dass Klopp so böse gucken kann, aber nach der 1:2-Niederlage schaute Klopp geradezu diabolisch in die Kamera und in die Augen des armen Boris Büchler (dem anschließend aber entgegen aller Ewartungen keine Wolfszähne wuchsen). Klopp sprach von einem »Drecksspiel« und fand viele Dinge – vor allem die anfängliche Schläfrigkeit seiner Spieler – »scheiße«.

Als ein von witzigen Klopp-Interviews geprägter Zuschauer wartete man auf eine Pointe, ein kurzes Lachen, einen letzten Gag, der diesem Moment die Schärfe und die Werwolfartigkeit nahm – aber vergeblich. Klopp zog die böse Miene zum verlorenen Spiel eiskalt durch. Was passiert wohl erst mit seinem Gesicht, wenn der BVB nach zehn Spielen nur auf Platz fünf steht?

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