23.12.2013

Die ergreifende Geschichte eines BVB-Fans

Und dann kam Santana

Seite 2/3: Tage wie diese - von den Toten erwacht
Text:
Philipp / schwatzgelb.de
Bild:
imago

Dann Rückfälle, Rückschläge, alles nochmal? Operationen folgen auf Operationen, Behandlungen, Rehabilitationsversuche, jeden Tag bei Ärzten. Fußball läuft weiter, der BVB verliert nach und nach an Boden, Bayern München marschiert. Ich schaue es mir an, aber weiter distanziert, fast zynisch uninteressiert. Dann endlich nach Hause, in ein neues Haus. Aber weiter viele Behandlungen und viele Sorgen, viel Krankheit.

Fußball bleibt fremd. Der BVB sowieso. Ein Therapieversuch qua Stadiongang zunächst vollkommen ausgeschlossen. Stehen unmöglich. Bekannte drängen einen, mal beim BVB zu fragen, ob man irgendwie eine Sitzmöglichkeit bekommen kann für die Zukunft. Mir egal.

Tage wie diese

Selbstredend, die Sorge um die verlorene Liebe zum BVB, zu diesem Sport Fußball, war und ist nicht an erster Stelle dessen, worum ich mich dann sorge. Die Sorgen und Ängste betreffen in erster Linie natürlich meine Frau, meine Kinder! An dieser Stelle will ich auch, wenn auch für alle von euch nicht interessant, eben dieser Frau in tiefer Liebe danken, für alles was sie für mich tat und noch tun wird! Ich bin einfach froh, dass du da bist! Aber auch die Sorge um meine Beziehung zum BVB ist da. Und einfach beispielhaft. Wendepunkt in dieser Frage und in diesen Tagen war ein Lied, ein massenpopuläres gar: »An Tagen wie diesen«.

Im Mai stand ich noch tanzend und hüpfend in Berlin und feierte zu diesem Lied einen phänomenalen Sieg über eine bayerische Fußballmannschaft! Am Tag danach, als alles anders, als ich von den Toten wieder erwacht war, lief auf der Intensivstation eben genau dieses Lied. Kein anderer Moment führte mir in diesen Tagen so klar vor Augen, was mit mir passiert war und was mit mir passieren würde. Alles war anders. Kein Fußballfest mehr.

Eine Folter. Kapitulation.

Schmerzen sind noch immer da, große Einschränkungen auch. An die von mir durchaus geschätzte Arbeit ist nicht zu denken. Monatelanges im Krankenhaus liegen, zu Hause sitzen, in Rehakliniken trainieren, bei Ärzten diskutieren, Medikamente schlucken, nicht schlafen können, Ängste aushalten müssen, neuen Operationen besorgt und verschreckt entgegensehen müssen; eine Folter, die im Zweifel nie enden wird. Und dennoch die eigenen Kinder wachsen sehen, glücklich sehen. Eine Frau im Alltag ohne richtigen Partner leben sehen. Das alles muss man aushalten. Und wo ist da noch Platz für diesen seltsamen Fußball, diesen Klub, diese Leidenschaft namens BVB? Kapitulation. Dauerkarten längst weitergereicht; zu stehen, geschweige in einem Stadion, eh unmöglich. Abmeldung in einem hochgeschätzten Forum.

Das eigene Umfeld lässt man seltsamerweise im Unklaren. Man sagt nicht: »Das interessiert mich nicht mehr!« Man tut so als ob. Eine Haltung, die jedenfalls mir häufig in vielen Fragen untergekommen ist in den letzten Monaten. Ich tue so als ob. Harmonie als Strategie für die Normalität.

Tatsächlich diskutiere und spreche ich sogar weiter mit Freunden und Bekannten, mit der Familie über den BVB. Als ob nichts gewesen wäre. Aber es lässt mich kalt. Dennoch dann der klare Entschluss, dass ich das nicht so hinnehmen kann und will. Ich muss nochmal ins Stadion, und ich muss nochmal alles versuchen, die Emotionen wieder zu entfachen...

Ob das Ganze vernünftig ist, rein medizinisch betrachtet, schiebe ich einfach beiseite. Zu viel hat die Medizin sich in mein Leben eingemischt. Und so fahre ich über die A1gen Dortmund (besser: lasse mich fahren, denn selbst geht es nicht), um das Spiel des BVB gegen den FC Malaga zu besuchen.

 
 
 
 
 
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