Die Elf des Spieltags (32)

Kernschmelze abgewendet

Rafinha führt die Welt an den Abgrund, Uchida spielt mit Gehirnerschütterung und Schipplock knipst das Licht wieder an – unsere Elf des Spieltags. 

Rafinha
Hitzig war sie, die Generalprobe des Champions-League-Finals zwischen Borussia Dortmund und Bayern München. Was auch an Münchens Rechtsverteidiger Rafinha lag. Der ließ Gegenspieler Jakub Blaszczykowski zunächst generös von seinem Ellbogen kosten, zeterte dann über die Gelb-Rote Karte, langte dem Polen beim Gang vom Feld noch mal ins Gesicht, musste sich daraufhin von Jürgen Klopp maßregeln lassen und pöbelte diesen dann gestenreich voll. Was Klopp aber gar nicht mehr wahrnahm, denn er hatte sich bereits dem meckernden Matthias Sammer zugewandt und kam Bayerns Motzki bedrohlich nahe. Eine heikle Sache, denn es ist nicht unbedingt klar, was passiert, wenn zwei Emotionis wie Klopp und Sammer ungebremst aufeinandertreffen. Wahrscheinlich entstehen so schwarze Löcher oder zumindest Kernschmelzen. Gut, dass Schiri Gagelmann in der Nähe stand und eine drohende Katastrophe gerade noch abwenden konnte. Mindestens bis zum Champions-League-Finale in drei Wochen dreht sich die Welt also weiter.

Axel Bellinghausen
Seit Wochen trudelt Fortuna Düsseldorf ganz langsam und unbemerkt dem Abstieg entgegen. Ein Umstand, den es so nicht gäbe, wenn alle Spieler ähnlich motiviert wären wie Mittelfeldmaschine Axel Bellinghausen. Der sträubte sich im Spiel gegen Frankfurt mit jeder Faser seines Körpers gegen die Niederlage, ackerte seine Seite hoch und runter, rannte, foulte, schwitzte, motzte den Schiri an und legte in jeder Sekunde der Partie eine übellaunige, grantige Motivation an den Tag, für die wir an dieser Stelle das Wort »Matthiassammerig« erfinden. Höhepunkt dabei war sein Schubser gegen Frankfurts Reservist Olivier Occean, der sich an der Bande aufwärmte und, naja, eben zufällig in Bellinghausens Reichweite herumstand. Selber Schuld.

Atsudo Uchida
Der »11FREUNDE-Eisenschädel des Spieltags« geht diesmal feierlich an Atsudo Uchida. Schalkes Japaner rutschte im Spiel gegen Gladbach nämlich ungebremst mit Filip Daems ineinander und wurde dabei so derart heftig am Schädel getroffen, dass Andreas Reinke zuhause wahrscheinlich vor Schreck hinters Sofa sprang. Nach längerer Behandlungszeit konnte Uchida weitermachen, auf die Nachfragen von der Bank, ob er ausgewechselt werden wolle, reagierte er mit dem erhobenen Daumen. Was in Japan, wie wir mutmaßen, wahrscheinlich »Holt bitte einen Notarzt, es geht mir sehr schlecht« bedeutet. In der Halbzeit kam man dann Uchidas Wunsch nach, Diagnose: Gehirnerschütterung. Aber vorher noch 35 Minuten Fußball spielen, wir ziehen ehrfurchtsvoll unsere neongelben Fahrradhelme.

Georg Niedermeier
Noch vor wenigen Wochen hatten wir Georg Niedermeier in dieser Liste, weil er in den Strafräumen der Liga beharrlich wie kaum ein anderer Verteidiger Jagd auf freilaufende Schienbeine machte. Wir ahnten aber damals schon, dass der Niedermäher, der er auf dem Platz ist, neben dem Platz eigentlich ein ganz angenehmer Kerl ist. Wie er am Samstag nun unter Beweis stellte, als er gelbgesperrt nicht mitspielen durfte und die Freizeit nutzte, um gemeinsam mit Kollege Vedad Ibisevic im Stuttgarter Fanblock zu stehen. Dort hüpften die beiden fröhlich, sangen die Chants mit und ließen sich von den Fans fotografieren. Ein lustiger Samstag soweit, dumm nur, das die Kollegen auf dem Platz keinen Bock auf Party hatten und gegen Fürth, den unbundesligahaftesten Bundesligisten der laufenden Saison, 0:2 verloren. Ob die beiden nach Abpfiff ein empörtes »Scheiß Millionäre« anstimmten, ist leider nicht überliefert.

Antonio Rüdiger
Für ein ganz besonderes Schmankerl sorgte am Wochenende Stuttgarts Nachwuchs-Verteidiger Antonio Rüdiger. Der übertrug nämlich den seit Jahrzehnten erprobten Schulhof-Gag, bei dem man seinem laufenden Vordermann die eine Hacke hinter die andere kickt, kurzerhand auf den Fußballplatz. Begeisterungsstürme in der Redaktion, schließlich hat sich dieser Jahrhundert-Witz auch auf unseren Bürogängen bestens bewährt. In der Bundesliga gibt es dafür allerdings Elfmeter und, wie im Falle Rüdiger, die Rote Karte. Was dann direkt nicht mehr so lustig ist. Also für ihn.

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