Die einseitige Fanfeindschaft zwischen Hertha und Schalke

Ich hasse dich! Mir doch egal!

Herthaner verachten Schalker, aber denen ist das vollkommen egal. Die Geschichte einer einseitigen Rivalität.

Bild: Jonas Holthaus
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Spezial 08

Drei Männer sitzen an einem Tisch und trinken, Teupitzer Klause in Berlin-Neukölln, Eckkneipe, Fankneipe, gut verraucht. Sie reden über die Liebe und den Hass. Das mit der Liebe ist leicht, die Liebe ist die Hertha. Das war schon immer so, wird sich nie ändern. Das mit dem Hass ein wenig komplizierter: Es fängt ja schon mit dem S-Wort an, das eigentlich ein Sch-Wort ist. Die Männer würden es niemals in den Mund nehmen, dieses Sch-Wort, und wenn doch, kostet es jedes Mal fünf Euro Strafe, sagt Helmut.

Helmut, 59 Jahre alt, Segelohren, Kapuzenjacke und immer ein bisschen aufgeregt, kann sehr schnell reden, wenn er etwas klarstellen will. Und gerade redet er sehr, sehr schnell. So schnell, dass die Worte in seinen Sätzen übereinander stolpern. Aber es geht ja jetzt auch um eine große Sache. Es geht um den Feind.

»Wir sagen Gelsenkirchen oder Ge-Buer«

Helmut heißt eigentlich Helmut Friberg, 59 Jahre alt, Frührentner. Aber hier, in der Teupitzer Klause, tun Berufe und Krankheiten nichts zur Sache, Nachnamen sowieso nicht, hier wird gnadenlos geduzt; es zählen andere Dinge, zum Beispiel das: Helmut, Dauerkarteninhaber seit 1984, Block 31.1, Reihe 7, Platz 5.

Also, Männer, wie nennt ihr euren Feind?

Manne verschränkt die Arme vor seinem großen Bauch. Er heißt eigentlich Manfred Sangel, 55 Jahre alt, Abteilungsleiter in einer Zeitarbeitsfirma, noch wichtiger aber: Moderator des Hertha-Fanradios, Dauerkarteninhaber seit 1984, Block 31.1, Reihe 6, Platz 8. Manne redet sehr langsam, mit der Gravitas eines Alt-Kanzlers, er ist nie aufgeregt. Er sagt: »Wir sagen Gelsenkirchen oder Ge-Buer.« Was Manne nicht sagt: Oft sagen sie Drecksverein.

Steffen, Vermögensberater bei der Berliner Sparkasse, nickt und schweigt und staunt. Es ist für ihn nicht leicht, in dieser Runde zu Wort zu kommen. Steffen heißt eigentlich Steffen Toll, er trägt Fan-Shirt und Jeans, er trinkt Fassbrause.

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Steffen ist 42 Jahre alt, viel zu jung, um damals schon dabei gewesen zu sein, als das mit der Rivalität zwischen Hertha BSC und dem FC Schalke 04 begann. Er hat die Rivalität von Helmut und Manne geerbt. Wenn man es denn überhaupt Rivalität nennen kann.

Rivalen können nur dann Rivalen sein, wenn sie sich gegenseitig als Rivalen anerkennen. Und das ist das Problem mit der Fanfeindschaft zwischen Hertha BSC und dem FC Schalke 04. Die Herthaner hassen die Schalker, also: Gelsenkirchener. Nur: Den Schalkern ist das vollkommen egal.

»Ich kenne nicht mal einen Hertha-Fan«

Nachfrage bei Fanklubs in Gelsenkirchen. Große Ratlosigkeit. Gleichgültigkeit als schlimmste Form der Demütigung. Harald Grewe vom »Bezirk 7 Mythos Ostwestfalen« sagt: »Ich habe noch nie von einer Rivalität zwischen Hertha und Schalke gehört. Ich kenne auch niemanden, der sich mit Hertha beschäftigt, ich kenne nicht mal einen Hertha-Fan.«

Frank Arndt vom Schalker Fan-Club Verband e.V. sagt: »Keine Ahnung, was die gegen uns haben. Hertha war für uns nie was besonderes. Wir haben ja schon Dortmund und Essen.«

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