Die Dienstagskolumne: Karrierumwege

Ausland statt Versicherung

Wo gescheiterte Profis früher in der Reserve verschwanden oder gleich heimlich zum Versicherungsvertreter umschulten, versuchen sie sich heute einfach mal im Ausland. Unser Kolumnist Trainer Baade über den neuen Trend unter Durchschnittsprofis. Die Dienstagskolumne: Karrierumwege

Die 11FREUNDE-Dienstagskolumne: Jeden Dienstag machen sich  Lucas Vogelsang, Titus Chalk und Frank Baade im Wechsel Gedanken über den Fußball, die Bundesliga und was sonst noch so passiert. Wenn unser heutiger Kolumnist Frank Baade nicht gerade für uns malocht, schreibt er auf seiner Webseite über den Fußballgott und dessen irrationales Wirken in den Bundesligen, bei den Welt- und Europameisterschaften dieser Fußballwelt.

Einmal in der Bundesliga aussortiert, ging der Bemitleidenswerte früher zum Scheitern in die zweite Mannschaft zurück oder wechselte gleich ganz zum Lokalrivalen, welcher vor langer Zeit mal ein wenig Glanz versprüht hatte, inzwischen aber drei bis fünf Klassen tiefer spielte. Mit ein bisschen Glück stieß man später sogar selbst in einer Partie auf ihn als Gegner, der in seiner fußballerischen Bedeutungslosigkeit zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig verdiente.

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In diesem Fall trug man noch während der laufenden Partie jeden gegen ihn gewonnenen Zweikampf ins geistige Notizbüchlein ein. Aus dem man von nun an stets bei geselligen Abenden zitieren würde. Immerhin war der Überlaufene, Ausgedribbelte, im Kopfballduell Bezwungene mal Bundesliga-Profi gewesen, auch wenn er sich nie wirklich hatte durchsetzen können.

Dieses Etikett des einst Dazugehörenden reichte aus, um Eindruck zu schinden. Besonders bei jenen Legionen, die ohne aktive Fußballerfahrung auf den Zug der Fußballbegeisterung aufgesprungen waren, der seit diesem Jahrtausend immer schneller durchs Land saust.

Das Pech der frühen Geburt

Er aber war tatsächlich gescheitert, das Pech der frühen Geburt. Und dass er eines Tages sogar anrief, zufällig er, um eine Versicherung aufzuschwatzen, ließ die verblassenden Bundesligaminuten noch ferner erscheinen. Wobei man diesen Umstand nicht ins Notizbuch eintrug. Einen Namen, klein zwar, doch diesen Namen besaß er noch. Die Melancholie aber, die schon beim Abheben aus dem Hörer quoll, die wurde er nie wieder los.

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Glücklich, wer später geboren. Nach Bosman, Internet, Scheichs und Oligarchen. Mittlerweile bedeutet in der Bundesliga zu scheitern, morgen schon in Rom oder in Liverpool zu wohnen, nicht ohne vorher in vier weiteren europäischen Ligen im Gespräch gewesen zu sein.

Jemand muss einen neuartigen Trick erfunden haben, der Spielerberatern erlaubt, ganze Datenbanken zu frisieren. Auf dass man den Delinquenten in anderen Ländern als genau denjenigen betrachtet, nach dem man die ganze Zeit gefahndet hat.

Verträge sind schnelle unterzeichnet, als die Tinte trocken ist

Hat ein Spieler nur einige wenige Bundesliga-Spiele absolviert, kann er sicher sein, noch irgendwo in einer anderen ersten Liga unterzukommen. Kauf- und Pachtverträge werden in Bolton, Getafe und in Genua schneller unterzeichnet, als die Tinte trocknen kann, einzig übersetzt müssen sie noch werden, in der Bundesliga aussortiert hin oder her.

Beim ersten, beim zweiten, selbst beim dritten Anlauf durchgefallen zu sein, bewirkt heute, dass er es im offensichtlich hervorragend getäuschten Ausland versuchen darf. Keine Spur vom Weg zurück in die Reservemannschaft. Weshalb der eigentlich Gescheiterte keinen Zweikampf in der Unterklassigkeit verliert, keine Versicherungen verkauft und auch die Melancholie, die sieht er nur von fern am Mittelmeerstrand.

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