Die Dienstagskolumne: Der denkende Stürmer

Klose by the numbers

Seltsam bemüht wirkte Miroslav Klose gegen Polen. Ein Umstand, den Bayern-Fans von ihm kennen dürften. Doch in der Nationalelf ist dies neu, findet unser Kolumnist Frank Baade. Hat er etwa begonnen, das zu tun, was ein Stürmer nie tun darf: Denkt er? Die Dienstagskolumne: Der denkende Stürmerimago

Die 11FREUNDE-Dienstagskolumne: Jeden Dienstag machen sich  Lucas Vogelsang, Titus Chalk und Frank Baade im Wechsel Gedanken über den Fußball, die Bundesliga und was sonst noch so passiert. Wenn unser heutiger Kolumnist Frank Baade nicht gerade für uns malocht, schreibt er auf seiner Webseite über den Fußballgott und dessen irrationales Wirken in den Bundesligen, bei den Welt- und Europameisterschaften dieser Fußballwelt.

Durchaus begründet könnte man zur Annahme gelangen, dass Miroslav Klose inzwischen zu denken begonnen hat. Man möge sich nur an sein entwürdigendes Laientheater nach Özils Tor zum 1:0 gegen Österreich erinnern. Ein Tor, zu dem Miroslav Klose lediglich beitrug, der Flugbahn des Balles nicht im Weg gestanden zu haben.

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Trotzdem fehlte hinterher allein der typische Klose-Salto, ansonsten war die Torjubelshow perfekt. Die Vokabel vom »Fremdschämen« ist eigentlich so sehr in Mode, dass sie schon wieder out ist. Kloses unehrenhafter Torklau bildet da die wenig ruhmreiche Ausnahme. Und das alles nur, weil es langsam eng werden könnte für den strebsamen Klose damit, den Rekord von Gerd Müllers 68 Toren für die Nationalmannschaft noch einzuholen. Samt seinem von Özil gestohlenen Tor steht er selbst nun bei erst 62.

Das Auge auf die Rekordlisten

Offensichtlich nagt trotz anders lautender Selbstauskunft auch an Miroslav Klose der Zahn der Zeit und er spürt, dass er nicht mehr allzu viele Gelegenheiten haben wird, Tore im Trikot der Nationalmannschaft zu erzielen. Und jemand aus seinem Umfeld, der ein Auge auf die Rekordlisten hat, wird ihm gesteckt haben, dass er sich so langsam beeilen müsse.

War Klose, der unscheinbare, der – abgesehen vom einen oder anderen Schwächeanfall in gegnerischen Strafräumen in der jugendlichen Frühphase seiner Karriere – untadelige Sportsmann stets ein Inbegriff für Mannschaftsdienlichkeit, so scheint er plötzlich aufgewacht zu sein und im Spätherbst seiner Karriere doch noch das egoistische Gen in sich entdeckt zu haben.

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Das allerdings nutzt weder ihm noch dem Erfolg seiner Mannschaft, wenn Klose sich plötzlich Gedanken darüber macht, wie er selbst am besten zum Abschluss kommt. War es doch eine seiner Stärken, welche er auch in Interviews kaum verhehlen konnte: sich nicht allzu viele davon zu machen.

Hauptsache, er selbst macht das Tor

Wenn nun der Wunsch nach dem Rekord sein Handeln bestimmt, wird er ausrechenbar wie Mario Balotelli (nicht) nur in Testspielen: Hauptsache, er selbst macht das Tor. Das aber riecht auch ein gegnerischer Abwehrspieler allzu schnell.

Klose kann man nur empfehlen, sich von diesen inneren Zahlenspielereien wieder zu verabschieden. Und andere rechnen zu lassen, wie er es jahrelang zuvor bereits tat, während er sich darum kümmert, das Runde ins Kastenförmige zu befördern. Dann kommt der Rekord von ganz allein – zumindest aber verjubelt er nicht seinen guten Ruf.

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